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Wirtschaft Ostdeutschland zwischen Depression und Aufschwung

Nach der Wende hatte Helmut Kohl dem Osten Deutschlands «blühende Landschaften» versprochen. Die Realität ist: In weiten Teilen herrschen Tristesse, Abwanderung und Stillstand. In diesem Umfeld betreibt eine Schweizer Firma zwei Fabriken. Und sie will weiter investieren.

Legende: Video Ostdeutschland zwischen Depression und Aufschwung abspielen. Laufzeit 8:41 Minuten.
Aus ECO vom 09.09.2013.

«Sie denken nicht in Kategorien von Gewinn und Profit wie wir im Kapitalismus», erklärt Rico Seiler, Geschäftsführer von Texplast, einer Tochterunternehmung der Schweizer Fromm-Gruppe. Seit der Wende 1989 vom kommunistischen zum kapitalistischen System ist eine Generation vergangen – das gewinnorientierte Denken liegt den Ostdeutschen noch nicht wirklich im Blut.

Leerstehende Häuserzeile in Dessau
Legende: Dessau hat ein Drittel seiner Bevölkerung verloren – und schrumpft noch weiter. SRF

Seit 2001 ist die Fromm-Gruppe mit zwei Fabriken in Bitterfeld und Kölleda ansässig. Tiefe Löhne, gut ausgebildete Arbeitskräfte, Industrieland zu Spottpreisen und eine ausgesprochen kooperative Verwaltung – diese Voraussetzungen waren damals ausschlaggebend für den Einstieg in Ostdeutschland. Rico Seiler sieht sich bis heute als Pionier des Um- und Aufbaus.

Bis heute nicht von Aderlass erholt

Doch es kamen nicht genügend Unternehmen wie die Fromm-Gruppe, um den Kollaps der kommunistischen Betriebe zu kompensieren. Die Folge: 1,5 Millionen Menschen wanderten in den Westen ab – die Jungen, die Flexiblen, die gut Ausgebildeten.

Ein Aderlass, von dem sich die östlichen Bundesländer bis heute nicht erholt haben. Städte wie Dessau und Hoyerswerda haben ein Drittel ihrer Bevölkerung verloren. Ganze Strassenzüge stehen leer.

Geschätzte 1600 Milliarden Euro netto sind in den vergangenen 24 Jahren seit der Wende von West- nach Ostdeutschland geflossen. Trotz der Gewaltanstrengung ist der Umbau stecken geblieben. Der Osten hat den Anschluss an den Westen nicht geschafft. Die Löhne sind noch immer ein Viertel tiefer, und die Arbeitslosigkeit liegt bei 10 Prozent, im Vergleich zu 6 Prozent in Westdeutschland.

Kleine Städte stellen sich auf weniger Menschen ein

Plattenbauten werden im grossen Stil abgerissen. Ein massiver Rückbau hat eingesetzt – die kleinen Städte stellen sich langfristig auf weniger Menschen ein. Nur Zentren wie Dresden und Leipzig haben es geschafft, genügend Dynamik zu entwickeln, um neue Bürger anzuziehen. Hier treibt der Kapitalismus die versprochenen Blüten.

Trotzdem: Für die Fromm-Gruppe hat sich das Engagement gelohnt. Beide Standorte wird das Unternehmen weiter ausbauen, wie Rico Seiler ankündigt.

Fromm sponsert GC und Wawrinka

Besitzer der weltweit tätigen Schweizer Firmengruppe Fromm ist der 71-jährige Reinhard Fromm. Der Multimillionär unterstützt als Hauptsponsor den Grasshoppers Club Zürich sowie den Tennisprofi Stanislas Wawrinka.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von J.Johnson, Vitznau
    Ich bin tägl. mit Deutschen in Kontakt: Mit D ist es ähnl. wie mit Nord und Süditalien. Mit den Süddeutschen: Baden-Württemberg 4.2% Arb.lose und Bayern 3.8% Arb.lose, habe ich seit Jahrzehnten in jeder Beziehung ein ausgezeichnetes und angenehmes Verhältnis. Ebenfalls fallen die Ostdeutschen privat/beruflich mit einer gewissen bodenständigen u. angenehmen Zurückhaltung sehr positiv auf. Wenn ich aber in Berlin, oder in Nordrhein-Westfalen bin, komme ich mich vor wie auf einem fremden Planet!!
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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Das was in Ostdeutschland mit den leerstehenden Wohnungen passiert, könnte auch andern Orts in Europa passieren auf Grund er tiefen Geburtenquote wenn Europa keine Zuwanderung von Ausserhalb hätte. Man sehe doch auch etwas positives in den leerstehenden Wohnungen: Es gibt Platz für Migraten und Asylanten! Bedenklich ist hingegen, dass D als gegenwärtiger Wirtschaftsmotor bezeichnet wird, aber selbst auch eine sehr hohe Arbeitslosigkeit hat.
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    1. Antwort von Herr S., Lugano
      Die Aussage, dass Deutschland eine sehr hohe Arbeitslosigkeit hat ist einfach falsch. Sie liegt aktuell bei 5,3%. Die ist die zweit-niedrigste in der ganzen EU. Mit der Schweiz kann man ein Land, dass ca. 10x so viele Einwohner hat einfach nicht direkt vergleichen. Ein Kleinstaat hat bei ähnlicher volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Regel immer eine niedrigere Arbeitslosenquote. Ein direkter Vergleich zwischen DE und CH ist wie Äpfle und Birnen zu vergleichen.
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    2. Antwort von S. Herrman, Stuttgart
      @Herr S.: Wer diese Arbeitslosenquoten glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen. Diese werden in allen Ländern manipuliert. Hier in der BRD hat erst vor wenigen Monaten der Bundesrechnungshof die Manipulationen dargestellt, wobei dies seit vielen Dekaden jedem bekannt war. Ich möchte auch auf den Unterschied zwischen BRD und Deutschland hinweisen. Korrekter Name ist Vereinigtes Wirtschaftsgebiet (vgl. Art. 133 GG). Ferner heißt es nicht Ostdeutschland, sondern bis heuer Mitteldeutschland.
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