Zum Inhalt springen

Wirtschaft US-Steuerstreit: Weitere hohe Bussen könnten folgen

Stolze zwölf Milliarden Dollar konnten die US-Behörden bisher im amerikanisch-schweizerischen Steuerstreit einkassieren. Für Schweizer Banken, die bis dato noch keine Einigung mit den Steuerbehörden erzielt haben, könnte es noch härter kommen.

Das Logo der Bank Wegelin. Im Hintergrund ein Mann.
Legende: Die Bank Wegelin brach aufgrund des Steuerstreits mit den USA zusammen. Keystone

Das Geschäft mit der Steuerhinterziehung hat die Schweizer Banken bisher vier Milliarden Dollar gekostet. Doppelt so viele Bussen und Nachzahlungen mussten die amerikanischen Steuerhinterzieher hinterlegen: acht Milliarden.

Dass die Banken glimpflicher davon kommen als ihre US-Kunden, erstaunt den Berner Rechtsprofessor Peter V. Kunz nicht: «Man muss natürlich sehen, dass in erster Linie die Steuerpflichtigen die Haupttäter sind.» Die Banken seien als Gehilfen auch in den USA als kriminell betrachtet worden, man wolle sie jedoch in erster Linie abschrecken.

CS am höchsten gebüsst

Die Schweizer Banken lassen sich in zwei Gruppen einteilen. In der Kategorie 1 sind jene Banken, gegen die ein Strafverfahren läuft. In der Kategorie 2 befinden sich die Geldinstitute, die sich freiwillig dem US-Bankenprogramm zur Beilegung des Steuerstreits angeschlossen haben und nun ihre Geschäftsbücher öffnen.

Bisher haben rund 45 Banken der Kategorie 1 und 2 mit den Behörden eine Einigung erzielt. Die Zwischenbilanz zeigt, dass bisher drei Banken aufgrund des Steuerstreits zusammengebrochen sind, die Bank Wegelin, die Bank Frey sowie die Neue Zürcher Bank. Die grösste Busse hat mit 2,6 Milliarden bisher die Credit Suisse bezahlt, gefolgt von der UBS mit 780 Millionen und Leumi mit 400 Millionen. Bei den Banken der Kategorie 2 sind die Bussen deutlich tiefer.

US-Behörden sammelten wichtige Beweismittel

Alle Banken, die bereits eine Einigung mit den Behörden erzielt haben, mussten den Amerikanern die Methoden und Geschäfte im Zusammenhang mit den hinterzogenen Steuern offenlegen – Beweismittel, die den Amerikanern bei den weiteren Ermittlungen helfen.

«Zurzeit sind die amerikanischen Behörden in der angenehmen Situation, dass sie sich die Beweismittel relativ einfach beschaffen können», sagt Peter V. Kunz. Für die grösseren Banken, welche erst am Schluss zu Verhandlungen kommen, könne dies zu einem Problem werden.

Tatsächlich warten nach wie vor mehrere grössere Schweizer Geldinstitute auf eine Einigung mit den amerikanischen Steuerbehörden und dem Justizdepartement. «Da erwarte ich, dass noch ganz erhebliche Bussen fällig werden, weil bei diesen Banken mehr oder weniger feststeht und anscheinend auch Beweise für kriminelle Machenschaften vorliegen», ist Kunz überzeugt. Für Banken wie Julius Bär, Zürcher und Basler Kantonalbank, Pictet, HSBC, Rahn und Bodmer könnte es also noch hart werden.

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans König (Hans König)
    Trotz der guten Arbeit von Frau BR EWS trägt auch sie eine Schuld, dass die Amerkaner freie Hand hatten, bei den CH-Banken soviel Kapital zu holen. Die US-Administration braucht Geld - sehr viel Geld - und man holte es, wo es am einfachsten geht. "Gibst Du den Finger, will man die ganze Hand!"
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Jürg Baltensperger (Baltensperger)
      Zur Erinnerung: die drei grossen Parteien SVP, FDP und SP haben 2013 geschlossen gegen die von EWS ausgearbeitete Lex USA gestimmt. Die Folge war dieses unsägliche Steuerprogramm das die Banken Milliarden kostet. Die Schuld liegt also definitiv nicht bei EWS.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Sobald der Standard sich in ALLEN wichtigen Finanzplätzen (auch USA und GB) durchgesetzt hätte, dann hätte die Schweiz auch einwilligen können. Das wäre früh genug gewesen. Nun hat der Schweizer Finanzplatz kürzere Spiesse - aber selbstverständlich arbeiten alle anderen Banken der Welt sauberer als die schweizerischen...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    kommt doch ganz darauf an wieviel DIE noch brauchen....oder wollen...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Udo Gerschler (UG)
    Mich würde interessieren was für Gesetz gebrochen wurde.Alles was ich gelesen habe ist Steuerbetrug.Muss eine Bank nun eine NSA aufbauen.Es ist doch dasselbe als würde man Autohäuser verklagen weil sie VW-Autos gehandelt haben.Staatlicher Größenwahn und eine starke Lobby bringen da etwas durcheinander.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen