Vertrauen in Grossbank Espirito Santo erschüttert

Nach wie vor geht die Furcht vor einer neuen Bankenkrise im globalen Finanzsystem um. Inzwischen haben sich die internationalen Märkte zwar wieder beruhigt. Aber nun zirkulieren Gerüchte über die portugiesische Bank Espirito Santo, sie verfüge über zu wenig Geld. Die Bank dementiert.

Menschen stehen vor einer Filiale der Espirito-Santo-Bank mit drei Bankomaten an der Wand.

Bildlegende: Die Banco Espirito Santo zählt zu den Grossbanken in der Eurozone, die ab November von der EZB beaufsichtigt werden. Keystone

Es schien, als hätten die Politik und die Europäische Zentralbank (EZB) die Finanzkrise in den Griff bekommen. Und jetzt das: Eine Bank in Portugal – die Banco Espirito Santo – versetzte diese Woche die weltweiten Finanzmärkte in Unruhe. Es geht um angebliche Schulden in Milliardenhöhe.

Der Handel mit den Aktien der Bank war am Donnerstag ausgesetzt worden. Die Bank Espirito Santo bemüht sich derweil um Schadensbegrenzung. Die eigene Kapitaldecke sei ausreichend dick, erklärte das grösste börsennotierte Geldhaus des Landes in der Nacht auf Freitag.

Probleme durch billiges Geld verschleiert

Obwohl Lissabon nicht gerade als Zentrum der europäischen Finanzwelt gilt, haben die Sorgen um die Zukunft der Bank auch Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Portugals geweckt. Das Land war eines der am stärksten von die Eurokrise betroffenen Länder.

«Man war der Meinung, man habe schon viel getan», erklärt SRF-Wirtschaftsredaktor Jan Baumann. «Und trotzdem genügt nun dieses einzelne Ereignis, um wieder für grosse Unruhe zu sorgen.» Den Grund dafür sieht er im Vorgehen der EZB. Sie habe die Probleme der Bank mit ihrer Politik des billigen Geldes verdeckt.

«Das heisst, die Banken haben günstig Geld bekommen, dass sie für Kredite ausgeben konnten», erklärt Baumann. Auf die gleiche Art und Weise habe man aber auch Banken mit ernsthaften Problemen künstlich am Leben erhalten.

Noch viele faule Kredite in den Büchern

Das Kernproblem seien faule Kredite: «Kredite, die immer noch in den Büchern der Banken stehen, die man einfach so mitschleppt, ohne dass man sie abschreibt.» Wenn man sie abschreibe, müsse man den Verlust realisieren und zugeben, dass sie nichts mehr wert seien, so der Wirtschaftsredaktor. «Und das können sich gerade die schwächeren Banken in Europa gar nicht erlauben.»

Im Extremfall hiesse das, dass die Bank schliessen oder zusätzliche staatliche Hilfe beanspruchen müsste. «Man muss davon ausgehen, dass es noch mehr solche Fälle wie die Espirito Santo in Portugal gibt. Das wissen eigentlich alle, das weiss auch die EZB», so Baumann.

Im Herbst übernimmt die EZB die Aufsicht über die wichtigsten Banken in der Eurozone. Deshalb führt sie demnächst einen sogenannten Stresstest bei allen wichtigen Banken durch. Auch die Banco Espirito Santo zählt zu diesen Grossbanken. «Dabei werden noch einige Probleme ans Tageslicht kommen», vermutet Baumann.

Hohe Staatsschulden

Portugal ist eines der Länder, das sich unter den Euro-Rettungsschirm flüchten musste. Der Hilfsplan endete Mitte Mai. Das Land hat immer noch einen Schuldenstand von rund 130 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Die Arbeitslosenrate liegt bei 15,3 Prozent. Die Regierung in Lissabon erwartet dieses Jahr ein Wachstum von 1,2 Prozent.