Kundennähe ist der Trumpf der Schweizer Onlinehändler

Konkurrenzkampf im Internet: Schweizer Unternehmen sind unter Druck. Sie können sich aber gegenüber Amazon oder Google ganz gut behaupten. Das zeigt eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz.

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Bildlegende: Der Service muss beim Onlinehandel für die Kunden stimmen – und nicht in erster Linie der Preis. Keystone

Schweizer Onlinehändler müssen im Konkurrenzkampf gegen Internet-Giganten wie Amazon und Google auf ihre Stärken setzen. Ein Trumpf auf dem Heimmarkt ist laut einer Studie die Nähe zum Kunden.

Die Kombination aus physischer Nähe und Online-Angeboten sei ein Wettbewerbsvorteil, sagte der Mitautor des E-Commerce-Reports 2014, Ralf Wölfle von der Fachhochschule Nordwestschweiz. Das hätten nun auch Schweizer Anbieter erkannt, die bisher nur auf dem Internet präsent waren. Verstärkt nutzten sie klassische Werbemittel und schafften physische Anlaufstellen, wo beispielsweise bestellte Ware abgeholt werden kann, sagte der Professor weiter.

Rund zwei Drittel der befragten Online-Händler erwarteten von einer solchen Präsenz auf verschiedenen Verkaufskanälen eine Umsatzsteigerung, heisst es in der Studie, welche die Fachhochschule im ersten Quartal im Auftrag des Zahlungsabwicklers Datatrans durchführte. Befragt wurden Verantwortliche von 34 wichtigen im Internethandel tätigen Unternehmen mit Sitz in der Schweiz.

Dank der physischen und kulturellen Nähe könnten zudem die Kundenbedürfnisse besser erfüllt werden. Dies sei ein weiterer Vorteil der inländischen Anbieter gegenüber der ausländischen Konkurrenz.

Angst vor Online-Giganten

Eine weitere Chance der Schweizer Anbieter ist das Tempo einer Warenlieferung. Über die Hälfte der Befragten ist überzeugt, dass sie schneller liefern können als die Online-Giganten.

Noch sei eine Mehrheit der Kunden zwar mit einer Lieferung innert 48 Stunden zufrieden. Der Trend gehe aber klar zu einer 24-Stunden-Lieferung, sagte Wölfle. Punktuell lieferten Online-Supermärkte bereits am gleichen Tag aus.

Die Ängste der Befragten scheinen aber grösser als die Hoffnungen. Zwei Drittel sehen ausländische Anbieter als bedrohliche Konkurrenz. «Viele Schweizer Anbieter haben Mühe mitzuhalten», sagte Wölfle.

Ausländische Anbieter wie der Online-Modehändler Zalando oder Medienspezialist Amazon könnten mehr investieren, da sie international ein grösseres Ertragspotential haben. «Amazon schreibt auch 20 Jahre nach seiner Gründung noch keine im Verhältnis zum Umsatz angemessenen Gewinne, rückt aber auf der Liste der global grössten Einzelhändler immer weiter nach oben.»