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Von Thiam bis Schwan Die Mechanik der Top-Saläre

Tidjane Thiam und Urs Rohner im Gespräch
Legende: CS-CEO Tidjane Thiam und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner: Thiam bekam weniger, Rohner mehr Lohn. Keystone

Heute hat die Credit Suisse die Löhne ihrer Chefs publiziert. Wie gewohnt stehen Millionen-Saläre für das Top-Kader im Vergütungsbericht. Meist sind diese Berichte voll mit Diagrammen, Berechnungen, Tabellen. Komplizierte Konstrukte, die bei näherer Betrachtung interessante Details offenbaren.

Lohnerhöhung trotz Verlust

Ins Auge sticht der Lohn des CS-CEO Tidjane Thiam. Zwar etwas tiefer als im Jahr zuvor, aber noch immer kommt er auf knapp zehn Millionen Franken. Interessanter: Die Lohnentwicklung beim obersten Strategen der Bank. Verwaltungsratspräsident Urs Rohner kommt laut Vergütungsbericht auf 4,3 Millionen. Im letzten Jahr waren es noch vier Millionen. Eine Lohnerhöhung von knapp 10 Prozent.

Und das, obschon die Bank seit drei Jahren Verluste schreibt. «Eigentlich geht das nicht, denn laut Aktienrecht dürfte ein Verwaltungsrat nur mit einer Gewinnbeteiligung, mit Tantiemen entlöhnt werden», sagt Thomas Minder, Ständerat und Vater der Abzocker-Initiative.

Laut Credit Suisse habe sich der Lohn von Urs Rohner nicht erhöht. Aber: «Herr Rohner verzichtete freiwillig auf 30 Prozent seines Vorsitzhonorars. Im Jahr zuvor hat er auf 50 Prozent seines Honorars verzichtet.» Fakt bleibt: Urs Rohner bezog 2017 mehr Geld als 2018, obschon die Bank in den letzten drei Jahren rund 6,5 Milliarden Franken Verluste schreiben musste.

Top-Verdiener unter den Schweizer Konzernchefs

Unternehmen
Konzernchef
Vergütung
UBSSergio Ermotti
13.9 Millionen CHF
NovartisJoseph Jimenez
12.8 Millionen CHF
RocheSeverin Schwan
10.9 Millionen CHF
Credit Suisse
Tidjane Thiam
9.7 Millionen CHF
Zürich Versicherungen
Mario Greco
8.0 Millionen CHF


Quelle: Willis Towers Watson

Roche: Aktien zum halben Preis

Der Basler Pharma-Riese zahlt seinem Chef Severin Schwan rund elf Millionen Franken Lohn. Ein Teil davon sind Aktien. Die meisten über mehrere Jahre gesperrt. Solche langfristigen Aktienpakete sind nicht aussergewöhnlich. Sie sollen dafür sorgen, dass die obersten Manager sich nicht nur auf schnellen Gewinn sondern auch auf die langfristige Entwicklung des Unternehmens konzentrieren.

Severin Schwan bekam fürs letzte Jahr zwei Aktienpakete. Das grössere mit einem Wert von gut 2,5 Millionen Franken ist über zehn Jahre gesperrt. Das kleinere ist sofort verfügbar und hat einen Wert von 1,5 Millionen Franken. Diese Aktien stehen zu einem reduzierten Wert von 55,8 Prozent im Geschäftsbericht.

Das ist unüblich: «Von allen SMI-Unternehmen berechnen nur Néstle und Roche die Aktien zum reduzierten Wert», sagt Ethos-Direktor Vincent Kaufmann. Der Unterschied macht mehrere Millionen Franken aus. Nimmt man den Marktwert des Aktienpakets, kommt Severin Schwan auf ein Jahres-Salär von 15,1 Millionen Franken, zeigen Berechnungen von Ethos.

Roche selbst meint zu der tiefen Bewertung: «Aufgrund der langen Sperrfrist von zehn Jahren wird der Verkehrswert auf 55,839 % reduziert wie im Geschäftsbericht 2017 transparent ausgewiesen.»

Lindt und Sprüngli: Millionen für Stabsübergabe

Beim Schokolade-Konzern gabs im letzten Jahr einen Wechsel an der Spitze. Langzeit-CEO Ernst Tanner trat nach 22 Jahren an der Spitze des Konzerns zurück. Nun ist er Präsident des Verwaltungsrates und hat für dieses Mandat 2,5 Millionen Franken bekommen. Doch damit nicht genug. Fürs Einarbeiten des neuen Chefs durfte sich Ernst Tanner nochmals mit 4,2 Millionen entlöhnen lassen. Insgesamt kommt er so auf eine Jahres-Vergütung von 6,7 Millionen Schweizer Franken.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Matthias Zbären (Defender59)
    In Zürich steht das grösste CS Gebäude neben der Migros Brunau. Beides sind Selbstbedienungsläden, jedoch beim Ausgang der Migros musst Du bezahlen!
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  • Kommentar von Jonas Sanddorn (Sanddorn)
    Die hohen Millionen-Saläre einerseits und die Menschen, die sich jeden Tag für wenig Geld zu "Tode chrampfen" müssen, machen mich unglücklich. Wir Schweizer aber sind die Schmiede unseres eigenen Glücks (oder Unglücks): Es gab einmal eine eidgenössische Volksinitiative «1:12 – Für gerechte Löhne». Diese wurde mit einer 2/3 Mehrheit abgelehnt...
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  • Kommentar von Hannes Bernthaler (Hannesbaern)
    Wie lange wollen wir Eidgenossen diese unmoralische Abzocke noch mittragen? Wer ist auch für eine Volks- Initiative um diese Sauerei zu beenden?
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Dies Herr Bernthaler nennt dich Finanzkapitalismus. Dieser Form von Extraktionsmentalität lässt nicht durch eine Initiative Beikommen. Denn was diese Herren Abschöpfen ist der Mehrwert, der duch millionen von Arbeitsstunden von Menschen geschaffen worden ist. Solange diese Form von organisiertem und abgesegnten Raubrittertum weiter geht und nicht am Grundübel was geändert wird, bleibt es bei kleinen harmlosen Empörungswellen mit kosmetischen Effekten, die nichts wirklich ändern....
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    2. Antwort von Beni Fuchs (Beni Fuchs)
      Ach, wenn eine solche Initiative von rechts kommt, hat sie Chancen, taugt aber nichts (Abzocker Initiative), wenn sie von links kommt taugt sie, hat aber keine Chancen (1:12). Wenn wir (das Volk) längerfristig was erreichen wollen, müssen wir mal über das dämliche links/rechts Schema herauswachsen.
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