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Wirtschaft Schweizer Reiche spenden immer mehr

Wie viel sollen Manager und Verwaltungsräte verdienen? Die Debatte über exorbitant hohe Gehälter läuft vor der Abstimmung am 3. März über die «Abzocker»-Initiative von Thomas Minder heiss. Dabei geht leicht vergessen, dass viele Schweizer Einrichtungen von den Geldern Reicher leben.

Legende: Video Gut verdienen – Gutes tun abspielen. Laufzeit 6:51 Minuten.
Aus ECO vom 14.01.2013.

Mit schätzungsweise 1,5 Milliarden Franken unterstützten Schweizer Stiftungen letztes Jahr Kulturinstitute, Forschungseinrichtungen oder soziale Projekte. Das Spendenvolumen von wohlhabenden Schweizern hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. «Stiftungen sind immer Kinder der Wohlstandsgesellschaft», sagt Georg von Schnurbein, der das Institut für Stiftungsmanagement CEPS an der Universität Basel leitet.

In den letzten 20 Jahren seien viele Vermögen aufgebaut worden, die nun über Stiftungen auch der Allgemeinheit nützten. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass in der Schweiz auch pro Kopf sehr viel gespendet wird. Zählt man die Zuwendungen von Privaten und Unternehmen zu den 1,5 Milliarden Franken der Stiftungen dazu, dann wurden letztes Jahr 3 Milliarden Franken gespendet.

Orientierung am angelsächsischen Raum

Die Philanthropie in der Schweiz orientiert sich zunehmend am angelsächsischen Raum, wo Spenden in wohlhabenden Kreisen zum guten Ton gehört. Viele erfolgreiche Unternehmer unterstützen zeitlebens die Universitäten, an denen sie studiert haben. Diese Entwicklung lässt sich auch in der Schweiz beobachten: Während vor fünf Jahren nur 33 Prozent der Spenden der Förderstiftungen in Bildung und Forschung flossen, sind es heute 41 Prozent.

Legende: Video Georg von Schnurbein über Spenden in der Schweiz abspielen. Laufzeit 1:37 Minuten.
Vom 14.01.2013.

Georg von Schnurbein erklärt sich diese Verschiebung mit einem Sinneswandel: «Lange wurde Bildung in Kontinentaleuropa als staatliche Aufgabe verstanden. Heute sieht man aber, dass dieses Geld alleine nicht mehr ausreicht.» Der Unternehmer Branco Weiss etwa hinterliess der ETH Zürich rund 100 Millionen Franken, als er vor drei Jahren starb.

Ebenfalls nach angelsächsischem Vorbild lassen sich viele Philanthropen bei ihren Engagements beraten. Das Unternehmen Social Investors sucht für Reiche Projekte, in die sie ihr Geld investieren können. Patrick Frick gründete das Unternehmen 2005. Zu seinen Kunden gehören Grossspender wie Patrick Odier, Präsident der Schweizer Bankiervereinigung und Mitglied einer der reichsten Familien der Schweiz.  

Auch Unternehmen spenden

Nicht nur Einzelpersonen spenden im grossen Stil, sondern auch Unternehmen. So zum Beispiel die deutsche Bank Mainfirst, die auch in Zürich ein Büro mit 25 Mitarbeitern hat. Einmal pro Jahr spendet das Team von Ebrahim Attarzadeh den Umsatz eines Tages für einen guten Zweck: «Wir versuchen immer, dass dieser Tag der umsatzstärkste des Jahres wird. Es gibt verschiedene Kunden, die an diesem Tag bewusst viele Aufträge erteilen.»

Dass sich Mainfirst zu seinem Spendentag äussert, ist eine Ausnahme: «Wir machen keine Werbung damit. Wir wollen bloss einige Projekte unterstützen», betont Attarzadeh. Die wenigsten Banker oder andere Reiche machen ihr philanthropisches Engagement öffentlich. Das bedauert Alfred Gantner, Gründer von Partners Group und einer der reichsten Schweizer. Zusammen mit seinen beiden Partnern verfügt er laut Bilanz über ein geschätztes Vermögen von 2,5 Mrd. Franken. Wenn man mehr in die Öffentlichkeit treten würde, «dann würde auch die breite Bevölkerung wahrnehmen, dass Reiche viel mehr tun für karitative und kulturelle Zwecke, als man das im Allgemeinen wahrnimmt», so Gantner.

15 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Engeler, Uster
    Es ist schön und beruhigend, dass es auch in CH grosszügige Spender gibt. Nur dürfte man auch erwähnen, dass solche Spenden auch bei den Steuern abzugsberechtigt sind. Und ich frage mich, ob man bei den berühmt, berüchtigten grossen Abzockern aus dem Bankenmilieu auch Spender gibt? Eher kaum.
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  • Kommentar von Fritz Frei, Buriram
    Aha, das Gottesgnadentum hat also wieder Einzug gehalten. Und srf.ch beugt sich in Reverenz. Was die Reichen mit ihrem Geld tun, ist ihre Sache. Was sie dem Staat schulden, ist des Staates Sache. Dies nur als Nachhilfe für die Autoren dieses Artikels, der wohl klar ausserhalb des Informationsauftrages von srf liegt. Und ebenso klar innerhalb des Machtbereiches eines korrupten Vorgesetzten.Ich werde der Sache nachgehen.
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  • Kommentar von Thomas Bretscher, Niederwil
    Ich denke es wird oft vergessen dass das erwirtschaftete Geld einer Person dessen Eigentum ist. Ob nun Fleiss, Risikobereitschaft, Glück etc. dazu geführt hat sei mal dahin gestellt. Er nutzt die von den Steuern finanzierten Objekte nicht mehr als einer mit tieferem Einkommen und leistet trotzdem einen massiv höheren finanziellen Beitrag dazu. Wenn dann jemand noch freiwillig Millionen für die Öffentlichkeit ausgibt, bin ich mehr als nur dankbar. Denn ich kann solche Dinge nicht finanzieren...
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    1. Antwort von Armin Bühler, Chur
      Reiche Söhne und Töchter werden bei einem geerbten Einkommen in den meisten Kantonen nicht mehr besteuert und tausende Arbeiter bei ihrem hart erarbeiteten Einkommen dagegen schon. Mit diesen hart erarbeiteten, versteuerten Einkommen wurden z.B. immerhin sehr teure Kampfjets finanziert, welche die eventuellen Spenden der reichen Söhne und Töchter, betragsmässig völlig in den Schatten stellen. Der Dank gilt hier wenn schon den hart arbeitenden Steuerzahlern.
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