Sika gegen Saint-Gobain: Kampf um Traum-Renditen

Man nehme Zement, Sand und chemische Zusatzstoffe – und fertig ist die Mischung, mit der sich viel Geld verdienen lässt. Das Mörtel-Geschäft beschert dem Schweizer Sika-Konzern hohe Renditen. Ein Grund, weshalb die französische Saint-Gobain-Gruppe die Kontrolle über Sika übernehmen will.

Mörtel wird in Mauer eingearbeitet.

Bildlegende: Vielseitig im Baugewerbe einsetzbar und bereits zu Zeiten der Römer erfunden: Mörtel. Keystone

«Unsere Margen im Mörtel-Geschäft sind deutlich zweistellig », sagt Georg Mäder, Mörtel-Verantwortlicher der Sika, gegenüber «ECO». Sein Geschäftsbereich ist allein im vergangenen Jahr um 31 Prozent gewachsen. «Wir sind besonders stark in den aufstrebenden Märkten in Indien, Asien, Nordafrika, aber auch in Amerika. In den USA haben wir soeben eine weitere Mörtelfabrik dazugekauft.» Sika verfügt heute über 76 Mörtel-Produktionsstätten in 49 Ländern.

In aufstrebende Märkte dank Sika

Das weckt den Appetit des französischen Saint-Gobain-Konzerns. Dank Sika möchte Saint-Gobain in den aufstrebenden Märkten stärker Fuss fassen. Saint-Gobain schätzt, die Verkäufe dadurch innerhalb von vier Jahren um 250 Millionen Euro steigern zu können. Ausserdem sollen bis 2019 Synergien in der Grössenordnung von 190 Millionen Euro erzielt werden können, schrieb Saint-Gobain am 8. Dezember 2014, als der Konzern bekannt gab, dass er von der Sika-Gründerfamilie Burkard die Kontrollmehrheit übernehmen will.

Gemeinsam sind wir stärker, argumentiert Saint-Gobain-Konzernchef Pierre-André de Chalendar. «Die Mitarbeiter in der Schweiz müssen sich keine Sorgen machen. Es wird keine Restrukturierungen geben, keine Fabrikschliessungen», verspricht der Konzernchef von Saint-Gobain. «Wir sind ein verantwortungsvoller Konzern und eine Wachstumsgeschichte.»

Sika-Leitung wehrt sich gegen «unfreundliche Übernahme»

Die Zweifel und Bedenken der Sika-Kadermitarbeiter vermag der Saint-Gobain-Chef damit jedoch nicht zu zerstreuen. «Das sind Gemeinplätze, die man in solchen Situationen verwendet», sagt Alfred Rechsteiner, Sika-Länderchef in Frankreich. «Wie das wirklich kommt, sieht man erst später.»

Gerade Sika-Frankreich steht in direkter Konkurrenz zu der Mörtel-Tochter von Saint-Gobain. Rechsteiner befürchtet, dass die Mörtel-Produktion zu Saint-Gobain verlagert werden könnte. Sika betreibt in Frankreich drei Mörtelfabriken und beschäftigt insgesamt 650 Mitarbeiter. Rechsteiner: «Wenn man einen reinen Kostenvergleich machen würde – Kosten pro Tonne – dann würde das wohl nicht so vorteilhaft für uns aussehen.» Sika biete mehr Spezial-Mörtelmischungen an. Saint-Gobain sei im Massengeschäft tätig.

Die Sika-Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat versuchen die aus ihrer Sicht «unfreundliche Übernahme» auf dem Rechtsweg zu verhindern. Ein Entscheid des Zuger Kantonsgerichts wird in den nächsten Wochen erwartet.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Sika: Kampf um den Mörtelmarkt

    Aus ECO vom 9.3.2015

    Mörtel ist das, was Backsteine zusammenhält und Plattenleger brauchen, um Fliesen zu verlegen – eine Masse aus Sand, Zement, Chemie und Wasser. Was auf jeder Baustelle sackweise gebraucht wird, ist ein Geschäft mit hohen Margen. Es wird sowohl von Sika betrieben als auch von Saint Gobain. Deswegen wehrt sich das Management von Sika dagegen, dass der französische Industriekonzern Saint Gobain die Kontrolle über Sika erhält. «ECO» zeigt am Beispiel Frankreich, weshalb Saint Gobain bei Sika in Sachen Mörtel auf Granit beisst – und Saint Gobain doch kein Problem sieht.

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