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Wirtschaft UBS verzichtet auf weitere Sparrunde

Die Grossbank UBS ist schlecht ins neue Jahr gestartet. Der Nettogewinn brach förmlich ein – von zuvor fast zwei Milliarden auf nun 707 Millionen Franken. Entgegen der Erwartungen will die Grossbank aber nicht mehr Jobs abbauen als angekündigt.

Legende: Video CEO Sergio Ermotti zum Gewinneinbruch bei der UBS abspielen. Laufzeit 5:21 Minuten.
Vom 03.05.2016.

Die UBS ist verhalten in das laufende Jahr gestartet. Mit einem Gewinn von 707 Millionen Franken konnte die Grossbank nicht an die sehr ertragsreichen Vorquartale anschliessen. Negativ ins Gewicht fiel, dass die Kunden kaum mit Wertpapieren handeln wollten.

Im Vorfeld der Bekanntgabe der Quartalsresultate haben Marktbeobachter das erste Quartal als eines der härtesten der letzten Jahre für Banken bezeichnet.

Im ersten Quartal war das Marktumfeld sehr schwierig. Die Negativzinsen belasteten unser Resultat, da ein grosser Teil unseres Geschäfts auf Zinsmargen beruht.
Autor: Sergio P. ErmottiUBS-Chef

Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal schrieb die Bank fast 2 Milliarden Franken Gewinn. Allerdings konnte sich die UBS gegenüber dem letzten Quartal steigern.

Die Anleger reagierten entsprechend enttäuscht. Die Aktie verlor bis nach Mittag um mehr als 8 Prozent.

Legende: Video Einschätzungen von SRF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind abspielen. Laufzeit 1:24 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 03.05.2016.

«Die UBS-Zahlen liegen unter den Erwartungen, und das schürt vor allem die Ängste bei den Anlegern, dass die UBS die Dividenden für das Geschäftsjahr 2016 kürzen könnte», sagt SRF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind.

«Ungewöhnlich tiefe Handelsvolumen»

Für die Grossbank waren die ersten drei Monate alles andere als leicht. So hätten erhöhte ökonomische und geopolitische Unsicherheiten sowie ein volatiler Finanzmarkt dazu geführt, dass die Kunden noch deutlicher als zuvor risikoscheu seien, hiess es in einer Mitteilung der Bank. Das Resultat davon sind «ungewöhnlich tiefe Handelsvolumen».

Darunter gelitten haben vor allem die internationale Vermögensverwaltung und die Investmentbank. Im Vergleich zum Vorjahresquartal sind die Erträge in diesen Divisionen deutlich zurückgegangen. Den grössten Einbruch verzeichnete die Investmentbank.

Viele Neugelder

Die wichtigste Sparte im Konzern, das Wealth Management, überraschte mit starken Zuflüssen. Die Einheit verzeichnete Netto-Neugelder von insgesamt 15,5 Milliarden Franken. Dabei entwickelten sich insbesondere die Region Asien/Pazifik stark.

Mit 636 Millionen Franken Gewinn im Wealth Management erzielte die UBS rund 130 Millionen Franken mehr als noch im Vorquartal – dies obwohl das Transaktionsvolumen so niedrig war wie noch nie in einem ersten Quartal. Das Ergebnis blieb dennoch leicht unter den Erwartungen.

Einschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktor Jan Baumann

Die UBS-Kunden waren so zurückhaltend mit Wertschriftengeschäften wie noch nie in einem ersten Quartal. Es erstaunt deshalb nicht, gingen die Einnahmen und der Gewinn des weltgrössten Vermögensverwalters empfindlich zurück. Hingegen fällt als Pluspunkt auf, dass die Bank viele zusätzliche Kundengelder an sich ziehen konnte, vor allem in asiatischen Wachstumsländern wie China. Der Ausblick auf das weitere Jahr bleibt allerdings verhalten.

Spekulationen über Stellenabbau

Gleichzeitig gelang es der Grossbank, die Kosten zu senken. Sie fielen mit 5,9 Milliarden Franken rund 200 Millionen Franken tiefer als im Vorjahr aus. Zudem musste die UBS im Vergleich zu damals auch weniger Steuern zahlen.

CEO Sergio Ermotti gab sich angesichts des Umfeldes trotzdem zufrieden mit dem Ergebnis: «Wir erzielten ein robustes Ergebnis in einem schwierigen Marktumfeld. Wir blieben diszipliniert und fokussiert und profitierten von unserem diversifizierten Geschäftsmodell. Angesichts der ausserordentlich verhaltenen Kundenaktivitäten setzten wir unsere Ressourcen weiter effektiv ein und machten Fortschritte auf der Kostenseite.»

