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Wirtschaft Streik hält Lufthansa am Boden – Normalbetrieb ab Dienstag

Mit einem flächendeckenden Warnstreik hat das Bodenpersonal bei der Lufthansa weiter Druck für höhere Gehälter und sichere Jobs gemacht. Auch Swiss-Flüge sind annulliert worden. Die Fluggesellschaft will ab Dienstag zum Normalbetrieb zurück.

Mit einem heftigen Warnstreik hat das Bodenpersonal der Lufthansa den Flugverkehr der Airline fast in ganz Deutschland lahmgelegt.

An den Aktionen an sämtlichen grösseren Flughäfen beteiligten sich am Montag rund 12'000 Mitarbeiter, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Lufthansa hatte fast alle Flüge gestrichen.

Von insgesamt 1720 geplanten Verbindungen sollten nur 32 starten. Die meisten Passagiere hatten offenbar von den Flugstreichungen gehört, so dass es an den Flughäfen ruhig blieb.

Normalbetrieb ab Dienstag

Am Dienstag will die Lufthansa wieder zum normalen Flugplan zurückkehren. Die noch streikbedingten Ausfälle werde man an einer Hand abzählen können. Die insgesamt neun gestrichenen Verbindungen seien nicht alle auf den Verdi-Warnstreik zurückzuführen.

Lufthansa hatte die Arbeitskampfmassnahme als völlig überzogen und unverhältnismässig kritisiert. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle bezeichnete Warnstreiks in einem solchen Ausmass als verantwortungslos. Die Fluggäste dürften nicht in Geiselhaft genommen werden für eine Tarifauseinandersetzung.

Mit der zweiten Welle und zusammen rund 2400 abgesagten Flügen hat der Verdi-Warnstreik bereits das Ausmass der regulären, mit Urabstimmung legitimierten Streiks des Kabinenpersonals aus dem vergangenen Herbst überschritten.

Besonders betroffen waren am Montag die Deutschland- und Europa-Verbindungen. Die Terminals etwa am Drehkreuz Frankfurt oder in Hamburg blieben weitgehend leer, weil die Kunden rechtzeitig über die Absagen informiert worden waren. Wegen der gestörten Umläufe sind auch schon für Dienstag einige Flüge abgesagt worden.

Für Inlandsverbindungen hatte die Fluggesellschaft ihre Kunden auf
die Fernzüge der Deutschen Bahn verwiesen, auf die Flugtickets umgebucht werden konnten. «Die Lage ist entspannt. Wir haben ein leicht erhöhtes Fahrgastaufkommen», sagte ein Sprecher der Bahn. Die Züge seien am Morgen vor allem zwischen Nürnberg und Frankfurt in beiden Richtungen voll gewesen, sagte ein Bahnsprecher in München. Um für Entlastung zu sorgen, seien einige ICEs verstärkt worden, auch habe man einen zusätzlichen Zug eingesetzt.

«Warnstreik richtiges Signal»

Der Warnstreik sei das richtige Signal an Lufthansa, sagte Christine Behle, Verdi-Bundesvorstand und Verhandlungsführerin in der Tarifauseinandersetzung. «Gemeinsam machen wir deutlich, dass wir die absurden Forderungen nach Lohnsenkungen nicht hinnehmen werden, sondern uns dagegen zur Wehr setzen», sagte Behle bei einer Kundgebung am Flughafen in Hamburg.

 Auch an anderen Flughäfen waren Demonstrationen geplant. Ob es noch weitere Aktionen vor der nächsten Verhandlungsrunde am 29. April geben wird, wollte Verdi zunächst nicht sagen.
 
Verdi fordert in dem Tarifkonflikt mit Lufthansa 5,2 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 12 Monaten und Jobgarantien für rund 33 000 Mitarbeiter. Deutschland grösste Airline hatte die Forderungen mit einem nach Geschäftsfeldern modifizierten und in Teilen erfolgsabhängigen Vergütungsangebot gekontert.

Streik begann bereits Sonntag

Über einen Zeitraum von 29 Monaten kämen einzelne Berufsgruppen auf eine Steigerung von mehr als drei Prozent, hatte Personalvorstand Stefan Lauer erklärt. Jobgarantien macht Lufthansa von strukturellen Änderungen etwa zu längeren Arbeitszeiten und verschobenen Stufensteigerungen abhängig. Bei der Catering-Tochter LSG will Lufthansa eine neue, niedrigere Tarifstruktur durchsetzen.

Schon am späten Sonntagabend hatten Lufthansa-Techniker in Stuttgart als erste die Arbeit niedergelegt. Auf den meisten Flughäfen in Deutschland starteten die Warnstreiks des Bodenpersonals gegen 05.00 Uhr am Montag.

Vereinzelt blieben auch Jets anderer Fluggesellschaften stehen, weil sie nicht von den Lufthansa-Technikern gewartet wurden. Bei der Tochter Germanwings fanden alle Flüge statt, wie die Gesellschaft in Köln mitteilte.

Legende: Video Streik Lufthansa (unkomm.) abspielen. Laufzeit 00:39 Minuten.
Aus News-Clip vom 22.04.2013.

Swiss-Flüge betroffen

Am Flughafen Zürich fielen 70 Flüge von und nach Deutschland aus, in Genf 26 und in Basel 30. Bern war nicht betroffen. Bei den ausgefallenen Flügen in Zürich handelte es sich je etwa zur Hälfte um Swiss- und Lufthansa-Verbindungen, wie ein Sprecher sagte. Weitere Informationen erfahren Sie hier.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von K.D.Waldeck, Bellinzona
    Streik sollte eigentlich das wirklich allerletzte Mittel zur Durchsetzung von Verhandlungen sein. Viele Gewerkschafter sind sich wahrscheinlich nicht bewusst das bei Streiks IMMER BEIDE Parteien verlieren ! Schlussendlich werden die Arbeitsplätze geährdet weil die Firma erheblich an Kapital und IMAGE verliert.
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  • Kommentar von Frodo Beutler, Auenland
    Sollen doch alle Angestellten aller Fluggesellschaften streiken, dann grounden diese und es gibt am Schluss nur noch ein paar wenige, die überleben. Ich freue mich darauf, dass fliegen wieder etwas aussergewöhnliches wird, das man nicht jeden Tag haben kann. Ausserdem gibt es weniger Fluglärm, weniger Luftverschmutzung und wieder mehr Ferien im eigenen oder nahen (Aus)land. Vielleicht gibt es auch ein bisschen weniger Globalisierung. Zu hoffen wäre es allemal.
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