Swiss Life verteidigt «Wrappers-Geschäft»

Swiss Life betreibt Geschäfte mit Versicherungsmänteln, auch «Wrappers» genannt. Mit diesen können gutbetuchte ausländische Kunden ihre Steuersituation verbessern. Kritiker befürchten allerdings, dass diese Versicherungsmäntel zur Steuerflucht missbraucht werden.

2,6 Milliarden Franken hat Swiss Life im letzten Jahr bei internationalen Kunden an Prämien eingenommen. Im Zentrum stehen die so genannten Versicherungsmäntel. Das sind Lebensversicherungen, die für betuchte ausländische Kunden massgeschneidert werden, um besonders viele Steuervorteile zu bieten.

Dieses Geschäft ist heikel, denn es könnte zur Steuerhinterziehung missbraucht werden. Darum verlangt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) den Automatischen Informationsaustausch nicht mehr nur für Banken, sondern auch für Versicherungen.

Das bedeutet, auch die Swiss Life müsste Informationen über das Vermögen von betuchten ausländischen Kunden offenlegen. Deren Chef, Bruno Pfister, ist sich dessen bewusst: «Wir haben heute schon eine Situation, die dieser sehr ähnlich ist; die mit den USA und Fatca, dem US-Gesetz, das alle Finanzinstitutionen weltweit verpflichtet, Steuerdaten von US-Personen in die USA zu liefern.»

Kosten für Fatca unter zehn Millionen

Das US-Gesetz Fatca tritt im Sommer in Kraft. Die geforderten Informationen zu Kunden und Policen zusammenzustellen und zu übermitteln, ist mit Aufwand verbunden: Die Informatik muss aufgerüstet werden, Datenlieferungen müssen automatisiert und die juristischen Vorgaben vollumfänglich erfüllt werden. Das sicherzustellen kostet. «Was die Investitionen angeht, sind wir für Fatca tiefer herausgekommen als geplant – im deutlich einstelligen Millionenbereich», sagt Pfister.

Bruno Pfister an der Bilanzmedienkonferenz.

Bildlegende: Swiss-Life-Chef Bruno Pfister beschwichtigt: Keine zehn Millionen, um das interne IT-System für Fatca aufzurüsten. Keystone

Das sind Beträge, die ein Konzern der Grösse einer Swiss Life gut tragen kann. Beim geplanten Automatischen Informationsaustausch (AIA) dürften die Vorbereitungen allerdings teurer werden.

Konzernchef Pfister gibt zu bedenken: «Diese regulatorischen Veränderungen werden natürlich insgesamt schon kostentreibend sein, vor allem wenn der AIA kommt. Und das geht am Ende wieder zulasten der Kunden.»

Verhaltener Appetit auf Lebensversicherungen

Wie genau der AIA ausgestaltet sein wird, wer genau welche Daten an wen liefern muss, ist noch offen. Die OECD arbeitet momentan einen entsprechenden Vorschlag zu Handen der westlichen Länder aus. Swiss-Life-Chef Pfister hofft, dass die Organisation dabei das Rad nicht neu erfinden, sondern sich möglichst stark am US-Gesetz Fatca orientieren wird. Nur so könnten die Kosten, die mit der Einführung des AIA verbunden sind, im Zaum gehalten werden, sagt Pfister.

Die Chancen, dass die OECD diesen Wunsch der Versicherungsbranche erfüllt, stehen gut, sagt ein Branchenfachmann der Beratungsfirma KPMG. Die Kosten könnten also unter Kontrolle bleiben.

Und doch ist CEO Pfister nicht alle Sorgen los. Denn das Geschäft mit der ausländischen Kundschaft harzt derzeit bei Swiss Life International, wie die neusten Zahlen zeigen. Die Kunden sind verunsichert, warten ab, wollen wissen, welche Folgen der Informationsaustausch für sie hat. «Und das heisst natürlich auch, dass der Appetit, sich mit einer Lebensversicherung langfristig zu binden, etwas kleiner ist», so Pfister.

Wie stark die Reichen aus dem Ausland auch künftig ihr Geld in Versicherungsmäntel hüllen werden, ist also offen.