Schweizer Tourismusbranche lockt mit Schnäppchenangeboten

Der starke Franken sorgt für fallende Preise in den Feriendestinationen. «Man hat noch nie so viele Sonderangebote gesehen», sagt Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus, gegenüber «ECO». Das Angebot richte sich vorwiegend an Schweizer, die kurzentschlossen Ferien in der Schweiz machen wollen.

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So viele Sonderangebote hat es noch nie gegeben.

1:09 min, vom 30.3.2015

Wer auf der Seite von Schweiz Tourismus (ST) surft, wird auf den Slogan «Unschlagbare Angebote» aufmerksam. Offensichtlich ist auch beim Chefvermarkter der Schweiz das Schnäppchenfieber ausgebrochen. Das überrascht.

Denn die Branche betont stets, sie könne niemals über den Preis konkurrieren. Und nun geschieht genau dies. «Es ist in der Tat so, dass der Schweizer Tourismus, obwohl er es sich eigentlich nicht leisten kann, an vielen Orten mit den Preisen runter geht. Man hat noch nie so viele Sonderangebote gesehen», sagt ST-Direktor Jürg Schmid gegenüber «ECO».

Das Angebot richtet sich vor allem an Schweizer Gäste, die ihre Osterferien noch nicht geplant haben. Dass man damit auch im Kernmarkt Europa auf Gästefang geht, verneint der Tourismusdirektor: «Im Ausland gehen wir eigentlich ganz selten über den Preis. Auch wenn wir dort einen Super-Spezialpreis machen, sind wir mit dem starken Franken immer noch ein wenig teurer als der Mitbewerber.»

Wenn überhaupt, lassen sich solche Sonderangebote nur kurzfristig aufrechterhalten. Langfristig sind Preissenkungen kein Mittel, um gegen ausländische Mitbewerber aus dem Kernmarkt Europa zu bestehen. Aufgrund des höheren Lohnniveaus in der Schweiz würde das in einen ruinösen Wettbewerb münden.

Die Strategie sollte für die Schweizer Tourismusbranche eine andere sein: «Wir müssen die Preise rechtfertigen können. Dafür muss das Preis-Leistungs-Verhältnis wieder stimmiger werden. Es gibt Leute, die hochpreisige Produkte zahlen können. Aber entsprechend gut muss dann auch das Produkt sein», fordert Urs Wagenseil, Tourismusexperte der Hochschule Luzern.

Schweiz Tourismus will mehr Geld

Schweiz Tourismus hat aufgrund des starken Frankens 50 Millionen Franken zusätzliche Mittel beim Bund beantragt, um noch stärker sowohl Gäste aus der Schweiz als auch solche aus den Fernmärkten zu umwerben. Mitte Mai wird das Geschäft in der WAK (Kommission für Wirtschaft und Abgaben) des Nationalrates behandelt.

Für die Periode 2012 bis 2015 erhielt Schweiz Tourismus vom Bund 210 Millionen Franken. Hinzu kamen für die Jahre 2011 und 2012 je zwölf Millionen Franken – das sogenannte Impulsprogramm – für zusätzliche Werbeoffensiven zur Abfederung des starken Franken. Ursprünglich hatte Schweiz Tourismus für die Periode 2012 bis 2015 ein höheres Budget beantragt, das allerdings vom Parlament abgelehnt wurde.

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Wie Schmid die Schweizer Berge anpreist.

0:56 min, vom 30.3.2015

Für die Periode 2016 bis 2019 schlägt der Bund dem Parlament nun ein Budget von 220,5 Millionen Franken vor. Schweiz Tourismus hingegen beantragte 240 Millionen Franken. Nach Aufhebung des Mindestkurses Mitte Januar erhöhte die Marketingorganisation ihren Antrag nun auf 270 Millionen Franken.

Schweiz Tourismus (ST)

Schweiz Tourismus vermarktet die Marke Schweiz national und international. Das Marketingunternehmen ist eine öffentlich-rechtliche Körperschaft des Bundes und finanziert sich je zur Hälfte aus Bundesgeldern und Mitgliederbeiträgen aus der Tourismusbranche. Schweiz Tourismus ist mit rund 230 Mitarbeitern in 26 Ländern präsent.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Tourismus: Mehr Geld fürs Marketing ist keine Lösung

    Aus ECO vom 30.3.2015

    Die Schweizer Tourismusbranche kämpft mit dem starken Franken. Deshalb fordert die Dachorganisation «Schweiz Tourismus» 50 Millionen Franken mehr Geld vom Bund für Werbekampagnen. Kritik kommt aus der eigenen Branche: Statt mehr Geld fürs Marketing brauche es Kooperationen der unzähligen Tourismus-Organisationen. Und: Die Leistung der Anbieter müsse besser werden.

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