Treibstoff aus Luft: Audi setzt auf Schweizer Start-up

Climeworks hat einen Kollektor entwickelt, der CO2 aus der Luft binden kann. «ECO» hat vor einem Jahr über das Spin-off der ETH berichtet. Nun kann das Start-up einen potenten Kooperationspartner vermelden. Audi will den Kollektor für die Treibstoff-Synthese verwenden.

Zwei Männer an beiden Seiten eines CO2-Filters.

Bildlegende: Autos mithilfe von CO2 antreiben – das Ziel von Christoph Gebald (re.), Climeworks, und Hagen Seifert (li.), Audi. SRF

«Das ist sicher der wichtigste Meilenstein seit der Gründung von Climeworks vor fünf Jahren.» Climeworks-Mitbegründer Christoph Gebald steht die Begeisterung ins Gesicht geschrieben. Zusammen mit seinem Kollegen Jan Wurzbacher stellte er Anfang September am Schweizer Energie- und Klimagipfel (SwissECS) erstmals das Resultat der jahrelangen Forschung vor: den CO2-Kollektor. Das Gerät saugt Umgebungsluft an und filtert das darin enthaltene CO2 heraus. Hiermit kann in einem weiteren, schon länger bekannten, Verfahren Treibstoff hergestellt werden.

Audi will die Technik nutzen, um seine Autolinie «A3 g-tron» mithilfe des, E-Gas genannten, synthetischen Treibstoffs «CO2-neutral» anzutreiben.

Mithilfe von Audis Know-how zur Marktreife

Die Tochter des Volkswagen-Konzerns betreibt in Norddeutschland bereits eine Anlage, in der sie Treibstoff-Synthese betreibt. Das CO2 hierfür hat Audi bisher aus den Abgasen einer Biogasanlage gewonnen. Der Nachteil: Der Autokonzern ist abhängig vom Standort solcher Abgasstränge, und das Verfahren ist sehr energieaufwändig.

Mithilfe des CO2-Kollektors von Climeworks kann CO2 nicht nur überall gefiltert werden, sondern, wie Hagen Seifert – bei Audi zuständig für erneuerbare Energien – ausführt, ist «Climeworks unseres Wissens nach das einzige Unternehmen, das CO2 so energetisch günstig herstellen kann». Der Wirkungsgrad liege bei 95 Prozent. Das heisst, nur 5 Prozent der eingesetzten Energie geht als Wärme verloren.

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Vom Zuwanderer zum Firmenchef

7:14 min, aus ECO vom 16.9.2013

Gute Aussichten für das Start-up, welches im letztjährigen «ECO»-Bericht «Vom Zuwanderer zum Firmenchef» das hoch gesteckte Ziel äusserte, «der führende Anbieter von nachhaltigem CO2 für die Treibstoffsynthese weltweit» werden zu wollen.

Doch noch ist die CO2-Gewinnung aus der Luft zu teuer, um sie industriell einzusetzen. Mithilfe des Know-hows von Audi will Climeworks die Kosten senken. 2015 soll dazu in einem nächsten Schritt ein CO2-Kollektor im Treibstoffsynthese-Werk von Audi eingebaut werden. Die Tests werden weisen, ob Audi in Zukunft preislich konkurrenzfähigen Treibstoff herstellen kann.

«In sehr detaillierten Gesprächen» mit weiterem Weltkonzern

Climeworks erhofft sich von der Kooperation mit Audi, CO2 zu marktfähigen Preisen anbieten zu können. Denn CO2 wird auch in Treibhausanlagen oder in Getränken eingesetzt.

In Europa werden laut Christoph Gebald «3 Millionen Tonnen CO2 jährlich verwendet, um Getränke mit Kohlensäure zu versetzen». Ein riesiger Markt für das junge Unternehmen. Und tatsächlich: Mit niemand geringerem als Coca-Cola sei man schon «in sehr detaillierten Gesprächen».

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • «ECO Update»: Audi kooperiert mit Climeworks

    Aus ECO vom 22.9.2014

    Treibstoff aus Luft herstellen – das ist das Ziel des Schweizer Start-ups Climeworks. Es hat zu diesem Zweck einen CO2-Filter entwickelt. Jetzt kann das Unternehmen eine Zusammenarbeit mit dem Tochterunternehmen des Autoherstellers VW vermelden. Audi will den Kollektor für die Treibstoff-Synthese verwenden.

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