Renditen der Pensionskassen unter Druck

Mit Negativzinsen will die Nationalbank verhindern, dass alle Welt ihr Geld in Franken anlegt. Und so müssen Banken ab einem bestimmten Betrag dafür zahlen, wenn sie ihr Geld bei der Nationalbank deponieren. Diese Kosten werden Banken an ihre Grosskunden weitergeben – etwa an Pensionskassen.

Vier Stapel Fünfliber, darauf gefaltet eine 200-Franken-Note.

Bildlegende: Wegen den Negativzinsen werden die Pensionskassengelder tendenziell risikoreicher angelegt. Keystone/Symbolbild

Pensionskassen besitzen nicht nur Obligationen, Aktien und Immobilien. Einen Teil ihres Vermögens halten sie auch in Bargeld. Die SBB-Pensionskasse beispielsweise hält rund 500 Millionen Franken in bar. Das entspricht etwa dreieinhalb Prozent ihres Vermögens, sagt Geschäftsführer Markus Hübscher. «Wir brauchen Geld, um die operationelle Tätigkeit der Pensionskasse sicherzustellen; um die laufenden Renten an unsere Versicherten zu zahlen.»

Aktien keine Alternative zum Strafzins

In welchem Ausmass die SBB-Pensionskasse bald Strafzinsen zahlen muss, wenn sie bei Banken Geld parkiert, ist noch offen. Sicher ist: Sie könnte ihr Bargeld nicht einfach in andere Anlagekategorien – beispielsweise in Aktien – verschieben. Aktien versprechen zwar mehr Rendite, aber ihr Verlustrisiko ist auch entsprechend grösser. «Ein Ausweichen in andere, aber risikobehaftetere Anlageinstrumente ist für uns keine Option, da wir die Anlagerisiken nicht erhöhen können.» Deshalb müsse seine Kasse allfällige Strafzinsen, wenn auch murrend, bezahlen.

Solche Gebühren schmälern die ohnehin tiefen Erträge der Pensionskassen zusätzlich. Obligationen, die wichtigste Anlagekategorie in der beruflichen Vorsorge, werfen kaum mehr Erträge ab. Und bei den sicheren Bundesobligationen haben die Zinsen nach dem jüngsten Nationalbank-Entscheid sogar ins Minus gedreht.


Pensionskassen bezahlen einen hohen Preis

4:08 min, aus Echo der Zeit vom 19.01.2015

Pensionskassen legen also bereits drauf, wenn sie dem Bund Geld ausleihen, klagt Martin Janssen. Er ist emeritierter Professor für Finanzmarkt-Ökonomie an der Universität Zürich und Spezialist für die berufliche Vorsorge. «Jetzt wird das auf Anlagen, die bei den Banken liegen, ebenfalls angewandt. Die Pensionskassen werden auf der Hälfte ihres Bestandes oder mehr einen negativen oder gar keinen Ertrag mehr erzielen.»

Gefahr, dass Renditen nicht für Renten reichen

So werden die Pensionskassen nicht genügend Erträge erwirtschaften und auf Reserven zurückgreifen müssen, um erstens die Renten der Pensionierten zu bezahlen und um zweitens das Kapital der Versicherten zum geforderten Mindestzins von 1,75 Prozent zu verzinsen. Hübscher von der SBB-Pensionskasse macht sich Sorgen: «Die Wahrscheinlichkeit, dass die Anlagerenditen nicht ausreichen werden, um die Leistungen zu bezahlen, hat zugenommen.»

Für Pensionskassen und für Beitragszahler verheisst das nichts Gutes. In letzter Zeit sind die Diskussionen um höhere Pensionskassenbeiträge respektive tiefere Renten zwar etwas leiser geworden. Denn 2014 war ein gutes Anlagejahr.

Verlustrisiko ist in Negativzins-Zeiten höher

Jetzt kommen aber wieder ruppige Zeiten. Der abgeschaffte Euro-Mindestkurs und die anschliessenden Kursstürze an der Börse haben den Pensionskassen letzte Woche Milliardenverluste eingebrockt. Je nach Schätzung haben sie auf einem Anlagevermögen von rund 700 Milliarden zwischen 10 bis 30 Milliarden Franken verloren. Janssen sagt: «Die Pensionskassen müssen, wenn sie ihr Kapital anlegen wollen, diversifizieren. Und sie werden tendenziell risikoreichere Anlagen tätigen.»

Pensionskassen, die in Zeiten von Negativzinsen anständige Erträge erwirtschaften wollen, müssen künftig also vermehrt Aktien, Immobilien oder ausländische Obligationen kaufen. Solche Anlagekategorien versprechen mehr Rendite. Aber das Verlustrisiko solcher Investitionen ist ebenfalls entsprechend grösser. So gesehen sind sie in Zeiten von Negativzinsen und grossen Verwerfungen an den Finanzmärkten eine schwierige Alternative.