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Wirtschaft Pensionskassen investieren Vorsorgegelder in Mikrokredite

Die tiefen oder gar negativen Zinsen an den Kapitalmärkten werden für die Schweizer Pensionskassen zunehmend zum Problem. Immer mehr Geld investieren sie deshalb in Mikrokredite, die stabile Renditen von um die 5 Prozent bieten.

Einfränkler in einer Kasse.
Legende: Pensionskassen müssen eine Mindestrendite erzielen – Mikrokredite sind für sie eine interessante Investition. Keystone

Geld verleihen und dabei Gutes tun: Das ist die Idee von Mikrokrediten. Sie sollen Kleinstunternehmer in Entwicklungsländern mit Kleinkrediten versorgen, die sie bei herkömmlichen Banken nicht bekommen würden.

Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus spricht in Mikrofone.
Legende: Muhammad Yunus aus Bangladesch erhielt für die Erfindung des Mikrokredits den Friedensnobelpreis. Reuters

Bekannt wurden die Mikrokredite, als ihr Erfinder Muhammad Yunus im Jahr 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Mehr als 11 Milliarden Dollar würden heute von Mikrofinanzfonds verwaltet, sagt Patrick Scheurle, Finanzchef von BlueOrchard, einem der grössten Schweizer Mikrokreditunternehmen. «Der Markt wächst zweistellig, getrieben vom Wachstum in vielen Entwicklungsländern.»

Attraktive Anlagen

Immer mehr würden auch Pensionskassen das Geschäft entdecken, sagt Scheurle. Wegen der sehr tiefen oder gar negativen Zinsen an den Kapitalmärkten stehen diese zunehmend unter Renditedruck. «In den letzten Jahren gingen die Renditen in sämtlichen Anlageklassen nach unten.» Umso attraktiver würden für Grossanleger die Mikrokredite – mit stabilen Renditen um die 5 Prozent, erklärt Scheurle.

Gerade in der Schweiz seien Mikrokredite für Vorsorgeeinrichtungen interessant, da sie gesetzlich verpflichtet sind, eine Mindestrendite zu erzielen. «Deshalb schauen sie sich nach Alternativen zu den herkömmlichen Anlagen, wie Aktien, um», sagt Scheurle.

Ruf der Schweiz verbessern

Auch Jean-Daniel Gerber, Präsident der Vereinigung Swiss Sustainable Finance, betont, das Potenzial von Mikrokrediten sei gross. Die Plattform möchte die Schweiz zum führenden Finanzplatz für nachhaltige Anlagen machen.

Jean-Daniel Gerber an einem Mikrofon.
Legende: Nachhaltige Investitionen könnten den Ruf der Schweiz aufpolieren, sagt Jean-Daniel Gerber. Keystone

Damit könne das Land auch sein Image aufpolieren, sagt Gerber, der früher Chef des Staatssekretariats für Wirtschaft war. «Die Schweiz mit ihren Banken hatte in den letzten Jahren international nicht unbedingt einen guten Ruf.» Da die Schweiz ein grosser Vermögensverwalter sei, sei es förderlich für das Image, wenn ein Teil des Geldes nachhaltig investiert werde.

Der Weg ist noch weit. So wird in der Schweiz zwar ein Drittel der weltweiten Vermögen verwaltet. Aber nur ein Prozent davon wird nachhaltig investiert – das meiste davon schon jetzt in Mikrokredite. Auch Gerber hofft nun auf das Geld der Pensionskassen.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Vorläufig die wirksamste Methode, um kleinräumige und auf den lokalen Bedarf ausgerichtete Strukturen zu fördern. Man hat damit seit Jahren ausgezeichnete Erfahrungen. Dabei erachte ich es sogar als positiv, die Mikrokredite aus dem Ausland zu finanzieren, denn das dürfte der schnellen Bildung einer Kapitalelite in den EWL etwas entgegenwirken. Mit 5% Rendite fliesst aber immer noch 1/3 zu viel Geld ab.
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  • Kommentar von P Fetz (P.Fetz)
    Die Rendite der Kunden geht runter und die Aktionäre kassieren ab bei den Pensionkassen! Wiso bekommt der Kunde keine Aktien! Mikrokredite sind aber gut da nur wenige den Kredit nicht zurück zahlen!
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