Showdown bei Novartis-GV: Der ganze Ablauf

Die millionenschwere Vergütung von Daniel Vasella hat bei der Novartis-Generalversammlung zu reden gegeben. Dieser besänftigte die Aktionäre mit Selbstkritik. Den Anträgen des Verwaltungsrates sind die Aktionäre dann schlussendlich aber gefolgt. Lesen Sie hier den Live-Ticker nach.

Ulrich Lehner (rechts) und Daniel Vasella (links)

Bildlegende: Novartis-Vizepräsident Ulrich Lehner (rechts) hat die geplante 72-Mio-Fr.-Zahlung an Daniel Vasella (links) verteidigt. Keystone

13.50 Fazit der Generalversammlung

Die Aktionäre des Pharma-Konzern Novartis sind an der heutigen GV in Basel allen Anträgen des Verwaltungsrates gefolgt. Auch die zuvor heftig diskutierten Traktanden Entlastung des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung sowie die Konsultativabstimmung zum neuen, ab 2014 gültigen Vergütungssystem fielen deutlich im Sinne des Verwaltungsrats aus.

Video «Zusammenfassung von Reto Lipp» abspielen

Zusammenfassung von Reto Lipp

2:08 min, vom 22.2.2013

13.45 Journalist Roman Seiler: «Das war eine massive Ablehnung»

Laut Seiler waren die Nein-Stimmen trotz Annahme der Traktanden ein deutliches Zeichen. Man dürfe auch nicht vergessen, dass Novartis in ausländischer Hand sei. Die amerikanischen Aktionäre, die in der Mehrheit sind, stimmen weniger kritisch ab.

Video «Roman Seiler schätzt ein» abspielen

Roman Seiler schätzt ein

1:23 min, vom 22.2.2013

13.40 Fünftes Traktandum: Alle neuen Verwaltungsräte gewählt

Weitgehend unbestritten sind die Wahlen in den Verwaltungsrat als Traktandum. Gewählt sind Verena Briner, designierter Präsident des Verwaltungsrates Jörg Reinhardt mit Amtsantritt Anfang August dieses Jahres, Charles Sawyers und William Winters.

Daniel Vasellas Nachfolger als Verwaltungsratspräsident bei Novartis ist mit 97,5 Prozent der Stimmen in den Verwaltungsrat gewählt worden. Abgelehnt wurde Jörg Reinhardt lediglich von 1,5 Prozent. Enthaltungen machten 1 Prozent aus.

Hier sehen sie die weiteren Wechsel im Verwaltungsrat:

13.35 SRF-Moderator Reto Lipp schätzt die vierte Abstimmung ein

Das Ergebnis ist ein gewisser Achtungserfolg für die Nein-Sager. Die erwartete massive Kritik blieb aus.

Weitgehend unbestritten sind die Wahlen in den Verwaltungsrat als Traktandum Nominiert sind Verena Briner, designierter Präsident des Verwaltungsrates Jörg Reinhardt, Charles Sawyers und William Winters.

Interessante Details aus dem neuen Vergütungssystem: Der Konzernchef wird ab 2014 ein Drittel seines Gehalts in bar bekommen, zwei Drittel in Aktien. Wobei: 38 Prozent der Aktien drei oder noch mehr Jahre gesperrt sind.

13.20  Viertes Traktandum:  Aktionäre stimmen für neues Vergütungssystem

An der Novartis-GV sprechen sich in der nicht bindenden Konsultativabstimmung über das Vergütungssystem Aktionäre mit 78,3 Prozent der Aktienstimmen für das neue Vergütungssystem aus. Die Nein-Stimmen erreichen 20,2 Prozent; 1,5 Prozent enthalten sich der Stimme.

Damit fiel die Zustimmung höher als als bei der zuletzt vor zwei Jahren durchgeführten Konsultativabstimmung, wo der Ja-Stimmenanteil nur rund 61 Prozent erreichte.

Mit nur drei Rednern hat sich zu diesem im Vorfeld ebenfalls breit diskutierten Thema die zusätzliche Diskussion an der GV in Grenzen gehalten.

13.15 Drittes Traktandum:  Ohne grosse Kritik

Unbestritten ist indes das Traktandum 3: die Dividendenerhöhung.

13.00 Zweites Traktandum:  Novartis-Führung erhält Décharge

Trotz des Widerstands gewisser Aktionäre hat die Generalversammlung des Basler Pharmakonzerns Novartis dem Verwaltungsrat die Entlastung erteilt. Der Antrag der Aktionärsvereinigung Actares, die Décharge zu verweigern, blieb chancenlos.

Der Entscheid fiel mit 93,3 Ja-Stimmen deutlich. Der Anteil der Nein-Stimmen betrug lediglich 5,1 Prozent, jener der Enthaltungen 1,6 Prozent.

Vor der Generalversammlung in Basel hatte zunächst auch die Anlagestiftung Ethos für die Décharge-Verweigerung plädiert. Nachdem jedoch vor einer Woche Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella den Verzicht auf seine 72-Millionen-Entschädigung für ein Konkurrenzverbot bekannt gegeben hatte, stimmte Ethos für Entlastung.

SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer äussert sich kritisch:

12.55 Wie viel hat Vasella verdient?

Mit dem Rücktritt von Daniel Vasella endet bei Novartis heute eine Ära. Seine Bilanz nach 17 Jahren ist zwiespältig: Vasella verlässt ein gesundes, erfolgreiches Unternehmen. Vielen aber gilt er als Inbild des Abzockers. In unserer Grafik sehen Sie die Eckwerte der Karriere von Vasella:

12.45 Erstes Traktandum genehmigt

«Hämmer no meh», flüstert Vasella, aber das Mikrofon ist noch offen. Ja, die Reden gehen weiter. Um 12.45 Uhr schreitet man dann doch zu den ersten Abstimmungen: Die Aktionäre des Pharma-Konzerns Novartis haben Traktandum 1 mit 98% der Aktienstimmen verabschiedet. Auf Nein-Stimmen entfielen 0,8%; 1,2% enthielten sich der Stimme. Damit wurde der Jahresbericht, die Jahresrechnung der Novartis AG und der Konzernrechnung für das Geschäftsjahr 2012 genehmigt.

12.15 Aktionäre reden immer noch

Die Novartis-Aktionäre an der Generalversammlung sparen nicht mit Kritik an Daniel Vasellas Entschädigung. Thema sind die schlechten Sprachkenntnisse von Novartis-CEO Joseph Jimenez und die Verpflegung an der Generalversammlung. Ein weiterer Aktionär sagt, dass er Vasella danken müsse. Er sei der erste Mensch, der die Bundesrätin Simonetta Sommaruga sprachlos gemacht habe. Ein Gerücht der Börse wird kolportiert, dass ein asiatischer Pharma-Multi 150 Millionen Dollar zahlen würde, um Vasella als Chef zu kriegen.

Video «Aktionär zu fehlendem Essen» abspielen

Aktionär zu fehlendem Essen

0:26 min, vom 22.2.2013

Viel schlimmer ist allerdings für den Kleinaktionär Hermann Struchen, dass die Novartis den Besuchern der Generalversammlung keine Verpflegung offeriert. Struchen, der nach eigenen Angaben 30 Generalversammlungen im Jahr besucht, verurteilte die mangelnde Bewirtung aufs heftigste. Er forderte Vasellas Nachfolger Jörg Reinhardt auf, künftig für Speis und Trank zu sorgen: «Das würde mich sehr freuen», sagte Struchen.

« Fehlendes Essen an GV fast noch schlimmer als Vasellas Salär »

Vasella entgegnete, dass die Organisation der Generalversammlung künftig Reinhardts Aufgabe sei. Ob dieser einen Ansturm aufs Buffet ermöglichen wird, ist im Moment nicht bekannt. Die Erfahrung zeigt, dass die Aktionäre der Verköstigung an GVs mindestens so viel Interesse entgegenbringen wie den Traktanden.

Auf Twitter kommen die Kleinaktionäre bei den meisten Voten nicht gut weg.

12.00 Fassbind: «Vasella wirkt angespannt»

Vasellas Eingeständnis war nicht glaubenswürdig, sagt SRF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind. Daniel Vasella wirke sehr angeschlagen, viel weniger souverän als an anderen Generalversammlungen. «Man merkt, dass er sich seinen Abschied anders vorgestellt hat. Was mir gefehlt hat: Er hat sich nicht entschuldigt», sagt Fassbind.

