Pensionskassen «wetten» auf Naturkatastrophen

Investoren wie Pensionskassen, Hedgefonds oder Vermögensverwalter drängen vermehrt ins Geschäft mit Naturkatastrophen, denn die Renditen sind attraktiv. Damit bedrängen sie die traditionellen Rückversicherungen.

Schiefes Haus nach dem Erdbeben auf den Philippinen von 2013

Bildlegende: Investitionen in Naturkatastrophen wie Erdbeben bringen Pensionskassen oder Hedgefonds attraktive Renditen. Keystone

Es mag zynisch klingen, aber wenn die Erde in einer Region bebt oder ein Wirbelsturm wütet, beginnen Versicherungskonzerne rasch zu rechnen. Wie gross sind die Schäden insgesamt? Wie viel davon ist versichert?

Solche Fragen interessieren seit ein paar Jahren auch den einen oder anderen Pensionskassen-Verwalter, weil er oder sie einen Teil des Pensionskassen-Vermögens in solche Natur-Risiken investiert hat.

«Wetten» sollen Geld bringen

Dabei gehen die Pensionskassen eine Art Wette ein, wie Branchen-Kenner Urs Ramseier von Twelve Capital am Beispiel eines fiktiven Erdbebens in San Francisco erläutert: Würde sich ein solches ereignen, dann verliert der Investor sein Geld. Bleibt das Naturereignis dagegen aus, so wirft das investierte Geld noch eine Rendite ab.

Das bedeutet also, dass beim Erdbeben in San Francisco nicht mehr nur Versicherungen für die Schäden aufkommen würden, sondern auch Pensionskassen, Hedgefonds und andere Grossinvestoren.

Risiko besser verteilen

Gerade für Pensionskassen sind solche «Wetten» verlockend: Das Geschäft ist zwar riskant, dafür wird das eingesetzte Geld entsprechend gut verzinst. Das ist im aktuellen Tiefzins-Umfeld attraktiv.

Heinrich Flückiger von Swisscanto führt noch einen zweiten Grund an, warum Pensionskassen begonnen haben, beim Versichern von Naturkatastrophen mitzumischen. Naturereignisse wie Wirbelstürme und Erdbeben funktionierten nach eigenen Gesetzen und seien nicht an das Auf und Ab der Finanzmärkte gekoppelt.

Für Pensionskassen noch ein Nischengeschäft

Laut Flückiger investieren Schweizer Pensikonskassen seit rund fünf Jahren in solche Anlagen, die immer beliebter werden.

Bisher haben die Pensionskassen aber erst etwa ein bis drei Prozent ihres gesamten Vermögens in Natur-Risiken investiert. Das Versichern von Naturkatastrophen ist für sie somit noch ein Nischengeschäft.

Pensionskassen und andere Grossinvestoren drängen aber vermehrt in dieses Versicherungsgeschäft: mittlerweile decken sie weltweit bereits zwölf Prozent des gesamten Marktes ab, wie Ramseier von Twelve Capital sagt, der mit solchen Finanz-Wetten geschäftet.

Konkurrenz für Rückversicherer wird grösser

Damit werden die Investoren zunehmend zur Konkurrenz für die traditionellen Rückversicherer und nehmen ihnen Geschäfte weg.

Die Swiss Re reagiert noch gelassen auf diese Konkurrenten: Man sei nicht alarmiert, beobachte die Situation aber aufmerksam, heisst es dort. Swiss Re profitiert davon, im Bereich Naturkatastrophen über ein enormes Wissen zu verfügen. Und wenn mal wieder ein Hurrikan oder ein Erdbeben grosse Schäden verursacht, bleibt der Trost, dass die Versicherungsbranche die Kosten nicht allein schultern muss.

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Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Swiss Re profitiert von ruhigem Jahr

    Aus Tagesschau vom 20.2.2014

    Der Rückversicherer Swiss Re hat im 2013 einen hohen Gewinn von 4.4 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Dieser Gewinn ist auch damit zu erklären, dass im letzten Jahr grosse Naturkatastrophen ausblieben.