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Wirtschaft Nudel-Skandal drückt auf Nestlé-Wachstum

Der Lebensmittelkonzern Nestlé senkt die Wachstumsprognosen für das laufende Jahr. Grund dafür ist unter anderem der Verkaufsstopp der Maggi-Nudeln in Indien. Nestlé musste in dem Land seine Instant-Nudeln aus den Regalen nehmen, wegen zu hohen Bleiwerten.

Legende: Video Nestlé enttäuscht im dritten Quartal abspielen. Laufzeit 2:54 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 16.10.2015.

Der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat in den ersten neun Monaten 2015 64,9 Milliarden Franken umgesetzt. In der gleichen Vorjahresperiode waren es noch 66,2 Milliarden gewesen.

Organisch – also ohne Wechselkurs- und Akquisitionseffekte – sei Nestlé um 4,2 Prozent gewachsen, teilt Nestlé mit. Die verkauften Mengen legten um 2 Prozent zu, der Rest des Wachstums ist auf Preiserhöhungen zurückzuführen.

Auch Wechselkurseffekte drückten den Konzernumsatz: Den Effekt beziffert Nestlé auf minus 6,7 Prozent.

Nach einer guten Leistung in der ersten Hälfte des Jahres wurden wir im dritten Quartal von aussergewöhnlichen Ereignissen beeinflusst.
Autor: Paul BulckeKonzernchef

Nestlé konnte aus eigener Kraft in Nord- und Südamerika 5,8 Prozent zulegen, in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika 4,1 Prozent. In Asien, Ozeanien und Subsahara-Afrika ging der Umsatz um 0,5 Prozent zurück. Mit den vorgelegten Zahlen hat Nestlé die Markterwartungen klar verfehlt.

Nudel-Skandal ist noch nicht ausgestanden

In Asien bremste zudem weiterhin der Nudel-Skandal Nestlés Entwicklung. Die Auswirkungen des Rückrufs von Maggi-Nudeln in Indien sowie die geringere Erholung in China sollen das Wachstum erheblich beeinträchtigt haben, schreibt der Nahrungsmittelmulti.

Indische Kontrolleure hatten berichtet, die Nudeln wiesen zu hohe Bleikonzentrationen auf. Nestlé hielt dagegen und verwies auf interne und externe Tests, die das Gegenteil beweisen sollten.

Ein Maggi-Nudel-Stand im indischen Ahmedabad. (reuters)
Legende: Maggi-Nudeln werden in Indien für etwa 19 Rappen angeboten. Sie sind an nahezu jeder Strassenecke zu haben. Reuters

Seit Juni darf Nestlé die Fertignudeln weder in Indien herstellen noch verkaufen. Der Konzern musste 400 Millionen Nudelpackungen vom Markt nehmen. Auch Tausende Zulieferer und Bauern verloren ihre Aufträge.

Nudel-Nostalgie in den sozialen Medien

Darauf lancierte Nestlé-Indien im Spätsommer eine Liebeserklärung auf Twitter und Facebook. Unter dem Hashtag #wemissyoutoo (wir vermissen dich auch) erinnerten sich junge, trendige Inder an die Zeit, als die Fertignudeln noch auf ihrem Speiseplan standen.

Der Konzern hofft nun jedoch, den Skandal in Indien bald ausgestanden haben. Nestlé-Finanzchef François-Xavier Roger sagte: «Wir tun, was wir können, um die Maggi-Nudeln wieder auf Markt zu bringen.» Nestlé Indien habe vom indischen Gerichtshof Honorable Bombay High Court einen positiven Entscheid erhalten, die Nudeln wieder in die Läden zu bekommen.

Zufrieden zeigt sich Nestlé mit der Entwicklung in Nord- und Südamerika. Dort treiben löslicher Kaffee, Süsswaren und Produkte für Heimtiere das Wachstum an.

Nestlé-Umsätze nach Produkten (in Mio. Fr.)


Jan - Sept 2015Jan - Sept 2014
Getränke flüssig/Pulverform
13979 14701
Wasserprodukte
5489 5280
Milchprodukte/Speiseeis1099711346
Nutrition & Health Care
10854 10309
Fertiggerichte/Küche
90849678
Süsswaren
6152 6702
Produkte für Heimtiere
8'308 8'208

5 Kommentare

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  • Kommentar von Franz Huber (Raffi)
    Ich möchte wissen ob die Inder auch andere Hersteller von solchen Nudel und anderen Fertiggerichten untersucht haben. Da gibt es in ganz Asien massenhaft solche Produkte. Ich weiss, dass Indien vor ein paar Jahren die Tourist Visa Bestimmungen für Schweizer verschlechtert hat. Schweizer bekommen nur noch 3 Monate Visa, während andere Europäische Länder immer noch 6 Monate bekommen. Gerüchten zufolge soll das eine Strafe sein, weil so viele reiche Inder ihre Kohle in der Schweiz bunkern.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Der Welthandel ist fernab von jeder Fairness. Während lokale Produzenten, v.a. in Entwicklungsländern- zunehmend aber auch bei uns, arm werden und bleiben, verdienen sich int. Konzerne wie Nestlé eine goldene Nase durch Handel. Wegen hohen Preisschwankungen an der Börse werden Bauern gezwungen, sich zu verschulden, um Saatgut und Pestizide und andere Gifte zu kaufen. Sog. "Freihandelsabkommen" wie TTIP werden diese fatale Entwicklung noch beschleunigen. S. Arte-Doku "Fair handeln" in 5 Teilen.
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  • Kommentar von Benedikt Rosenberg (Amadeus)
    Ich hoffe, dass andere Länder dem Beispiel von Indien folgen werden. Fraglich ist allerdings, ob Indien bei einem US-Konzern gleich vorgegangen wäre. Es kann nicht sein, dass aus reiner Profitgier der Investoren, Menschen den Zugang zum Wasser vorenthalten wird, wie z.B. in Pakistan, oder Menschen die im primären Sektor arbeiten, zur Herstellung von hochprofitablen Nahrungsmittel aufs erbärmlichste ausgebeutet werden. Ich esse und trinke schon lange nichts mehr von diesen Lebensmittelmultis.
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