Zum Inhalt springen
Inhalt

Wirtschaft Schweiz bleibt Insel der hohen Preise

Die Wettbewerbskommisson hat letztes Jahr viel weniger Beschwerden erhalten zu überteuerten Importgütern als 2011. Die Preisschere hat sich laut Konsumentenschützern aber keinesfalls geschlossen. Ihre Hoffnung ruht nun auf einem verschärften Kartellgesetz.

Der starke Franken kratzte vor zwei Jahren an der Marke von 1:1 zum Euro. Ein schwacher Euro vergünstigt die Preise für Importprodukte – zumindest in der Theorie.

Doch hierzulande war es anders. Die Preise blieben hoch. Im Jahr 2011 gingen deshalb  371 Beschwerden bei der Wettbewerbskommission (Weko) ein.

Der Jahresbericht von 2012 zeichnet hingegen ein ganz anderes Bild: Es gab nur noch 96 Meldungen und Beanstandungen in dieser Sache. Das ist rund ein Viertel der Vorjahreszahl.

Die Hochpreisinsel Schweiz ist also kein Thema mehr. Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz widerspricht: «Wir stellen überhaupt keine Normalisierung der Situation fest.» Die Preisdifferenzen seien nicht kleiner geworden.

Verschiedene Verfahren noch hängig

Patrik Ducrey, Vizedirektor der Weko, stimmt zu: «Die Hochpreisinsel hat es immer gegeben, und es wird sie wahrscheinlich immer geben.» Sie sei markant geworden, als der Franken gegenüber dem Euro stark wurde. Zwar erhalte die Weko auch heute noch Meldungen. Doch deren Zahl sei nicht mehr so hoch.

Die Weko greift ein, wenn Unternehmen die Währungsvorteile nicht an die Kunden weitergeben. Doch die Möglichkeiten der Behörden sind begrenzt.

Trotzdem konnte die Weko letztes Jahr verschiedentlich bei illegalen Absprachen intervenieren. Am spektakulärsten war der Fall BMW: Die Weko verhängte eine Busse von 150 Millionen Franken, weil BMW verhinderte, dass Schweizer Kunden ihr Auto günstiger im Euroraum kauften. Doch rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. BMW hat es vors Bundesverwaltungsgericht weitergezogen.

Auch andere Verfahren laufen weiter. Der Vorwurf: Haushaltgerätehersteller und Kosmetik-Importeure sollen günstigere Parallelimporte behindert haben.

Verschärftes Kartellgesetz gefordert

Die lange Dauer der Verfahren stört Konsumentenschützerin Stalder. Zudem kritisiert sie, dass die gesetzlichen Grundlagen zu unklar seien. «Die Weko kann nicht handeln, selbst wenn eine Marktabschottung offensichtlich ist. Das Kartellgesetz muss umgehend verschärft werden», fordert Stalder.

Auch Ducrey von der Weko legt seine Hoffnungen in die laufende Revision des Kartellgesetzes. Dessen Verschärfung würde es der Weko vereinfachen, Verfahren durchzuführen, sagt er. «Es gibt ein gewisses Potential, um Behinderungen der Parallelimporte besser zu bekämpfen.»

Doch die Revision ist im Parlament umkämpft. Die Wirtschaftsverbände wehren sich gegen zu starke Eingriffe in die Preisgestaltung der Unternehmen.

(prus;snep)

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von K. Räschter, Schweiz
    Dass weniger Beschwerden beim WeKo eingehen, könnte auch bedeuten, dass man dieser Behörde nicht so richtig traut resp. sowieso nichts passiert. Also wieso sich noch die Mühe machen, zu reklamieren. Meiner Meinung nach macht die WeKo viel zu wenig und könnte auch mal aus eigener Initiative aktiv werden und nicht nur bei Beschwerden. Es gibt genug Fälle, die auch der WeKo ohne Beschwerden bekannt sein müssten, dass dort gehandelt werden muss.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Wir sind und bleiben eine Hochpreis-Insel. Kein Händler, kein Lieferant, kein Importeur verzichtet freiwillig auf eine gute Marge. Was da seinerzeit uns erzählt wurde im Zusammenhang mit den Bilateralen, funktioniert so einfach ganz und gar nicht. Wir haben völlig andere Kostenstrukturen, die sich nicht so schnell auf ein EU-Niveau einpegeln werden. Es sei den, speziell die Löhne aber auch all die anderen Kostenfaktoren, würden drastisch auf EU-Niveau absenkbar. Das ist nicht realistisch!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von R.käser, Zürich
    Als Konsumenten sind wir mächtig, so habe ich auf meinen BMW verzichtet. Die Weko hat noch viel Arbeit. Ich denk an die politisch abgestützten Pharmapreise. Nebenbei bekommt die Novartis noch Steuergeschenke nach erfolgreicher Erpressung in der Westschweiz. Im q1 dieses Jahres haben sämtliche Banken ihre Libormargen erhöht - Kartellabzocke. Der Wirtschafts und Politfisch stinkt nicht nur am Kopf! Als Wähler sind wir mächtig, so werden im Moment die Filzparteien FDP, SVP ordentlich verhutzelt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen