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Wirtschaft Subventionen: Kleinbauern müssen aufgeben, Grosse profitieren

Die neue Agrarpolitik des Bundes wirkt sich auf die Zusammensetzung der Bauernhöfe in der Schweiz aus. Immer mehr Betriebe bekommen immer höhere Direktzahlungen des Bundes, während immer weniger Bauernhöfe gar keine Subvention mehr bekommen. Doch wohin führt dieser Trend?

Legende:
Veränderung Direktzahlungen Gelb: Direktzahlungen bis 100'000 Fr/Jahr. Grün: Direktzahlungen bis 300'000 Fr/Jahr Blau: Direktzahlungen über 300'000 Fr/Jahr BLW

Klarer Trend in der Schweizer Landwirtschaft: Bauernhöfen werden immer grösser, kleine Betriebe gehen ein. Haben 2008 nur fünf Bauernhöfe eine Subvention des Bundes in Höhe von über 300'000 Franken – sogenannte Direktzahlungen – bekommen, waren es im letzten Jahr bereits 48. Die meisten Statistiken lassen auf einen allgemeinen Trend in Richtung grössere Bauernhöfe schliessen.

Die Bundesausgaben für Direktzahlungen sind seit 2008 von 2,5 auf 2,9 Milliarden gestiegen. Dieser Anstieg ist zwar nicht massiv, allerdings haben sich die Ausgaben neu verteilt: Unter anderem nehmen die Direktzahlungen von unter 100'000 Franken an Betriebe rasant ab (siehe Grafik).

Mit ein Grund dafür ist die seit letztem Jahr gültige Agrarreform. In dieser werden Betriebe in erster Linie nach der Fläche des Bauernhofs subventioniert. Bisher gab es eine sogenannte tierbezogene Abrechnung (pro Tier im Stall wurde ein Betrag bezahlt). Ebenfalls berücksichtigt werden neu auch die Arbeitsbedingungen, mit denen ein Landwirt zurechtkommen muss. So bekommt zum Beispiel ein Bergbauer heutzutage höhere Direktzahlungen.

Legende: Video Grossbauern erhalten immer höhere Subventionen abspielen. Laufzeit 03:39 Minuten.
Aus 10vor10 vom 06.10.2015.

«Bauer braucht Nähe zum Konsument»

Der Präsident des Bauernverbands, Markus Ritter, bestätigt die Folgen der Agrarreform 2014-17. Er selbst ist Besitzer eines mittelgrossen Betriebs. «Der Bund fördert mit seiner Agrarpolitik grössere Betriebe, das ist so.» Regula Furrer ist Landwirtin und Besitzerin eines Kleinbetriebs. Sie findet es problematisch, dass ein paar wenige Bauernhöfe das meiste Geld bekommen.

«Die Schweizer Landwirtschaft lebt von der Vielfalt.» So würden jedoch die kleineren und mittleren Betriebe langfristig aussterben. «Kleine Höfe haben eine Konsumentennähe und kennen auch die lokalen Strukturen. Dieser Bezug zu regionalen Lebensmitteln ist sehr gefragt.» Die Situation in der Landwirtschaft ist schwierig. Fakt ist jedoch, dass die Entwicklung von kleinen zu grossen Betrieben weitergehen wird.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Tut mir leid für die Kleinbetriebe, gerade sie sind es die gut zu den Tieren schauen, was den Aufwand betrifft. Der Konsument muss diese mehr unterstützen. Regionalität ist gefragt. Nischenprodukte herstellen. Schweizer Landwirtschaft lebt von der Vielfalt und somit sollte den Kleinbauern auch mehr geholfen werden. Problematisch wenn ein paar wenige Bauernhöfe das meiste Geld bekommen. Vieles stinkt zum Himmel - was gerecht verteilen werden soll.
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  • Kommentar von Markus Berner (Markus Berner)
    Die Bauern leben weitgehend von staatlicher Unterstützung, leben also dank den Gutmenschen in der Politik, die ihnen ihre Lebensgrundlage sichern. Und sie wählen vorwiegend SVP. Ausgerechnet die Partei, die gegen Subventionen, für tiefere Staatsausgaben, generell gegen alle staatlichen Eingriffe kämpft. Brecht würde da wohl sagen "Nur die dümmsten Kälb wählen ihren Metzger selber".
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    1. Antwort von M. Roe (M. Roe)
      Berner: Bei den Bauern handelt es sich um unsere Lebensgrundlage, es darf sich hier nicht um einen Wirtschaftszweig handeln. Wenn wir keine Subventionen bezahlen gehen die kleinen ganz unter und diejenigen die bleiben werden die Tiere nicht mehr als Lebewesen halten, im Gegenteil werden die Tierfabriken auch bei uns immer attraktiver. Ich frage mich, ob Sie wissen, dass die Milch nicht von der Migros kommt sondern vom Bauernhof oder ob es Ihnen völlig egal ist, wie es den Tieren ergeht.
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    2. Antwort von Niklaus Bächler (parteilos!!)
      Am Beispiel der Landwirtschaft zeigt sich,wie unehrlich die SVP politisiert. Überall verlangt sie den Abbau von Kosten, Subventionen & staatlichen Eingriffen. Doch bei den Bauern soll dies alles nicht gelten. Deshalb ist für mich die SVP eine tickende Zeitbombe. Ist sie erst einmal an der Macht (also bei Stimmenzuwachs) wird sie versuchen unser Staatssystem systematisch zu untergraben. Dies trifft dann den kleinen Mann genau so, wie die Wirtschaft. Dies wiederum schadet dann allen Arbeitnehmern.
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    3. Antwort von Jürg Baltensperger (Baltensperger)
      @Roe: Das letzte mal habe ich so eine Aussage bei Karl Marx gesehen... natürlich ist Herstellung von Nahrungsmitteln eine Wirtschaftszweig. Wohl der älteste überhaupt. Und nein, Bauern halten Tiere nicht tiergemäss weil sie die Tierli so gern haben sondern weil linke (!) Politiker durch strenge Tierschutzgesetze dazu zwingen mussten. Diese Gesetze gelten auch für "Tierfabriken". Wir müssen aufhören zu produzieren was nicht nachgefragt wird!
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    4. Antwort von M. Roe (M. Roe)
      Baltensperger: Das Problem Bauern ist keine SVP oder SP Sache. Hier geht es um das echte Leben.Da kann man nicht gemäss Partei abstimmen, sondern so wie es für unser Land, Tiere +Bauern +nicht zuletzt für unsere gesunden Lebensmittel richtig ist. Wenn schon weniger produzieren, dann bei den Grossen abbauen +nicht die kleinen untergehen lassen. Wir brauchen nicht auf dem Weltmarkt zu genügen, wir müssen vor allem in der Schweiz genügen. Viele können nicht mehr logisch denken "simple isn't easy"!
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    5. Antwort von M. Roe (M. Roe)
      Bächler +Berner: Es handelt sich beim Bauerngewerbe nicht um deren Lenbensgrundlage, das können auch Selbstversorger erreichen.Die Bauern stellen unsere, ihre + meine, Lebensgrundlage dar. Deshalb müssen wir sie unterstützen. Was falsch läuft ist, dass wir den Markt international öffnen wollen, +meinen wir könnten alles +auch noch gesund +fair vom Ausland einkaufen. So werden nur die Grossen überleben oder überhaupt keine Bauern, dann importieren wir eben alles. Gesund gehts nur mit den Kleinen.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ich glaube das Missverständnis in der Schweiz, dass die "Grünen" für die Bauern seien, führt dazu, dass Kleinbauern verschwinden. Die Grünen tun nur immer wieder so, als ob sie sich für die grüne Wiese einsetzen würden. Es ist aber, wenigstens die Hälfte der SVP, die für die Bauern einsteht, +zwar als einzige Partei. Deshalb bleibt für die Erhaltung der Schweiz und die Förderung von kleinen Bauernbetrieben bei den kommenden Wahlen am 18. Oktober 2015 (ca. 1 Woche) nur diese eine Partei, die SVP!
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    1. Antwort von Christoph Brönnimann (Broenni)
      Kathrin Bertschy (Grünliberale) hat in der Agrardebatte nicht nur mit Ihrer Dossier-Festigkeit und Sachkompetenz beeindruckt. Sie hat auch die Unterstützungsmöglichkeiten für kleine Bergbauern bezüglich Landschaftspflege und Nachhaltigkeit verbessert. Während die SVP vor allem die Grossbauern vertritt ist die glp ein guter Vertreter kleinerer Betriebe. Nur haben das noch zu wenig Landwirte bemerkt!
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    2. Antwort von M. Roe (M. Roe)
      Brönnimann: Das wäre ein guten Anfang von Kathrin Bertschy in die richtige Richtung. Aber eine Schwalbe macht leider noch keinen Frühling. Wenn die Grünen sich für die kleinen und sauberen Bauern und gegen das verdichtete und das verzettelte Bauen (alles Bauen) einsetzen würden, hätten sie Chancen die grösste Partei zu werden.
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