Video «Einschätzungen von Maianne Fassbind» abspielen

Einschätzungen von Maianne Fassbind

3:41 min, vom 22.2.2013

Zudem sei weiterhin unklar, wie Vasellas künftiges Engagement bei Novartis geregelt sei. Zu den zuletzt angekündigten Tätigkeiten Vasellas als Ehrenpräsident oder Berater gebe es keinerlei Vertrag. «Man weiss nicht, ob er dafür auch etwas bekommt oder nicht.» Novartis hat es auch hier versäumt, Klarheit und Transparenz zu schaffen, so SRF-Wirtschaftsredaktorin Fassbind.

11.45 Wie erfolgreich ist eine Klage?

Ein Aktionär wollte wissen, ob die 72-Millionen-Franken-Entschädigung für Vasella allenfalls gegen Aktienrecht verstossen hätte und darum gegen den Geschäftsbericht eine Klage zu erwarten sei.

Felix Ehrat, Geschäftsleitungsmitglied und Jurist bei Novartis, meinte: «Ob Klagen eingereicht werden, wird sich zeigen.» Das Schweizerische Rechtssystem erlaube es grundsätzlich jedem, einen Sachverhalt von einer dritten Seite klären zu lassen. Novartis sei aber klar der Meinung, dass «derartige Klagen keine vernünftigen Aussichten auf Erfolg haben werden».

11.15 Zahlen zur Generalversammlung

An der Novartis-Generalversammlung nehmen 2688 Aktionäre teil. Sie vertreten 1'664'171'957 Stimmen. Das entspricht 61,49 Prozent der Aktien. Die in der Basler St. Jakobshalle anwesenden Aktionärinnen und Aktionäre vertreten 7,7 Prozent der Aktien. Auf Organvertreter entfallen 11,2 Prozent und auf den unabhängigen Stimmrechtsvertreter 81,1 Prozent.

Nicht alle Aktionäre sind noch bei der Sache:

11.00 Aktionäre kommen erstmals zu Wort

Ethos-Präsident Dominique Biedermann kritisiert die Novartis-Leitung scharf. Novartis-Chef Vasella soll nicht als Ehrenpräsident ernannt werden. Vasella sei in den vergangenen Jahren immer mehr zum Alleinherrscher geworden, sagt er.

Video «Ethos gegen Vasella» abspielen

Ethos gegen Vasella

0:49 min, vom 22.2.2013

Ethos will im Gegensatz zur Aktionärsvereinigung Actares der Novartis-Führung die Décharge erteilen. Als weiterer Redner fordert Actares-Präsident Rudolf Meyer die Offenlegung des Beratervertrags, den Vasella nach seinem Rücktritt als VRP hat. Meyer sagt, dass auch Ulrich Lehner jegliche Einsicht fehlt: Eine solche Millionen-Abfindung hätte transparent gemacht werden müssten. In dieser Frage habe der Verwaltungsrat versagt. Actares empfiehlt dem VR von Novartis die Déchargé zu verweigern.

Laut Chefjurist Felix Ehrat, müssen über das künftige Verhältnis Vasellas zu Novartis die Verhandungen neu geführt werden. Unter anderem ist das Konkurrenzverbot nach Vasellas Verzicht auf die 72 Millionen Franken nicht mehr geregelt. Ehrat verspricht, dass die Aktionäre zu gegegenem Zeitpunkt über Details informiert werden.

10.45 Vizepräsident Ulrich Lehner zur Abgangsentschädigung

Der Vizepräsident Ulrich Lehner spricht an der Novartis GV. Novartis-Vizepräsident Ulrich Lehner verteidigt die geplante 72-Mio-Fr.-Zahlung an Daniel Vasella. Die Auflage an den scheidenden Präsidenten, nicht für die Konkurrenz arbeiten zu dürfen, wäre fast einem Berufsverbot gleichgekommen.

Video «Ulrich Lehner zur Entgeltung» abspielen

Ulrich Lehner zur Entgeltung

1:01 min, vom 22.2.2013

Ein Wechsel Vasellas zur Konkurrenz hätte für Novartis «erhebliche Folgen», sagt Lehner vor den Aktionären. Das Konkurrenzverbot beinhalte nicht nur, dass Vasella nicht für direkte Konkurrenten arbeiten dürfe, sondern sich auch nicht bei Institutionen engagieren dürfte, die Einfluss auf die Pharmawirtschaft hätten.
 Laut Lehner begannen die Verhandlungen über die Bedingungen um Vasellas Rücktritt schon 2007. Der in der Öffentlichkeit kontroverse Entscheid, Vasella 72 Mio. Fr. für das Konkurrenzverbot zu zahlen, war vom Verwaltungsrat einstimmig beschlossen worden.

