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Wirtschaft Spektakuläre Rolle rückwärts bei der Lufthansa

Hü, Hott und wieder Hü bei der Lufthansa kurz vor der Wahl eines neuen Aufsichtsrats: Unter dem Druck deutscher und ausländischer Investoren verzichtete Wolfgang Mayrhuber zunächst auf eine Kandidatur – liess sich Stunden später aber doch noch umstimmen.

Mayrhuber an Rednerpult. Dahinter Bild von Lufthansa-Maschine.
Legende: Der designierte neue Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber wirft erst das Handtuch, kandidiert nun aber doch. Keystone

Einen Tag vor der Hauptversammlung heute Dienstag um 10 Uhr in Köln zog der frühere Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber erst überraschend seine Kandidatur für den Aufsichtsrat zurück. Am Montagabend hiess es dann aber, dass er doch für das Kontrollgremium kandidiere.

«Seit zwei Jahren war klar, dass Mayrhuber heute gewählt werden soll. Wenn das dann auf den allerletzten Metern platzt, dann ist das schon ein sehr ungewöhnlicher Vorgang», sagt Oliver Stock, Chefredaktor von Handelsblatt Online. Offenbar habe man Mayrhuber bekniet, für den Aufsichtsrat zu kandidieren. «Es gibt schlichtweg niemand anderes, der in der Kürze der Zeit in der Lage gewesen wäre, diesen Posten zu übernehmen.»

Mayrhuber soll auf den nach zehn Jahren ausscheidenden Chefaufseher Jürgen Weber folgen. Ursprünglich sollte er bereits 2011 in den Lufthansa-Aufsichtsrat wechseln, hatte dann aber gemäss der deutschen Grundsätze für eine gute Unternehmensführung eine zweijährige Wartezeit eingehalten.

Kritiker und Mayrhuber umgestimmt

Der Wechsel im Kontrollgremium fällt in eine schwierige Phase. Der aktuelle Lufthansa-Chef Christoph Franz hat auf seinem Sanierungskurs Sparmassnahmen angekündigt. Den Aktionären will er eine Nullrunde bei der Dividende zumuten und im Unternehmen rund 3500 von derzeit 117'000 Jobs streichen.

Der 66jährige frühere Vorstandsvorsitzende Mayrhuber hatte nach Kritik aus Aktionärskreisen zunächst erklärt, dass er für das Amt des Aufsichtsratschefs nicht zur Verfügung stehe, wie das Unternehmen am Montag in einer Pflichtmitteilung für die Börse verkündete. Dann ist es offenbar gelungen, sowohl Kritiker als auch Mayrhuber umzustimmen.

In einer weiteren Pflichtmitteilung erklärte das Lufthansa-Kontrollgremium am Abend: «Nach der heutigen Bekräftigung des Wunsches zur Kandidatur Wolfgang Mayrhubers durch den Aufsichtsrat sowie der Ankündigung wichtiger Investoren, für Wolfgang Mayrhuber zu stimmen, hat Herr Mayrhuber sich bereit erklärt, an seiner Kandidatur zur Wahl in den Aufsichtsrat unverändert festzuhalten.»

Glaubwürdigkeitsproblem bei Sparkurs

Der Österreicher wird für strategische Fehler und verlustreiche Zukäufe in seiner Zeit als Vorstandschef in den Jahren 2003 bis 2010 verantwortlich gemacht. Den aktuellen Sparkurs mit harten Einschnitten auch beim Personal könnte Mayrhuber deshalb nicht glaubwürdig vertreten, hatten Kritiker argumentiert. «Grosse Investorengruppen sagen, Mayrhuber ist der falsche Mann, weil er für eine alte Lufthansa steht», so Oliver Stock.

Als treibende Kraft hinter der Kritik der Investoren hat Stock vor allen Dingen Aktionärsberater wie etwa ISS aus den USA ausgemacht. «Die haben es sich zur Aufgabe gemacht, Fonds zu beraten, wie sie an Hauptversammlungen mit den Unternehmen umgehen sollen.» Und die Berater werden immer einflussreicher.

«Wir haben diese ISS-Berater nun schon mehrmals gesehen: bei der Deutschen Bank, bei der Commerzbank, der Telekom, in der Schweiz haben wir sie bei Julius Bär auftreten sehen» – bei all diesen grossen Aktionärstreffen wirklich wichtiger Unternehmen. Stock ist überzeugt: «Da ist ein Wandel bei den Aktionären in Sicht hin zu sehr selbstbewussten und sehr kritischen Aktionären.»

Legende: Video Eklat bei der Lufthansa abspielen. Laufzeit 00:24 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 06.05.2013.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Die harte Hand des Herrn Mayrhuber scheint zu wirken. Der knallharte Geschäftsmann setzt seinen Willen durch Drohung und Einschüchterung durch und alle sind ihm hörig. So konnte er - wie Radio SRF im "Heute Morgen" berichtet, auch die Schweiz dazu bewegen, die Swiss an die Lufthansa zu verkaufen (sprich verscherbeln), was sich für die Lufthansa als erfolgreichen Deal herausstellte.
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