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Krise der Autobauer Peugeot plant eine Übernahme von Opel

Logos der Automarken Opel (Blitz) und Peugeot (Löwe).
Legende: PSA Groupe (Peugeot, Citroën und DS) möchte von General Motors (GM) den deutschen Autobauer Opel übernehmen. Reuters

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Autokonzern Groupe PSA (Peugeot, Citroën und DS) plant eine Übernahme von Opel.
  • Opels Mutterkonzern General Motors möchte auch Vauxhall abstossen.
  • Enttäuschung herrscht bei der IG Metall und dem Opel-Gesamtbetriebsrat.
  • Die Aktien von PSA und GM drehen ins Plus.

Der französische Autokonzern Groupe PSA mit den Marken Peugeot, Citroën und DS führt Gespräche mit General Motors (GM) über einen Kauf des deutschen Autobauers Opel. Das bestätigte ein Sprecher des Konzerns. Ziel sei es, die Ertragskraft von PSA zu steigern.

Auch der US-Mutterkonzern GM bestätigte Gespräche über einen Verkauf seines Europageschäfts an PSA. Die Konzerne loteten verschiedene Möglichkeiten zur Expansion und Kooperation aus, hiess es in der Konzernzentrale in Detroit. Dazu gehöre auch eine mögliche Übernahme der britischen GM-Tochter Vauxhall.

Bereits gemeinsame Produktion

Bereits 2013 hatten Opel und PSA eine gemeinsame Produktion vereinbart. Die ersten Fahrzeuge aus dieser Allianz kommen derzeit auf den Markt. Sie sollen die Angebotslücke von Opel bei Mehrzweckfahrzeugen (SUV/CUV) für ein städtisches Publikum füllen.

Vertreter der Arbeitnehmer von Opel haben verärgert auf die Entwicklung reagiert. Sie wäre eine «beispiellose Verletzung sämtlicher deutscher wie europäischer Mitbestimmungsrechte», erklärten die IG Metall und der Opel-Gesamtbetriebsrat.

Sanierungsfall Opel

Die deutsche Traditionsmarke Adam Opel AG gehört seit fast 90 Jahren zu GM. Jahrelang hatte der Mutterkonzern vergeblich versucht, Opel zu sanieren. Auch 2016 hatte Opel sein Ziel verfehlt, erstmals seit 1999 wieder in die Gewinnzone zu kommen.

Stattdessen betrug der operative Verlust 2016 rund 257 Millionen US-Dollar. Das war immerhin eine deutliche Verbesserung nach 813 Millionen Dollar Verlust im Jahr zuvor. Als Grund für den Verlust nannte Firmenchef Karl-Thomas Neumann Währungsturbulenzen nach dem britischen Referendum für einen EU-Austritt.

Fehlender Absatz in Europa

Opel musste in den vergangenen Jahren den Wegfall des kompletten russischen Marktes und auch die Folgen der Brexit-Entscheidung für den grössten Markt Grossbritannien verkraften. Werke in Antwerpen und Bochum wurden geschlossen. Ein Gewinn ist erst für 2018 geplant.

2009 war General Motors infolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise schwer angeschlagen. Opel arbeitete anschliessend an einem Konzept zur Trennung vom Mutterkonzern GM. Im Sommer 2009 hatten sich der deutsche Staat, die Bundesländer, GM und das US-Finanzministerium mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna auf ein Rettungskonzept geeinigt. Im November 2009 beschloss dann GM, Opel doch zu behalten.

Staatlich gestützter Konzern PSA Groupe

Der vom französischen Staat (14 Prozent Anteil) gestützte Autokonzern PSA Groupe hat 2016 weltweit über 3,1 Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Konzernchef Carlos Tavares sanierte in den vergangenen Jahren hart, schloss Werke und baute Stellen ab. Ebenfalls einen Anteil von 14 Prozent an PSA hält der staatlich kontrollierte chinesische Hersteller Dongfeng.

Die Aktien von PSA drehten am Nachmittag ins Plus und stiegen um 3,4 Prozent auf den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Die Begründungen von Seiten GM (Russland, Brexit) sind sehr schwach. Denn vergleicht Opel mit Ford, so muss man sagen, dass Ford einen viel besseren Job gemacht hat. Zumal Ford von Brexit oder dem Russlandboykott mehr betroffen ist, als Opel. Fakt ist aber, dass Opel im Vergleich zu Ford massiv weniger Geld pro Auto verdient. Die PSA Strategie ist sehr gut, Opel wird als Marke sicher teilweise verschwinden, die deutschen Produktionsstätten dürften bleiben, dafür wird in Frankreich abgebaut.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    "PEUGEOPEL"
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  • Kommentar von Lutz Bernhardt (lb)
    Ich hatte ja gehofft, ein anderer schildert den Sachverhalt! In den 90er Jahren hat so ein Jupi-US-Manager Opel übernommen, und aufgemischt. Seinerzeit waren Opel und VW noch gleichauf. Er hat Ami-Rationalisierung bei Opel eingeführt - sparen beim letzten Pfennig. Ein paar Jahre später war Opel kaputt! Besagter Manager hatte zuvor noch jede Menge Lob und Preise einkassiert! Die Opel-Mitarbeiter haben zwischenzeitlich Unglaubliches geleistet, die Firma wieder auf Vordermann gebracht!
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    1. Antwort von John Johnson (Kelten)
      Der „revolutionäre“ Kerngedanke von Lopez basierte auf ein Konzept von Produktivitätszuwächse ohne Investitionen, weil er diese bei den Zulieferern anfallen lassen wollte. Und unsere Hochschulen dozierten sogar diesen Schwachsinn. Anderseits ist es auffallend, dass die halbstaatlichen französischen Firmen, welche meistens von chaotischen „Beamten-Managern“ geführt werden, dauernd mit staatlich finanziellen Mittel am Leben erhalten werden; obwohl dies gemäss EU-Vereinbarung rechtswidrig ist.
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    2. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Bernhardt: Der Spanier José Lopez wechselte bereits 1993 von GM zu VW und Probleme des "Lopez-Effekts" hatte VW auch. Doch der VW-Konzern oder Opels direkter Konkurrent Ford verstehen es, ihre Produkte richtig zu positionieren und genau hier hat GM mit Opel grosse Mühe. Opel passt nicht zu GM. In der lukrativen Mittelklasse kam man zu spät, die Obere Mittelklasse hat man ganz verpasst, bei den Kleinwagen produziert man im Vergleich zur GM-internen Konkurrenz Chevrolet massiv zu teuer.
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