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Liebesheirat geplatzt Clariant bricht Fusion mit Huntsman ab

Legende: Audio Fusion zwischen Clariant und Huntsman geplatzt abspielen. Laufzeit 2:21 Minuten.
2:21 min, aus Rendez-vous vom 27.10.2017.
  • Der Chemiekonzern Clariant lässt die geplante Fusion mit dem US-Konzern Huntsman platzen. Das teilte der Konzern mit.
  • Grund für die geplatzte Fusion: Angesichts der erhöhten Unsicherheit, eine Zweidrittel-Mehrheit der Clariant-Aktionäre für die Fusion zu gewinnen, sei die erfolgreiche Durchführung des Zusammenschlusses ungewiss.
  • Die Investorengruppe White Tale setzt sich damit mit ihrer Opposition gegen den Zusammenschluss durch.
Legende: Video Keine Fusion zwischen Clariant und Huntsman abspielen. Laufzeit 1:25 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 27.10.2017.

Die Fusion sei in gegenseitigem Einvernehmen beendet worden, teilte Clariant am Freitagmorgen mit. Es sei unwahrscheinlich geworden, dass Clariant an der ausserordentlichen Generalversammlung die für die Fusion nötige Zweidrittelsmehrheit der Aktionäre erhalte, sagte Konzernchef Hariolf Kottmann an einer Telefonkonferenz. Der Abbruch der Fusion sei deshalb im Interesse aller Beteiligter.

White Tale erhöht auf 20 Prozent

Praktisch gleichzeitig zur Mitteilung von Clariant meldete der US-Grossinvestor White Tale in einer Pflichtmitteilung die Erhöhung seiner Beteiligung an Clariant auf 20 Prozent. Zuletzt hatte White Tale Ende September einen Anteil von gut 15 Prozent vermeldet.

Die US-Beteiligungsgesellschaft bestätigte damals auch ihre grundsätzliche Kritik an der geplanten Fusion, wobei insbesondere die ungenügende Bewertung von Clariant und die fehlende industrielle Logik des Deals bemängelt wurden. Durch die Fusion wäre ein Chemieriese mit einem Umsatz von rund 13,2 Milliarden Franken entstanden.

Legende: Video Die Einschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktor Tobias Bossard abspielen. Laufzeit 2:05 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 27.10.2017.

Clariant-Chef will nicht zurücktreten

Mit dem Abbruch der Fusion ist Clariant weiterhin als eigenständiges Unternehmen unterwegs. Das Unternehmen werde sich nun auf seine Strategie konzentrieren, die Marktposition weiter auszubauen, hiess es. Einem möglichen Verkauf von Unternehmensteilen und einem Rücktritt erteilte Konzernchef Kottmann eine Absage.

Der Aufhebungsvertrag sieht für keine der beiden Seiten eine Strafgebühr vor. Somit vermeidet Clariant sowohl die Abbruchzahlung von 210 Millionen Dollar als auch die Strafzahlung von 60 Millionen Dollar bei Nichtzustimmung durch die ausserordentliche Generalversammlung, wie es im Fusionsvertrag ursprünglich vereinbart worden war.

Einschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktorin Eveline Kobler

Allein sind wir bald einmal zu klein: Mit diesem Argument hat Clariant-Chef Hariolf Kottmann im letzten Mai die Fusionspläne mit Huntsman begründet. Nun bleibt Clariant aber doch allein, und klein. Konzernchef Hariolf Kottmann liess sich bei der Ankündigung der Fusion mit der amerikanischen Huntsman medial als Vater dieser Idee inszenieren. Das, obwohl Fusionen dieser Grösse sonst eigentlich in die Domäne des Verwaltungsratspräsidenten fallen. Der Zusammenschluss hätte Kottmanns grosses Projekt werden sollen, sein Vermächtnis an Clariant. Er selber wäre beim fusionierten Konzern zum Verwaltungsratspräsidenten aufgestiegen, hätte über 28'000 Angestellte gezählt und einen Umsatz von 13 Milliarden US-Dollar verantwortet.
Hätte. Wäre. Nun ist es anders gekommen: Die Gegenwehr der Investorengruppe rund um White Tale war zu gross. Wie Hariolf Kottmann nun sicherstellen will, dass Clariant im Branchenwettbewerb nicht plötzlich doch zu klein ist, wie damals im Mai befürchtet, ist noch offen. Rund herum fusionieren verschiedene Chemiekonzerne miteinander und werden so grösser. Kottmann sagte heute Morgen, man prüfe jetzt alle Optionen, für genauere Angaben sei es noch zu früh. Kottmann machte an einer Telefonkonferenz keinen Hehldaraus, dass er der geplatzten Fusion mit Huntsman nachtrauert. Trotzdem will er selber jetzt eine neue Strategie für Clariant auslotsen: Trotz Rückschlag bleibt er Konzernchef.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Wieder mal gut gegangen! Wir brauchen weiss Gott nicht noch mehr "Giganten-Unternehmen" auf dieser Welt. Sonst werden am Schluss noch mehr die "Grössten" über die Welt +die Völker regieren. Das ist ja schon heute zu einem grossen Teil so, aber schlimmer darf es nicht mehr werden. Die Weltbevölkerung wird von diesen nur noch als "Betriebsfutter" genutzt +die Vermehrung dieser Bevölkerung wird deshalb auch künstlich gefördert. Wir haben es aber in der Hand, mit kleineren Strukturen zu überleben.
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  • Kommentar von Joel Busch (Joel)
    Ich staune was für Vertragswerke da bisweilen geschrieben werden. Ein Unternehmen wäre busspflichtig geworden, wenn seine Aktionäre anders angestimmt hätten als erwünscht? Das impliziert also dass die Aktionäre von der Konzernsleitung beeinflusst werden müssen und falls sie es nicht schafft gibt es Busse? Ich dachte die Aktionäre sollten der Boss sein.
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