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Wirtschaft Von starken Märkten und schwacher Wirtschaft

Der starke Franken und die Negativzinsen drücken auf die Stimmung in der Schweizer Wirtschaft. Trotzdem steht der Schweizer Leitindex SMI fast auf Rekordniveau. SRF-Börsenmoderator Reto Lipp gibt Antworten.

Legende: Video «Konsequente langfristige Strategie empfiehlt sich» abspielen. Laufzeit 1:55 Minuten.
Aus 10vor10 vom 10.04.2015.

Da soll noch jemand die Wirtschaft verstehen. Fast täglich liest, hört oder sieht man Berichte über die negativen Auswirkungen des starken Frankens: Negativzinsen, Exportschwierigkeiten oder Tourismusflaute sind nur einige Beispiele. Trotzdem steht der Swiss Market Index (SMI), nur noch ganz knapp unter dem Allzeithoch aus dem Jahre 2007.

Wie kann es sein, dass in den heute so angeschlagenen Volkswirtschaften, die jeweiligen Märkte, Rekord um Rekord verzeichnen können? Verkehrte Welt?- Eine Einschätzung des SRF-Börsenmoderators Reto Lipp.

SRF News: Reto Lipp, die Stimmung in der Wirtschaft ist gedrückt und trotzdem sind die Börsen auf Rekordjagd: Woher kommt dieses Missverhältnis?

Reto Lipp: Dieses Phänomen ist den Notenbanken zuzuschreiben. Mit der Tiefzinspolitik, und im Schweizer Fall sogar mit Negativzinsen, drängen sie Pensionskassen aber auch Privatanleger dazu, Geld am Markt zu investieren.

Wieso sind Aktien im Moment denn so beliebt?

Institutionelle Anleger wie die Pensionskassen können ihr Geld nicht mehr in Obligationen investieren, weil diese im Moment keine Rendite bringen. Also müssen sie auf andere Anlagen ausweichen. In der Schweiz sind dies vor allem Aktien und Immobilien. In den letzten Jahren ist vor allem die Aktienquote der Pensionskassen, also der Teil aller Pensionskassenanlagen in Aktien, auf rund 30 Prozent gestiegen.

Reto Lipp in der Sendung ECO
Legende: Reto Lipp moderiert jeweils am Montag, das Wirtschaftsmagazin «ECO» auf SRF1 und am Mittwoch, die Sendung «SRF Börse». SRF

Ist die Tiefzinspolitik denn wirklich so prekär für die Pensionskassen?

Das Problem ist, dass Pensionskassen und andere institutionelle Anleger, regelmässig Gelder ausbezahlen müssen. Dafür brauchen sie Cash. Wenn die Obligationen, die sie halten keine Zinsen abwerfen, kann auch kein Geld ausbezahlt werden. Pensionskassen kaufen darum jetzt Aktien grosser Firmen wie Novartis oder Nestle, die zusätzlich eine gute Dividende bezahlen. Das Risiko auch Geld zu verlieren, steigt aber natürlich, denn Aktien sind risikobehafteter als Obligationen.

Eine alte Regel besagt doch: Wenn zu viel über einen Börsenboom berichtet wird, sollte man aus dem Markt aussteigen. Stimmt das so?

Das ist in der Tat eine Redewendung in der Börsenwelt (lacht). «Wenn der Blick und das Fernsehen berichtet sollte man aussteigen.» Ich spüre aber immer mehr, dass diese alten Börsenregeln nur noch teilweise gelten. Die momentane Geldpolitik erfindet ihre eigenen Regeln.

Ist der Scheitelpunkt bei diesem Börsenhype denn schon in Sicht?

Das ist natürlich die Gretchenfrage. Gibt es einen Scheitelpunkt? Ein entscheidender Moment wird die zukünftige Zinsentwicklung in den USA sein. Als das letzte Mal über eine Anhebung der US-Zinsen diskutiert wurde, tauchten die Märkte gewaltig. Das ist meines Erachtens der Grund, wieso diese Zinserhöhung immer weiter nach hinten geschoben wird.

Was sollten Kleinsparer in der jetzigen Situation tun?

Das Wichtigste ist, dass man sich nicht durch kleinere Marktschwankungen aus der Ruhe bringen lässt. Das perfekte Timing ein- oder auszusteigen verpasst man immer. Wer Geld anlegen will, sollte sich eine Strategie zurecht legen und einige Punkte klären: Wie viel Geld will ich investieren? Brauche ich mein Geld jetzt oder in zehn Jahren? Wie viel Risiko bin ich bereit einzugehen?

Auf was muss der Börsen-Novize denn besonders aufpassen?

In der jetzigen Situation wäre es falsch, ständig im Markt ein- und aussteigen zu wollen. Bei diesem «Rein-Raus-Spielchen», zahlt der Anleger nämlich vor allem Transaktionsgebühren an die Banken. Alle Studien besagen dasselbe: Langfristig denken und investieren. Geduld zahlt sich aus.

Sendebezug: 10vor10 vom 10.4.2015

3 Kommentare

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  • Kommentar von c.jaschko, Bern
    Es ist ganz einfach zu verstehen: Die Schweiz ist kein 0815-Land und die Entscheidung sich von den Klauen der FAKE EU-Demokratie zu befreien hat alles Vertrauen in die Schweiz wieder geweckt :-) Die Anleger Zocken nicht mehr gerne so hoch also gehen Sie lieber Zocken auf die Ultimative und Historisch-Sichere Nummer 1 , nämlich die Schweiz :-) Die Schweiz hat es geschafft die Nazis zu überleben also die FAKE-Machenschaften wie die EU wird man ohne weiteres ab schmunzeln können :-)
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    1. Antwort von P.Fetz, Zürich
      Da haben sie 100% recht und wir Schweizer machen uns gerne schlechter als wir sind, dabei sind wir topp und spitze in allem, das macht auch eifersüchtig!
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    2. Antwort von peter ornisk, luzern
      Ganz meine Meinung. Die Schweiz ist einfach ueberlegen und kann niemals scheitern da wir einfach unglaublich schlau und effizient sind. Unser Reichtum basiert auf konsequente Innovation bei der Milchgewinnung und war nie abhaengig von FAKE-auslaendischen Geldern welche wir der Welt abzwacken... Waere die EU nie entstanden , wuerde es der Welt viel besser gehen und der Schweiz. Weil es dann naemlich viel coolere Osteuropa- Diktaturen gaebe welche ihr Geld zur ewigen Nr°1 geben wuerden!
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