Massive Kapitalflucht aus Russland

Investoren ziehen sich offenbar in Heerscharen aus Russland zurück. Beobachter bringen die massive Kapitalflucht mit dem anhaltenden Ostukraine-Konflikt in Verbindung. Gleichzeitig warnt der Kreml den Westen vor möglichen Engpässen bei Gas-Lieferungen.

Iwanow

Bildlegende: Kreml-Spitzenfunktionär Iwanow warnt den Westen vor drohenden Engpässen bei Gas-Lieferungen. Keystone

Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise haben Investoren im ersten Halbjahr 2014 insgesamt 74,6 Milliarden US-Dollar (rund 66,5 Mrd. Fr.) aus Russland abgezogen. Das teilte die Zentralbank in Moskau mit. Die Kapitalflucht habe sich im zweiten Quartal mit 12,3 Milliarden US-Dollar aber verlangsamt, hiess es.

Einer Prognose der Weltbank zufolge muss Moskau in diesem Jahr mit einem Abfluss von bis zu 150 Milliarden US-Dollar rechnen. Grund sei vor allem die Krise um die Ostukraine und die Halbinsel Krim. Auch der Rubel hatte in den vergangenen Monaten stark an Wert verloren.

Gas-Lieferungen: Moskau warnt den Westen

Im Streit mit der Ukraine um unbezahlte Gasrechnungen warnte Russland den Westen vor möglichen Lieferengpässen. Moskau gehe davon aus, dass die Führung in Kiew im Herbst Gaslieferungen nach Europa abzweige, sagte der Leiter der Kreml-Verwaltung, Sergej Iwanow. «Aus Erfahrung wissen wir, wenn Herbst und Winter kommen und die Ukraine zu wenig Gas hat, werden sie es stehlen, entschuldigen Sie, dass ich es so sagen muss», meinte Iwanow.

Russland hatte die Lieferungen an das Nachbarland am 16. Juni eingestellt und will erst wieder verhandeln, wenn die Ukraine ihre Schulden von rund 5,3 Milliarden US-Dollar bezahlt. Die Führung in Kiew fordert von Moskau aber einen niedrigeren Gaspreis und Rabatte.

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