Schlüssel zum Campus Biotech wechselt Besitzer

Der Pharmariese Merck gibt die Schlüssel für seinen Sitz in Genf ab. Der Standort von Merck Serono ist damit Geschichte. Auf dem Firmengelände soll jetzt der Campus Biotech der Milliardäre Ernesto Bertarelli und Hans-Jörg Wyss entstehen.

Ehemaliger Sitz von Merck Serono in Genf

Bildlegende: Hier, am ehemaligen Merck-Serono-Sitz in Genf, entsteht der Campus Biotech. Keystone

100 Millionen Franken haben Ernesto Bertarelli und Hans-Jörg Wyss investiert, um die Forschung im Bereich der Neurotechnik am ehemaligen Standort von Merck Serono voranzutreiben. Dort sollen zum Beispiel Geräte entwickelt werden, die die Alterung des Gehirns verlangsamen. In 10 Jahren soll der Campus Biotech zur Weltklasse auf diesem Gebiet gehören, so der ambitionierte Plan der beiden Milliardäre.

Ginge es nach den Herren Bertarelli und Wyss, so sollte der Genfer Campus Biotech schon bald im gleichen Atemzug genannt werden wie die amerikanische Spitzenuniversität Harvard. Sich solche hohen Ziele setzen sei legitim, sagt Erich Nigg, Leiter des Biotechzentrums der Universität Basel, gegenüber SRF: «Der Campus Biotech wird durchaus eine Chance haben. Allerdings wohl kaum als Einzelmaske. Es ist wichtig, dass er sich mit starken Partnern assoziiert.»

Kooperation mit Wyss-Institut

Starke Partner sind am Genfersee vorhanden – mit den beiden Hochschulen Genf und ETH Lausanne, den Kantonsspitälern sowie unzähligen Forschungsstartups. Aber auch international wird der Campus gut verankert sein: Wyss besitzt in Harvard im US-Bundesstaat Massachusetts bereits ein Forschungsinstitut.

Martin Schwab, Neurologe der ETH Zürich, ist denn auch überzeugt davon, dass Genf von den Erfahrungen des Wyss-Instituts in den USA profitieren kann. Denn: «Dieses Wyss-Institut ist im Wesentlichen eine Plattform, um Forschungsgruppen aus den verschiedenen Instituten und auch mit der Industrie zu vernetzen.»

Insofern muss die Wirtschaft einen direkten Nutzen haben von der Forschung am Campus Biotech. Harvard könne man zwar nicht konkurrenzieren, aber man könne Nischenforschung betreiben. «In einzelnen kleinen Bereichen, wenn es gut gemacht wird, können wir durchaus in die Spitzengruppe aufsteigen.»

120 Arbeitsplätze für die Wissenschaft

Unter dem Strich, sind die beiden Professoren Nigg und Schwab überzeugt, sei das Projekt Campus Biotech vielversprechend, wenn er sich auf ganz bestimmte Bereiche der Neurowissenschaften konzentriere und junge, dynamische Forschende anziehe. Wer diese Leute sind, ist im Moment noch nicht bekannt.

Auf dem Gelände sollen künftig etwa 120 Leute tätig sein. Die Hälfte des Campus' wird an Startups und andere Gesellschaften vermietet. Platz ist sicherlich genug da: Vor einem Jahr hat Merck Serono an diesem Standort 1200 Personen entlassen.

(eglc;luek)