10.40 SRF-Wirtschaftsredaktorin Eveline Kobler schätzt ein So schätzt Eveline Kobler die Rede von Vasella ein:

Video «SRF-Wirtschaftsredaktorin Eveline Kobler zur GV» abspielen

SRF-Wirtschaftsredaktorin Eveline Kobler zur GV

4:16 min, vom 22.2.2013

10.27  Actares-Präsident Rudolf Meyer zur Vasella-Rede

Die Aktionärsvereinigung Actares kommt in unserer Live-Sendung zu Wort. Präsident Rudolf Meyer fand gut, dass sich der Novartis-Chef Vasella zu seinen Fehlern bekannt hat. Meyer muss bald weiter aufs Podium. Meyer erklärt zudem, dass er den Geschäftsbericht zur Ablehnung empfehlen werde, weil der Vergütungsbericht nicht Abstimmung komme.

Video «Actares-Präsident Rudolf Meyer kommt zu Wort» abspielen

Actares-Präsident Rudolf Meyer kommt zu Wort

1:33 min, vom 22.2.2013

10.15 Vasella zur Minder-Initiative

Daniel Vasella erklärt sich zur Abzocker-Initative: «In den vergangen Tagen wurde ich zum Wahlhelfer der Minder-Initiative erklärt. Die heftigen Reaktionen und Vorwürfe, die mir als Folge der vielseitig diskutierten Entschädigung für das Konkurrenzverbot gemacht wurden, sind dabei keineswegs spurlos an mir vorüber gegangen».

Video «Vasella zur Minder-Initative» abspielen

Vasella zur Minder-Initative

1:06 min, vom 22.2.2013

Er habe zwei vermeidbare Fehler gemacht, sagt Vasella: Der erste war, diesen Vertrag überhaupt auszuhandeln. Der zweite, dass seine Entscheidung auf den Verzicht der Millionen zugunsten gemeinnütziger Institutionen gesellschaftlich etwas Positives sei.

Video «Novartis als wichtige Firma» abspielen

Novartis als wichtige Firma

0:16 min, vom 22.2.2013

Vasella sagt weiter: «In der gesamten zeitweise sehr emotional geführten Diskussion rund um die Minder-Initiative, darf auch nicht vergessen werden, dass börsenkotierte Unternehmen nicht nur tausenden von Mitarbeitern in der Schweiz gut bezahlte Arbeitsplätze bieten, sondern auch einer Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen lukrative Aufträge erteilen».

10.00 Vasella begrüsst die Aktionäre

Daniela Vasella tritt aufs Podium und erklärt die Spielregeln. Die Verwaltungsräte nehmen Platz.

9.57 SRF-Wirtschaftsredaktor Reto Lipp führt ein

Es ist der erste öffentliche Auftritt von Vasella seit seiner Verzichtserklärung. Im Mittelpunkt ist auch der Verwaltungsrat. Dieser gehöre laut «NZZ» an den Pranger – «das ist relativ hart für eine wirtschaftsfreundliche Zeitung».

Die Journalisten haben keinen Zugang zum Bereich, in dem die Aktionäre sitzen. SRF wird aber versuchen, trotzdem die eine oder andere Aktionärsstimme einzufangen.

Daniel Vasella hat den Ablauf der Versammlung in der Hand. Er bestimmt auch, in welcher Reihenfolge die Aktionäre sprechen dürfen, welche sich vor der GV eingeschrieben hatten. 

Video «Vorschau von Reto Lipp» abspielen

Vorschau von Reto Lipp

4:47 min, vom 22.2.2013

9.55 Übertragung Novartis GV beginnt

An der Generalversammlung des Pharma-Konzerns Novartis in Basel stehen zwei der sechs Traktanden im Vordergrund. Die Punkte 2 und 4 werden angesichts des Dauerthemas Millionenvergütungen zu reden geben.

Dabei geht es um die Entlastung der Mitglieder des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung und um eine Konsultativabstimmung über das Vergütungssystem. Zu beiden Traktanden dürften sich zahlreiche Aktionäre melden. SRF-Moderator Reto Lipp ist für die Live-Sendung vor Ort.