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Wirtschaft Löhne wachsen weltweit langsamer

Die Reallöhne sind in der ganzen Welt nur bescheiden gewachsen. Lediglich in den Schwellenländern gab es ein deutliches Lohn-Plus. Die Schweiz schneidet im internationalen Vergleich durchaus zufriedenstellend ab.

Ein Mann legt eine Münze in sein Portemonnaie, in der Hand hält er Banknoten
Legende: Nur wenig mehr Geld im Portemonnaie: Die Schweizer Reallöhne stiegen 2013 um 0,9 Prozent. Keystone

Der weltweite Reallohnzuwachs hat sich 2013 auf 2 Prozent verlangsamt, nach 2,2 Prozent im Vorjahr. Damit liegt der Zuwachs noch immer unter dem Niveau von jährlich rund 3 Prozent vor der Finanzkrise, wie die Internationale Arbeitsorganisation ILO bekannt gab.

Getragen war das spärliche Lohnwachstum fast vollständig von den Schwellenländern, vor allem China. Hier erhöhten sich die Reallöhne um 5,9 Prozent. In den Industrieländern erreichte das Wachstum hingegen nicht mehr als 0,2 Prozent.

«In den zwei vergangenen Jahren folgte der Lohnzuwachs in den Industrieländern fast einer flachen Kurve, die in einigen Ländern sogar nach unten zeigte», sagte die stellvertretende ILO-Generaldirektorin Sandra Polaski in Genf.

Legende:
Durchschnittliche Entwicklung der Reallöhne in den G 20 2007 bis 2013, 2007 = 100 ILO

Die schwache Lohnentwicklung habe Druck auf die wirtschaftliche Leistung ausgelöst, zu einer schwachen Erholung in der Mehrheit der entwickelten Länder geführt und damit das Risiko einer Deflation in der Eurozone erhöht, fügte die ILO-Chefin hinzu.

Vergleichsweise hohes Wachstum in der Schweiz

In einigen Industrieländern lagen die mittleren Löhne 2013 sogar unter dem Niveau von 2007, so etwa in Spanien, Griechenland, Italien, Grossbritannien und Japan. In der Schweiz dagegen fiel das Wachstum der Reallöhne im vergangenen Jahr mit 0,9 Prozent verglichen mit den anderen Industrieländern überdurchschnittlich aus.

Weltweit gibt es grosse Unterschiede in der Lohnentwicklung. 2013 erhöhten sich die Löhne in Asien beispielsweise um 6 Prozent, in Lateinamerika hingegen nur um 0,8 Prozent. Für die Hälfte des globalen Lohnzuwachses ist das seit 15 Jahren anhaltende Lohnwachstum in China verantwortlich.

Der Bericht zeigt zudem, dass sich die durchschnittlichen Löhne der Schwellenländer in den letzten zehn Jahren langsam an diejenigen der Industrieländern angenähert haben.

Legende:
Durchschnittliches Wirtschaftswachstum 1995 bis 2013, in Prozent ILO

Allerdings sind die in Kaufkraft gemessenen Löhne der reichsten Länder im Durchschnitt mit 3000 Dollar immer noch drei Mal so hoch wie in den Schwellen- und Entwicklungsländern. So beträgt der mittlere Monatslohn in den USA etwa mehr als das Dreifache als in China.

Gefährlicher Druck auf die Löhne

Der ILO-Bericht zeigt weiter, dass Frauen, Einwanderer und Arbeiter der Schattenwirtschaft weiterhin bei den Löhnen benachteiligt werden. Zudem wies die ILO auf eine besorgniserregende Entwicklung hin: Die Arbeitsproduktivität wachse weiterhin schneller als die Löhne in den Industrieländern.

Die Arbeitseinkommen machten einen immer geringeren Anteil am Bruttoinlandprodukt (BIP) aus. Wenn mehrere Länder versuchten, ihre Exporte auf Kosten der Löhne und der Sozialleistungen zu erhöhen, könnte dies die Produktion und den Handelsverkehr stark hemmen, warnte die Arbeitsorganisation. Der Druck auf die Löhne erhöhe zweifellos das Deflationsrisiko in Europa, sagte Polaski.

6 Kommentare

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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Wenn immer mehr Kaufkraft den Übersättigten zufliesst und relativ weniger den Bedürftigen, geht das System irgend wann daran zugrunde. Die Bedürftigen müssen für die Rendite des Kapitals immer mehr produzieren, können sich aber diese Produktion nicht leisten. Und die Übersättigten haben daran kein Bedarf -> der reine Wahnsinn. Den zu raschen Zusammenbruch muss der Staat mit immer mehr Ausgaben auf Pump hinauszögern - mit dem Geld der Übersättigten->Verschuldungs-und Vermögenskrise.
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Wenn der zu verteilende Kuchen nicht exponentiell wächst, leiden die Erwerbseinkommen. Die Rahmenbedingungen bewirken, dass die Kapitalseite sich zuerst bedienen kann. Die Kapitalseite bestimmt, ob, wieviel und zu welchem Preis investiert wird. D.h. zuerst muss die Kapitalseite mit genügend Rendite zufrieden gestellt werden, dass die Wirtschaft überhaupt funktioniert. Dies hat v.a. mit den Rahmenbedingungen im Geldwesen (0%-Zinsuntergrenze), dem Bodenunrecht und dem Patentwesen zu tun.
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  • Kommentar von Hans Glauser, Herlisberg
    Die Löhne werden erst wieder steigen wenn der Neolibeeralismus überwunden ist.
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