Im Vorfeld der Bekanntgabe der Quartalszahlen gab es Medienspekulationen über einen grösseren Stellenabbau der Grossbank in der Schweiz. In der Medienmitteilung heisst es lediglich, dass die Bank fortfährt, in sämtlichen Bereichen die Kosten zu senken. Ein neues Sparprogramm gibt es jedoch gemäss der Mitteilung nicht. Beim bisherigen hat sich die UBS zum Ziel gesetzt, bis 2017 die jährlichen Kosten um 2,1 Milliarden Franken zu reduzieren.

Die Spekulationen darüber, dass in der Schweiz Arbeitsplätze wegfallen, seien aber nicht ganz abwegig, sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Samuel Emch. Allerdings heisse Sparen nicht immer Stellen abbauen. Es könne auch zu Verlagerungen kommen – etwa wenn der Informatiker statt in der Schweiz künftig in Polen angestellt werde. «Unter dem Strich hätte die Bank dann nicht weniger Angestellte, die Schweiz aber weniger Jobs», betont Emch.

«Wir werden bessere Zeiten sehen»

Legende: Video UBS mit deutlich weniger Gewinn abspielen. Laufzeit 1:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.05.2016.

In ihrem Ausblick bleibt die UBS gewohnt vorsichtig. Zwar sei an den Finanzmärkten jüngst eine gewisse Stabilisierung zu erkennen gewesen, heisst es. Eine Lösung der vielen bestehenden Probleme in naher Zukunft sei aber unwahrscheinlich. Das niedrige Zinsumfeld und die relative Stärke des Schweizer Frankens, insbesondere gegenüber dem Euro, würden das Geschäft weiterhin belasten.

Gegenüber SRF zeigt sich CEO Ermotti trotzdem zuversichtlich: «In Zukunft werden wir sicher bessere Zeiten sehen. Wir sind gut vorbereitet.»

7 Kommentare

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  • Kommentar von paul waber (sandokan)
    Wenn die UBS weniger Gewinn macht, wird sich das in den Steuererträgen massiv auswirken. Dreimal darf man raten, wer dann die Steuerausfälle bezahlt?
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    1. Antwort von Milan Darem (Nonorient?)
      :) die Frage, natürlich auch die Antwort, kommt mir sehr bekannt vor... Ich wäre allerdings sehr froh wenn wir nicht noch für Bonis zustehen müssen.
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  • Kommentar von Susanne Lüscher (Lol)
    Das alte Sparprogramm hat ja schon genügend Schaden angerichtet! Ob UBS, CS, Novartis und Co. was deren CEO's zu lasten der Sparer, Kleinaktionäre und Arbeiter verdienen ist schlicht gesagt Diebstahl an einem Grossteil der Bevölkerung mit grosszügiger Unterstützung unserer Politiker und MSM.
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    1. Antwort von Bruno Vogt (b.vogt)
      So ist es, in den oberen Etagen kann passieren was will, Banker stehen nur für die fetten Jahre gerade, um Bonis abzukassieren. Wenn es dann durch zu viele Risiken wieder einmal Probleme geben sollte, ziehen sie sich zurück und überlassen den Steuerzahlern die Zeche. Ins Gefängnis musste noch nie einer und so lange die Bevölkerung diesem Treiben zuschaut, wird sich auch nichts ändern.
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
    Wieso will man mit dem Titel eine schlechte Nachricht suggerieren? Sollte der Gewinn Solde und ehrlich Erwirtschaftet worden sein, dann ist das doch eine Super Nachricht. man hat Gewinn gemacht und das sollte doch genug der Freude sein. Doch leider wird das vielen doch wieder viel zu wenig sein! :-(
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    1. Antwort von Hans Hämmerli (Hans Hämmerli)
      Naja.. sie schulden uns noch ein paar Milliarden Steuergelder. Wir haben kein Problem damit so viele Milliarden in Privatbanken zu pumpen aber ärgern uns darüber wenn Gelder den Ärmsten zukommen. Also lieber die Reichen retten als die Armen. Ps. im freien Markt ist es so, dass wenn man eine Bankrote Firma rettet weil man mehr hineinpumpt als sie Wert ist gehört sie einem. Also müsste nach der Logik der freien Marktwirtschaft, die UBS verstaatlicht werden, denn der Staat hat sie gerettet.
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    2. Antwort von Milan Darem (Nonorient?)
      Das Problem ist nicht weniger Gewinn, sondern Steuer, die sie nur für Gewinn zahlen. Also, ich würde Ihnen empfehlen dass Sie! nun ein paar Tausend Franken auf die Seite tun, die für diesen Ausfall zu gute kommen werden. Freuen Sie sich immer noch?
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