Unterwegs mit dem Verfasser der Detailhandels-Bibel

Was verkauft sich besonders gut? Welche Produkte sind im Trend? Wer bietet welche Kundenkarten an? Sämtliche Zahlen und Fakten rund um den Schweizer Detailhandel finden sich jedes Jahr in einem 400 Seiten dicken Buch. Nun ist die neuste Ausgabe erschienen.

Grosse Schilder mit der Aufschrift Sale im Schaufenster

Bildlegende: Ausverkauf im Juli und im Januar? «Passé», erklärt der Experte des Schweizer Detailhandels. Keystone

Thomas Hochreutener schlendert durch die Regale eines Warenhauses in Luzern. Ein Blick links, ein Blick rechts, nichts entgeht dem Autor der Detailhandels-Bibel vom Marktforschungsinstitut GfK. Seit fast einem Vierteljahrhundert veröffentlicht er jährlich einen fast 400 Seiten umfassenden Branchenspiegel. Auch dieses Jahr präsentierte er ihn vor 260 Entscheidungsträgern der Industrie und des Detailhandels.

Im Warenhaus in Luzern fallen ihm die roten Plakate auf, die von der Decke runterhängen. Er sehe nur «Ausverkauf, alles zum halben Preis, sale», sagt Hochreutener.

Fast das ganze Jahr Ausverkauf

Vor allem in der Kleiderabteilung gibt es Schnäppchen, etwa eine Hose für 17 Franken. «Das sind Überangebote. Man hat einfach zu viel Ware. Und die muss man irgendwann loswerden», erklärt der Experte. Deshalb senke man die Preise nicht nur um 50 Prozent sondern um mehr.

«Früher gab es Sonderverkäufe im Januar und im Juli», so der 59-Jährige. Damals sei dies alles geregelt gewesen. Heute locken die Geschäfte praktisch das ganze Jahr mit Tiefstpreisen. «Man gewöhnt die Leute daran, dass sie nicht mehr zu Normalpriesen sondern nur noch zu vergünstigten Preisen einkaufen», warnt Hochreutener. Er bezweifle, ob dabei für den Händler die Rechnung immer aufgehe.

Teure Körperpflege, Wasch- und Lebensmittel

Auf dem Rundgang durch das Warenhaus zeigt sich, dass es zwar Sonderangebote gibt. Die Preise werden aber nicht überall gesenkt. Hochreutener stoppt in der Abteilung für Körperpflege. Diese Produkte seien in der Schweiz teurer als im Ausland. Er nennt als Beispiel ein Shampoo, dessen Preis er seit zehn Jahren beobachtet. In der Schweiz kostet es 3.95 Franken, in Deutschland die Hälfte.


Die Bibel des Detailshandels

3:34 min, aus Rendez-vous vom 24.06.2014

«Im Bereich der Körperpflege gibt es starke, weltweite Marken, die mitspielen. Die hoffen, dass die Schweizer auf die Marken setzen», erklärt Hochreutener. Nicht jeder könne immer ins Ausland gehen, um die Produkte dort zu kaufen. Er ist aber überzeugt, dass die Preise auch hier früher oder später ins Rutschen kommen.

Teurer seien in der Schweiz zum Beispiel auch die Waschmittel und die Lebensmittel. Der Einkaufstourismus hat denn auch erneut zugenommen. Die Einkäufe der Schweizer im Ausland haben gemäss den neuesten Zahlen im vergangenen Jahr nochmals um eine halbe Milliarde Franken auf insgesamt 10 Milliarden zugenommen.

Bekannte Namen verschwinden

Auf dem Rundgang durch das Warenhaus erklärt Hochreutener, weshalb ihn die Branche derart fasziniert. Ihn interessiere der Wandel im Handel. Deshalb habe er vor 25 Jahren begonnen, Zahlen und Fakten zu sammeln.

Zu den markantesten Veränderungen im Detailhandel gehöre die Konzentration in der Branche. Bekannte Namen seien verschwunden, Namen wie Primo-vis-à-vis, Pick Pay, Carrefour, ABM und EPA. Andere wie Aldi und Lidl seien dazugekommen.

Technik als grosse Herausforderung

Als grösste Herausforderung für den Detailhandel bezeichnet der Experte den Online-Handel und die Technik allgemein: Die mobilen Geräte, Smartphones und Tablets veränderten die Branche. Firmen müssten sich überlegen, was diese Veränderungen für sie bedeuteten und welche Anpassungen nötig seien.

Inzwischen ist der Rundgang im Warenhaus zu Ende. Hochreutener muss zurück ins Büro. Und er tut was er immer tut: Fragen beantworten zum Schweizer Detailhandel.