Preiszerfall beim Öl: Warum zögert die Opec?

Trotz fallender Preise haben die Opec-Staaten ihre Erdöl-Produktion nicht gedrosselt. Analysten sprechen von einem Verdrängungskampf gegen die USA, die mit Fracking-Öl den Markt überschwemmen. Energie-Experte Steffen Bukold hat eine andere Erklärung: Die Opec brauche immer lange für Entscheidungen.

Ein Mann in Arbeitskleidung kontrolliert Schläuche und Leitungen einer Ölförderanlage

Bildlegende: Öl-Boom in den USA: Um 60 Prozent ist die Produktion gestiegen – in fünf Jahren. Reuters

«Saudis zetteln Preiskrieg an», «Ringen um die Vorherrschaft im Erdölmarkt», «Wie Saudi Arabien die neue Öl-Macht USA stürzen will»: Solche Schlagzeilen dominieren die Berichterstattung über den fallenden Ölpreis. Dieser hat seit dem Sommer um rund 25 Prozent nachgelassen und liegt derzeit bei unter 80 Dollar pro Fass.

Wie plausibel ist die These vom Preiskampf?

Trotz des tiefen Preises hat die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ihre Fördermengen nicht gedrosselt. Analysten werten das als Angriff auf das Fracking-Öl der USA. Die Öl-Produktion aus Schiefergestein hat die USA punkto Produktionsmenge auf Augenhöhe mit Saudi-Arabien gebracht. Sie ist aber teurer als die herkömmliche Öl-Gewinnung. Saudi-Arabien will die USA also mit Dumping-Preisen aus dem Markt drängen, so die Schlussfolgerung verschiedener Experten.

«Das kann nicht funktionieren», sagt dagegen Steffen Bukold, Leiter des Beratungsbüros EnergyComment in Hamburg. «Selbst wenn Saudi-Arabien soviel Öl auf den Markt wirft, dass in den USA die Produktion zurückgeht, stellt sich die Frage, was danach geschieht.» In dem Moment, in den Saudi-Arabien die Produktion wieder drossle, steige das Fracking in den USA wieder an. «Die Ölvorkommen verschwinden ja nicht einfach mit tieferen Preisen, sondern die Produktion wird den Preiserwartungen angepasst.»

Opec reagiert mit einiger Verzögerung

Der Grund für das Zögern der Opec sieht Bukold nicht in einem Verdrängungskampf. «Wie immer dauert es einfach relativ lange, bis Entscheidungen getroffen werden.» So auch bei Ausbruch der Finanzkrise, als der Ölpreis innert Kürze von 140 Dollar auf 30 Dollar pro Fass fiel. Es habe einige Monate gedauert, bis die Opec reagierte und grosse Produktionsmengen vom Markt genommen habe. Auch auf die Förderausfälle durch den Krieg in Libyen reagierte die Organisation verzögert. «Die Opec hat also noch nie schnell reagiert.»

Das werde sie aber, ist Bukold überzeugt. «Es stellt sich nur die Frage, wie schnell Saudi-Arabien die anderen Länder davon überzeugen kann.» Das Ölkartell soll sich am 27. November treffen. Dann dürfte über den Kurs der Opec mehr Klarheit herrschen.

Die Opec

Die Organisation erdölexportierender Länder wurde 1960 in Bagdad gegründet. Mitgliedsländer sind Algerien, Angola, Ecuador, Iran, Irak, Kuwait, Libyen, Nigeria, Katar, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Venezuela. Sie fördern etwa 40 Prozent des weltweiten Erdöls und verfügen über drei Viertel der weltweiten Erdölreserven.