Unternehmen zu ihrem Glück zwingen – mit Frauenquoten

Der Bundesrat schlägt eine Frauenquote von 30 Prozent vor. Die Wirtschaft winkt ab und betont Nachteile und Risiken. Dies obwohl zahlreiche Studien zeigen, dass Unternehmen mit Männern UND Frauen an der Spitze besser funktionieren. Deshalb befürworten prominente Management-Experten Frauen-Quoten.

Die Wirtschaft brauche Frauenquoten von mindestens 50 Prozent, sagt Adam Grant, Professor für Management und Psychologie an der renommierten Wharton School der University of Pennsylvania.

Wären in Unternehmen und Organisationen mehr Frauen als Männer an den Schaltstellen der Macht, dann wären die meisten Probleme gelöst, ist der 33-jährige Management-Spezialist und Querdenker überzeugt.

Freiwillig machen die Männer nicht Platz

«Statistiken zeigen es klar und deutlich: Firmen mit mehr Frauen in Führungsfunktionen sind innovativer, überleben länger, sind anpassungsfähiger.» Denn Frauen bringen frischen Wind in die Herren-Runden - mit neuen Perspektiven, Standpunkten und Fragen.

Doch: Männer machen nicht freiwillig Platz auf den Chefsesseln.

Mindestens 50 Prozent Frauen

Deshalb will Adam Grant von der US-Kaderschmiede «Wharton School» die Unternehmen zu ihrem Glück zwingen. Mit einer Frauenquote von mindestens 50 Prozent Frauen.

Es brauche diesen Effort. Nur so würden Vorurteile gegenüber Frauen überwunden, nur so änderten sich die Verhältnisse.

Ebenfalls zu den Quoten-Befürworterinnen gehört Herminia Ibarra, Professorin für Organisationsentwicklung an der französischen Elite-Universität INSEAD in Fontainebleau. Aber sie argumentiert differenzierter.

Differenziert statt absolut

Ohne klare Ziele werde es nicht vorwärts gehen. Aber statt absoluten Vorgaben brauche es differenzierte Quoten, sagt die französische Management-Expertin. Im Technologie-Sektor und anderen Branchen, in denen der Pool geeigneter Frauen für Top-Positionen noch sehr klein ist, wäre eine 30-Prozent-Quote zu hoch angesetzt.

In Bereichen, in denen bereits viele Frauen tätig sind, müsste die Vorgabe hingegen viel höher sein. Beispielsweise in der Konsumgüter-Industrie oder bei der Pflege, argumentiert die Management-Expertin, die rund um den Globus zahlreiche Konzerne in Führungs- und Organisationsfragen berät.

«Man müsse Ziele setzen, die sich am Talent-Pool orientierten und am Entwicklungsstand des Unternehmens. Die Ziele sollten durchaus ambitioniert sein und wenn sie verfehlt würden, müsste man sich erklären und rechtfertigen und besser werden».

Die Schweiz hat Nachholbedarf

Herminia Ibarra kennt als Beraterin des Davoser World Economic Forum auch die Schweizer Verhältnisse. Frauen hätten es hierzulande besonders schwer, stellt sie fest. Auf Chefetagen seien kaum Top-Frauen sichtbar. Deshalb gebe es Nachholbedarf.

Und der bundesrätliche Vorschlag einer gesetzlich verordneten Frauenquote von 30 Prozent auf den Teppichetagen könnte den nötigen Druck erzeugen.