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Insolvenz bei Air Berlin Schmerzvolle Bruchlandung für Etihad

Etihad hat als Grossaktionärin von Air Berlin und Alitalia in Europa viel riskiert. Wohl zu viel. Eine Einschätzung.

Legende: Audio Etihad scheitert erneut abspielen. Laufzeit 02:58 Minuten.
02:58 min, aus Echo der Zeit vom 15.08.2017.

Für Etihad bleibt vorerst nur eine teure Rechnung: Geschätzte 1,5 Milliarden Euro hat die Fluggesellschaft in den vergangenen Jahren bei Air Berlin investiert. Vergebens.

Die Investition war mit der Absicht verbunden, ein weltumspannendes Netz aufzubauen: Von Europa aus sollten die Passagiere via das Emirat Abu Dhabi nach Asien und Afrika fliegen – und umgekehrt.

Nun erleidet Etihad in Europa eine schmerzvolle Bruchlandung. Das gilt nicht nur bei Air Berlin, sondern auch bei Alitalia. Mit der italienischen Fluggesellschaft hat sie versucht, ein zweites, grosses Standbein in Europa aufzubauen. Doch auch Alitalia steht vor dem Aus. Derzeit wird in Rom nach einer neuen Lösung gesucht für die marode Fluggesellschaft.

Eine allzu risikoreiche Strategie

Allerdings ist Etihad von Beginn an eine risikoreiche Strategie gefahren: Denn Air Berlin war bereits klamm, als Etihad seine Beteiligung 2011 ausgebaut hat. Dasselbe galt übrigens auch für Alitalia.

Zudem konnte Etihad bei beiden Fluggesellschaften nicht selber direkt die Steuerknüppel übernehmen: Die Gesetze in der EU lassen nur Minderheitsbeteiligungen zu an europäischen Fluggesellschaften. Dennoch hat es Etihad als wichtigster Aktionär verpasst, Air Berlin klar zu profilieren: Entweder als Billigairline oder als klassische Fluggesellschaft mit gutem Service und breitem Netz.

So zeigt sich nun: Diese Strategie war zu risikoreich. Und selbst die vermeintlich nie versiegende Geldquelle des Emirs von Abu Dhabi war nicht gross genug, um die finanziellen Löcher in Europa zu stopfen.

Er war es auch, der 2003 die Fluggesellschaft Etihad gegründet hat und sie in irrwitzigem Tempo zu einer führenden Fluggesellschaft machen wollte. Als Teil einer Diversifikationsstrategie – das Emirat will unabhängiger werden von seinen Öleinnahmen.

Genau das macht das Nachbaremirat Dubai seit Jahren erfolgreich vor: Auch dank seiner Fluggesellschaft – Emirates – ist Dubai zu einem der wichtigsten Knotenpunkte der Welt geworden.

Etihad bleibt trotzdem in Europa

Trotz des Scheiterns bei Alitalia und Air Berlin, zieht sich Etihad nicht aus Europa zurück. Sie verfügt nach wie vor über Direktverbindungen zwischen Europa und Abu Dhabi. Und gleichzeitig hat sie die Zusammenarbeit mit der Lufthansa in den vergangenen Monaten stetig ausgebaut.

Allerdings wird Etihad im Wettlauf mit den anderen Fluggesellschaften aus den Golfstaaten zurückgebunden. Sie verliert den einfachen Zugang zu den europäischen Flugpassagieren und damit einen Wettbewerbsvorteil.

Auch die anderen Fluggesellschaften in unmittelbarer Nachbarschaft verfolgen dieselbe Absicht: Möglichst viele Passagiere für ihre Drehkreuze zu gewinnen. Auch bei diesem Vorhaben erleidet Etihad nun einen Dämpfer.

Matthias Heim

Matthias Heim

Matthias Heim hat an der Universität Bern und Stockholm Wirtschaftsgeschichte, Staatsrecht und Kunstgeschichte studiert. Seit 2007 arbeitet er für SRF; unter anderem als Produzent und Redaktor bei SRF 4 News. Seit 2016 ist er auf der Wirtschaftsredaktion von Radio SRF. Zu seinen Hauptthemen gehören Aviatik, Tourismus, Verkehr, Detailhandel und Energie.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Elisabeth Frehner-Isenring (Denia)
    Und es geht weiter so. Wie viele Flugzeuge will man noch bauen? Letzthin sprach man von einer Anzahl, die mir fast den Atem raubte. Wie grössenwahnsinnig ist diese Männerwelt noch? Es ist eben interessanter ein Riesenflugzeug zu bauen als WC zu putzen. Ich komme auf dieses Bild des WC-Putzens zurück. Hausarbeit macht demütig! Wäre doch ein Gedanke wert, oder? Wollen wir Frauen dieser Männerwelt wirklich noch mehr Kinder zum Frasse vorwerfen? Wie wär es, wenn man verzichten lernen würde? Jeder?
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  • Kommentar von Tinu Sado (Tinu2)
    war da nicht vor vielen Jahren eine Firma namens Swissair die mit einer teuer von einer sehr bekannten Beraterfirma erkauften und extrem dummen "Hunter Strategie" an etlichen Maroden Airlines beteiligt hat, um seinen Marktanteil zu erhöhen? Das Resultat kennen wir alle - wird wohl hier nicht passieren aber so wie es scheint werden Gelder in ähnlicher Höhe verpulvert. Offensichtlich lernt auch diese Branche nicht aus der Geschichte!
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    1. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      In dieser Branche findet seit längerem ein Verdrängungswettbewerb statt. Riskant, doch anders kann keine Airline wachsen.
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    2. Antwort von Klaus Waldeck (kdwbz)
      M.F. der konstante Wachtumswahn führt immer wieder und immer öfter zu schmerzhaften Rückschlägen. Die "modernen" CEOs und Strategen, mit ihrer Casino-Verschuldungsmentalität, sollten sich einmal überlegen ob es nicht gesünder wäre die Gewinnmargen etwas zu senken und die Firmen zu stabilisieren. Irgendwann findet auch jedes mögliche Wachstum einmal seine Obergrenze.
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    3. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      @Waldeck: Da bin ich bei Ihnen. Doch ich finde, diesen Wachstumswahn können wir nicht ausrotten. Warum? Die Antwort finden Sie in der frühkindlichen Entwicklung. Wenn zwei Kinder spielen, kommt irgendwann der Moment, wenn der Stärkere (oder Möchtegern-Stärkere) alle Spielsachen zu sich schaufelt und dies dem anderen gegenüber als Machtinstrument verwendet. Darum. Menschlich. Zur Überwindung bräuchte es weniger Testosteron und mehr Selbstkontrolle. Das lehrt man nicht in Managerkursen... ;)
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  • Kommentar von René Pfeifer (Whistler)
    Etihad wollte mit AB ihre Flugzeuge nach Abu Dhabi und weiter nach Fernost füllen . . . nur ging die Rechnung nicht auf. Ich persönlich ziehe einen Direktflug nach Fernost halt immer noch einem Umsteigen in der Nacht vor - - - selbst wenn der Preis via Abu Dhabi tiefer ist. Aber hatten wir eine solche Strategie nicht schon bei uns ? Zubringerflüge nach Zürich und weiter mit SWISSAIR in die Welt . Ist auch kläglich gescheitert, soweit ich mich erinnern kann !
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