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Rente mit 60 Ältere Bauarbeiter riskieren ihre Gesundheit

Die Gewerkschaften kämpfen für die Rente mit 60 auf dem Bau. Denn die Gesundheitsrisiken nehmen im Alter zu.

Legende: Video Wie krank macht die Arbeit auf dem Bau? abspielen. Laufzeit 4:27 Minuten.
Aus 10vor10 vom 22.06.2018.

Der Streit um eine Frührente für Bauarbeiter geht weiter. Am Samstag gehen Bauarbeiter in Zürich auf die Strasse, um für eine Rente mit 60, für mehr Lohn und einen besseren Schutz für ältere Bauarbeiter zu demonstrieren.

Die Gewerkschaften warnen vor dem «Angriff auf die Würde der Bauarbeiter». «Die Bauarbeiter gehen mit 60 in Rente, weil sie körperlich verbraucht sind und die Firmen ihnen gar keine Stellen mehr anbieten», erklärte Nico Lutz, Sektorleiter Bau der Gewerkschaft Unia, an einer Medienkonferenz in Bern.

Immer noch erhebliche Gesundheitsrisiken

Der technische Fortschritt der letzten Jahrzehnte hat die Arbeitsrisiken auf dem Bau deutlich eingedämmt. Gefährliche Tätigkeiten, die früher Menschen ausgeführt haben, werden heute vermehrt von spezialisierten Robotern und Maschinen übernommen.

Dennoch bringt die Arbeit auf dem Bau noch immer erhebliche Gesundheitsrisiken mit sich. Das zeigen Recherchen von «10vor10». Laut der Krankenversicherung Helsana sind Bauarbeiter über 45 Jahre häufiger krank als Beschäftigte in anderen Branchen.

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Legende: Zahl der Unfälle nimmt mit der Berufserfahrung älterer Bauarbeiter ab. SRF | Suva

Auch das Unfallrisiko auf dem Bau ist nach wie vor virulent. Der Baumeisterverband betont zwar, dass der Schutz der Bauarbeiter durch Investitionen in Prävention, Ausbildung und Arbeitskleidung in den letzten zehn Jahren gesunken sei. Dennoch verunfallt gemäss Erhebungen der Suva noch immer jedes Jahr ein Sechstel der Arbeiter auf Baustellen.

Invaliditätsrisiko steigt mit zunehmendem Alter

Hingegen nehmen Arbeitsunfälle auf dem Bau mit zunehmendem Erwerbsalter kontinuierlich ab. Die längere Arbeitserfahrung vermag aber die gesundheitlichen Folgen des strengen Arbeitsalltags auf dem Bau nicht zu kompensieren.

Je älter die Bauarbeiter, desto stärker widerspiegeln sich die andauernden körperlichen Belastungen in den Invaliditätszahlen der Suva. Die Gruppe der ältesten Arbeitnehmenden (50 bis 59 Jahre) weist ausserdem das höchste Todesfallrisiko auf. Im letzten Jahrzehnt ereigneten sich in dieser Alterskategorie 59 tödliche Arbeitsunfälle.

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Legende: Todesfälle auf Schweizer Baustellen. SRF | Suva

Der Arbeitsmediziner Urs von Rotz stellt insbesondere in Zusammenhang mit Muskel-Skelett-Erkrankungen ein erhöhtes Invaliditätsrisiko für Bauarbeiter fest. Auch Lungenerkrankungen, bedingt durch alltägliche Staub- und Dampfbelastungen, traten in der Vergangenheit im Vergleich mit anderen Berufsgruppen deutlich häufiger auf.

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Legende: Invaliditätsfälle auf dem Bau. SRF | Suva

Die Frage der Verantwortung

Unbestritten ist, dass die Arbeit auf dem Bau längerfristig nicht gesund ist. Entsprechend wichtig ist, dass alle Beteiligten darauf bedacht sind, den dauernden Risiken bei der Arbeit entgegen zu wirken. Benedikt Koch, Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands, sieht insbesondere die Arbeitnehmer in der Pflicht: «Bauarbeitende sollten auf der Baustelle mit ihren Vorgesetzten mögliche Massnahmen diskutieren und umsetzen.»

Aus Sicht der Arbeitsmediziner sind bezüglich Sicherheit auf den Baustellen primär die Arbeitgeber in der Pflicht. Der Arbeitsmediziner Urs von Rotz spricht von «zahlreichen Risiken, die durch die Arbeit bedingt sind», welche eine erhöhte Aufmerksamkeit der Betriebe erfordere.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Ich hatte fast 2 Jahre lang Gelegenheit, von meiner Wohnung aus den Bau von 3 Mehrfamilienhäuser zu verfolgen (zu beobachten). Was auf dieser Grossbaustelle (bei jedem Wetter) tagtäglich von den verschiedenen Bauhandwerkern und Arbeitern geleistet wurde, war sehr beeindruckend! Nur, mit einem "Giesskannen-System" all diese Schwerarbeiter mit 60 in Pension schicken, ist reine linke Einheitsdenkart, unschweizerisch und persönlichkeitsfremd! Jeder soll selber seine Möglichkeiten einschätzen können!
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  • Kommentar von Jeanôt Cohen (Jeanot)
    Ja, es wird Zeit die Arbeit niederzulegen. Damit die Herren die sich so wichtig teuerisch als Arbeitgeber nennen, ganz rasch lernen was Wertschätzung ist! Und die Geschichte von kein Geld, ist stinkfrech gelogen. Nach etwa 2 Wochen totaler stillstand auf alle Baustelle, hat es ganz sicher wieder geld. Darum, steht zusammen!
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  • Kommentar von U. Erni (max4)
    So schön und lieb. Nicht jeder will mit sechzig in den Ruhestand. Diese nette Geste kann auch als "du bist nun unbrauchbar" aufgefasst werden. Nach über 45 Jahren als Bauarbeiter, nein, nicht in leitender Position, leide ich immer noch viel mehr unter der gesellschaftlichen Nichtanerkennung des Status Bauarbeiter. Biertrinkende, hirnlose und fettige Fleischmasse.
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      @erni: Rundherum habe ich viele Baustellen und ich finde es beachtlich, was da alles von diesen Bauarbeitern geleistet wird. Manchmal denke ich mir, wie es für jemanden ist, zu wissen und zu sehen, da habe ich meinen bliebenden Beitrag geleistet, muss schon auch besonders sein. Ich danke allen Männern und Frauen (es sind wesentlich weniger) , die da mitwirken und mitgestalten und zwar oft unter sehr widrigen Umständen. Ein herzliches Merci.
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