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Open-Source-Software Bezahlen für Software gerät ausser Mode

Software ohne Lizenzgebühr ist beliebt. Auch in der Schweiz, wie eine Studie zeigt. Die Nutzung hat stark zugenommen.

Legende: Video Open Source legt in der Schweiz zu abspielen. Laufzeit 03:23 Minuten.
Aus 10vor10 vom 19.06.2018.

Sie steckt in den TV-Boxen, in neun von zehn Smartphones aber auch in diversen Autos im Bord-System. Die Rede ist von Open-Source-Software. Damit sind Anwendungen und Betriebssysteme gemeint, die ohne kostenpflichtige Lizenz genutzt werden dürfen und deren Quellcode für alle zugänglich ist. Quasi das Gegenteil von Software, wie man sie etwa von Microsoft kennt.

Diese Art von Software wird auch in Firmen vermehrt verwendet. Dies zeigt eine neue Studie der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit der Universität Bern. Sie hat die Studie, die im Wesentlichen auf einer Umfrage basiert, bereits zum dritten Mal verfasst. Gegenüber der letzten Durchführung im Jahr 2015 hat sich das Wachstum bei der Nutzung von Open-Source-Anwendungen im Geschäftsumfeld sogar noch beschleunigt, von 3,5 auf über 7 Prozent.

Statt Photoshop Gimp beim Kanton Bern

Der Einsatz beschränkt sich nicht auf Anwendungen, die weit weg von den Mitarbeitenden stattfinden, wie Datenbanken oder Betriebssystemen, die auf irgendwelchen Servern laufen. Von den 243 befragten Schweizer Unternehmen gaben rund 56 Prozent an, dass bei ihnen Open-Source-Programme direkt auf den Desktop-Computern der Mitarbeitenden installiert seien. Bei der letzten Umfrage gaben dies nur 29 Prozent der Befragten an.

So setzt etwa die öffentliche Verwaltung des Kantons Bern seit Herbst 2016 ein Open-Source-Produkt für die Bildbearbeitung ein. Gimp heisst es und ist anstelle von Adobe Photoshop getreten. So spart der Kanton jährliche Lizenzgebühren von 80’000 Franken ein. Beim Bundesgericht hat man bereits vor einiger Zeit Microsoft Office durch Open Office ersetzt.

Milliardeninvestition in Open Source

Diesem Trend können sich auch grosse Software-Konzerne wie Microsoft & Co. nicht verschliessen. Wenngleich für solche Unternehmen die Umsätze via Lizenzgebühren nach wie vor einer der wichtigsten Ertragspfeiler darstellen.

«Wir sind der festen Überzeugung, dass das Potenzial von Open Source sehr gross ist. Bereits heute findet ein Grossteil der Innovation auf Open Source basierten Technologie statt. Das ist der Grund weshalb Microsoft vor einigen Jahren entschieden hat, intensiv in Open Source zu investieren», sagt Marc Holitscher Technologie-Chef bei Microsoft Schweiz.

Legende: Video Marc Holitscher ist vom Potenzial von Open Source überzeugt abspielen. Laufzeit 00:21 Minuten.
Aus News-Clip vom 19.06.2018.

Geldmaschine ohne Lizenzgebühr

Eine weitere Milliarden-Investition in Sachen Open Source hat Microsoft Anfang Juni angekündigt. Für 7,5 Milliarden Dollar will das Unternehmen sich das Open-Source-Projekt Github einverleiben. Dabei handelt es sich um eine Entwicklungs-Plattform, die unter Open-Source-Programmierern einen hohen Stellenwert hat.

Prompt gab es kritische Stimmen aus der Open-Source-Gemeinde, die sich um die künftige Unabhängigkeit von Github sorgten. Worauf Microsoft versuchte mit entsprechenden Zugeständnissen die Befürchtungen zu zerstreuen.

Obwohl bei Open-Source-Software keine Lizenzgebühren fliessen, sind diese Anwendungen und Betriebssysteme längst zu einem Milliardengeschäft für Softwarefirmen geworden. Das Geld wird einfach bei der Implementierung, der Wartung und der ständigen Weiterentwicklung im Dienste der Kunden verdient. «Es gibt mehr Bedarf an Software und auch an individueller Software. Für das ist Open-Source natürlich super geeignet. Man kann sehr rasch und sehr günstig sehr mächtige Software entwickeln», sagt Matthias Stürmer, der die Open-Source-Studie bei der Universität verantwortet.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Leo Nauber (leo999)
    Man spart zwar Lizenzgebühren, beschäftigt dafür aber teure Programmierer, IT-Fachkräfte anderer Disziplinen etc. und macht sich von diesen genau so abhängig, ja sogar erpressbar(er) als von Microsoft, Apple und Cie. Denn, was diese weiterentwickeln ist teils hohe Kunst und viele nehmen ihr detailliertes Wissen mit - in die Pensionierung, ins Grab und teilweise zur Konkurrenz oder lassen es sich am Tag X dann entsprechend vergolden.
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    1. Antwort von Sascha Freitag (SF)
      Dito in der automatisierung. Immer mehr speziallösungen und komplexere anforderungen machen immer mehr abhängiger. Deswegen ist das alles ab einem gewissen punkt nicht mehr zielführend.
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    2. Antwort von Roger Stahn (jazz)
      Interessante Gedanken dazu (IT und Automatisierung) hatte ebenso Vilém Flusser angestellt, ebenso zu den daraus resultierenden klaren Fragestellungen bezog er Stellung: Zur Macht- Stellung des Programmierers, nicht nur nach dem Warum, sondern auch nach dem Wozu zu fragen, dass wenn Apparate (Automation) als Werkzeuge definiert werden, Zweifel entstünden, ob das daraus resultierende Konsumgut nun, wie ein Schuh oder Apfel ist und ob dieses so definierte Werkzeug, wie Nadel oder Schere ist...?
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  • Kommentar von Sascha Freitag (SF)
    Microsoft hat seit dem millenium eine andere strategie, die nun auch langsam früchte trägt. Es war schon damals klar, dass man mit betriebssystemen und software nicht für immer geld verdienen wird. Geld wird man mit diensten in der cloud verdienen. Die aktuellsten zahlen zeigen dies auch. Aber für den vergleich im artikel reicht es noch den klassiker microsoft zu erwähnen. ;)
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  • Kommentar von Hans Fürer (Hans F.)
    Weshalb immer wieder "Geiz ist geil"? Das ganz normale Office Home&Student mit Word und Excel zum Beispiel kostet rund 150 Franken und erhält laufend gratis Updates, wodurch es so lange dient, wie mein derzeitiger PC läuft, das heisst mindestens 6 Jahre. Damit kostet das ausgereifte Programm gerade mal 25 Franken pro Jahr, eine Ausgabe, die wahrlich kein Kopfzerbrechen verursachen sollte.
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    1. Antwort von David Arnold (darnold)
      Es geht weniger um Geiz als um die Transparenz und Vertrauenswürdigkeit (Hintertüren vermeiden), Persönliche Anpassungsfähigeit (JeKaMi), grosse Entwicklerbasis (mehr Transparenz bei Bugfixes) und die Vermeidung von Lizenzkriegen.
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