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Umfrage unter SMI-Unternehmen Viele Frühpensionierungen, wenige Lernende

Fachkräfte ausbilden, Ältere länger beschäftigen und mehr Frauen anstellen. So wollen Unternehmen den Fachkräftemangel bekämpfen. Nicht so Schweizer Grosskonzerne: Sie pensionieren ältere Angestellte oft frühzeitig und bilden wenige Lernende aus. Das zeigt eine Umfrage der SRF-Wirtschaftsredaktion.

Im Schnitt stellen die angefragten SMI-Konzerne 3,3 Lehrlinge auf 100 Vollzeitbeschäftigte ein.
Legende: Im Schnitt stellen die angefragten SMI-Konzerne 3,3 Lehrlinge auf 100 Vollzeitbeschäftigte ein. Keystone

Gewinnzahlen, Umsätze und ihre strategischen Ausrichtungen haben die SMI-Unternehmen an ihren Bilanzmedienkonferenzen während der letzten Wochen präsentiert. Doch wie schneiden die Schweizer Grosskonzerne in politisch brisanten Fragen ab? Die SRF-Wirtschaftsredaktion hat nachgefragt.

Weniger Stellen in der Schweiz: Rund 150'000 Personen beschäftigen die 20 SMI-Konzerne in der Schweiz. Im vergangenen Jahr haben die Unternehmen allerdings netto 2420 Jobs abgebaut, was rund 1.6 Prozent der Stellen entspricht. Die Grosskonzerne haben aber auch Stellen geschaffen, allen voran der Pharmakonzern Roche mit rund 200 neuen Jobs.

Ausländeranteil ist gewachsen: Die SMI-Konzerne haben 2016 zwar in der Schweiz Stellen abgebaut. Wie die Umfrage aber zeigt, ist gleichzeitig der Ausländeranteil gewachsen. Den höchsten Anteil an ausländischen Mitarbeitern beschäftigt der Biopharma-Konzern Actelion. Über 70 Prozent der rund 1090 Actelion-Mitarbeitenden in der Schweiz besitzen ausschliesslich einen ausländischen Pass, bei Novartis sind es rund 70 Prozent. Auch bei den Konzernen SGS, Roche und Nestlé sind mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden Ausländer.

Viele Frühpensionierungen: Die 20 grössten börsenkotierten Unternehmen der Schweiz schicken ihre Angestellten ausserdem gerne frühzeitig in Pension, wie die Umfrage weiter zeigt. Der Anteil der Frühpensionierungen an allen Pensionierungen bleibt unvermindert hoch. Der Pharmakonzern Novartis hatte vergangenes Jahr den höchsten Anteil an Frühpensionierungen (90 Prozent). Und auch bei Swisscom, Swiss Life und Zürich erfolgten die meisten Pensionierungen frühzeitig.

Tiefe Lernendenquote: Mit durchschnittlich 3,3 Lehrstellen auf 100 Vollzeitbeschäftigte war die Lernendenquote bei den SMI-Unternehmen relativ tief. Die höchste Lernendenquote konnte abermals die ABB mit 7.5 Prozent vorweisen. Rund die Hälfte der Konzerne hat ihre Lernendenquote im Vergleich zum Vorjahr gesteigert, die andere Hälfte hat die Quote verschlechtert.

Frauenanteil: Auch der Frauenanteil hat sich bei den meisten SMI-Unternehmen nur wenig verändert. Die höchste Frauenquote hat abermals der Stellenvermittler Adecco (56 Prozent). Über die Hälfte derjenigen Unternehmen, die dazu Angaben machten, beschäftigten aber weniger als 40 Prozent Frauen. Am Ende der Rangliste stehen Geberit (26 Prozent), LafargeHolcim (22 Prozent) und ABB (17 Prozent). Ihren Frauenanteil erhöht haben Nestlé, Swiss Life, Swisscom und Geberit.

SMI-Umfrage

Zum dritten Mal hat die SRF Wirtschaftsredaktion eine Umfrage unter den SMI-Konzernen durchgeführt. Die 20 Konzerne, die im Swiss Market Index SMI enthalten sind, gelten als die grössten börsenkotierten Unternehmen der Schweiz.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Frühpensionierungen und Kündigungen älterer Mitarbeiter: Ist alt werden unatrakttiv? Das Altwerden wird behandelt wie ein vermeidbarers Missgeschick oder wie ein beschämendes Malheur, als ob man nicht aufgepasst hat und schon ist man alt geworden. Es sollten alle bedenken, dass auch sie in die Jahre kommen werden. Deshalb mehr Verständnis für ältere Mitarbeiter, sie haben viel geleistet.
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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    So sieht jede Umsetzung einer "freiwilligen Selbstverpflichtung" aus. Ohne konkrete Messlatten, Kontrollen und schmerzhaften Sanktionen wird sich an diesem Prozess nie etwas verändern.
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  • Kommentar von Markus Guggisberg (gugmar)
    Völlig klar, dass ein Unternehmen, das nicht mehr als 50% Schweizer beschäftigt und nicht von Schweizer Verwaltungsrat und Geschäftsleitung geführt wird und nicht mehrheitlich in Besitz von Schweizer Aktionären befindet, kein Schweizer Unternehmen ist und auch nicht am SMI prtizipieren darf. Auch Unternehmen müssen Swissness Voraussetzungen erfüllen ! Die Politik hat dafür zu sorgen !
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    1. Antwort von Reto Camenisch (Horatio)
      Von wo kommt diese wirtschaftliche Weisheit?
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