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Wirtschaft Oranger Riese: Wettbewerbsvorteil bei Bioprodukten

Joghurt, Brot oder Eier: Immer öfter sind unsere Nahrungsmittel Bio. Denn Bio ist beliebt. Das zeigt auch die Jahresbilanz der Migros: Der Umsatz mit Bio-Produkten wuchs um fast 15 Prozent. Nicht viel vom Bio-Boom spüren hingegen die klassischen Bioläden.

Legende:
Marktanteile auf dem Schweizer Bio-Markt Coop und Migros erzielten 2015 zusammen drei Viertel des Bio-Umsatzes – Coop weiterhin klar vor Migros. Auf Platz 3: der Biofachhandel. bio-suisse.ch

Klein und lokal verankert waren sie die ersten, die sich den biologisch produzierten Lebensmitteln verschrieben haben: Reformhäuser und Bioläden. In den letzten Jahrzehnten wurden diese aber von den beiden grossen orangen Detailhändlern überholt und zunehmend verdrängt. Während der Biomarkt insgesamt munter wächst, stagnierte der Umsatz der Bio-Fachläden im letzten Jahr.

Die Kunden kaufen vor allem bei Coop und Migros mehr Bio, wie Jürg Schenkel, Marketingleiter bei der Dachorganisation Bio Suisse beobachtet: «Die Präsenz der beiden Grossverteiler, sowohl in der Kommunikation aber auch mit den Angeboten, die in den Geschäften heute vertreten sind, ist sehr stark. Während der Fachhandel – vor allem was die Präsenz betrifft – nicht die gleichen Möglichkeiten hat.»

Migros eröffnet weitere Alnatura-Filialen

Weniger Werbung, aber auch höhere Preise, sind ein Wettbewerbsnachteil für die Kleinen. Und insbesondere die Migros ist daran, ihr Bio-Angebot stark auszubauen. Rund ein Dutzend weitere Filialen der Bio-Kette Alnatura sind geplant. Das bedeutet noch mehr Konkurrenz für den Bioladen im Quartier. Ausserdem springen die grossen Detailhändler immer schneller auf neue Trends auf; Superfood, Vegan, lokal – eigentlich eine Domäne der Bio-Fachläden.

Düstere Aussichten also für die Bio-Spezialisten. Schenkel von Bio Suisse hat dennoch Hoffnung, dass das Biolädeli überlebt. «Die ganze Lokalität, die ganze Swissness, das wird heute von den Konsumenten sehr stark nachgefragt. Gerade der Fachhandel wäre da ideal gelegen, denn wenn ich etwas suche, dann gehe ich zu meinem nächsten Partner und sage, ‹hey, ich möchte das aus unserer Region›.»

In dieser Nische sieht der Bio-Experte die Zukunft der Fachläden. Das grosse Geschäft – die Milliardenumsätze mit der Bio-Industrie – werden in Zukunft aber immer mehr die Grossen Detailhändler machen.

Legende:
Die beliebtesten Bio-Produkte in der Schweiz Wertanteile von Bio-Produkten am Food-Umsatz. Die grössten Marktanteile am gesamten Lebensmittelmarkt erzielten 2015 Eier, Frischbrot und Gemüse. bio-suisse.ch

2 Kommentare

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  • Kommentar von Mike Steiner (M. Steiner)
    Kunststück... Wenn ein Bio-Brot 6 Franken kostet oder in der Auslage nur Demeter-Äpfel liegen (deren individuelle „sozialpädagogische“ Betreuung natürlich so teuer ist) und das Verkaufspersonal eine Motivation an den Tag legt, welche irgendwo zwischen Verklärung und zeitintensiver Produkt-Erfahrung pendelt, dann dürfte das nur eine kleine Klientel ansprechen… Da ist mir persönlich der Migros/Alnatura-Ansatz mit soliden Bioprodukten mit effektivem Absatzkanal lieber.
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    1. Antwort von Nico Basler (Bebbi)
      Träumen sie einfach weiter Herr Steiner. Die Produkte all dieser selbst erfundenen Label wie Alnatura, Migros Bio, Oekoplan etc. sind rein industriell gefertigte Artikel wie das Normalsortiment auch. Nur die Handelsmarge ist höher.
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