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Wirtschaft «Vorrang von Inländern lässt sich nicht rechtfertigen»

Der Bundesrat hat im Rahmen der Umsetzung der Zuwanderungsinitiative den Inländervorrang als Strategie vorgeschlagen. Der renommierte Wirtschaftswissenschafter Christopher Pissarides hat jedoch Zweifel, ob eine solche Regelung ökonomisch sinnvoll ist.

Christopher Pissarides
Legende: Christopher Pissarides, Nobelpreisträger und Arbeitsmarkt-Analyst. Reuters/Archiv

Zur Umsetzung der Zuwanderungsinitiative gehört der Inländervorrang, wie der Bundesrat erst kürzlich in seiner Strategie festgehalten hat. Inländische Arbeitskräfte sollen den Vorrang auf dem hiesigen Arbeitsmarkt haben.

Erst wenn sich hierzulande keine passenden Stellenbewerber finden, sollen die Unternehmen Arbeitskräfte im Ausland rekrutieren dürfen.

Wie genau der Inländervorrang umgesetzt werden soll, ist noch offen. Ökonomische Argumente für dieses politische Projekt gebe es aber nicht, sagt der zyprische Nobelpreisträger Christopher Pissarides von der London School of Economics.

Modell für den Arbeitsmarkt

Pissarides hat 2010 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für seine Forschungsarbeiten über Matching-Probleme auf dem Arbeitsmarkt erhalten. Er hatte untersucht, wie Arbeitslosigkeit entsteht und sich entwickelt. Daraus hat er ein ökonomisches Modell abgeleitet, das heute noch als Grundlage gilt, wenn es darum geht, arbeitsmarktliche Massnahmen zu entwickeln und zu beurteilen.

Am besten funktioniert der Arbeitsmarkt, wenn niemand diskriminiert wird. Man soll die besten und talentiertesten Personen suchen.
Autor: Christopher PissaridesÖkonom

Beispielsweise kann Pissarides' Modell zeigen, wie die durchschnittliche Arbeitslosigkeit, die Zahl der offenen Stellen und die Ausgestaltung der Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung zusammenhängen.

Für den Spezialisten ist klar, wie ein effizienter Arbeitsmarkt ausgestaltet sein sollte: «Am besten funktioniert der Arbeitsmarkt, wenn niemand diskriminiert wird. Man soll die besten und talentiertesten Personen suchen», ist Pissarides überzeugt.

Er hält deshalb nicht viel vom politischen Projekt, inländische Arbeitskräfte zu bevorzugen. Allerdings räumt er ein, dass es insbesondere aus sozialpolitischen und fiskalischen Gründen Sinn machen könne, wenn Unternehmen mehr Leute aus der Schweiz anstellten.

Kosten für Arbeitslose senken

Wenn Arbeitslose unterstützt werden müssten, dann beanspruche das das soziale Netz und verursache Kosten. Unter diesen Umständen sei es eventuell sinnvoll, inländische Arbeitnehmende zu bevorzugen. Andernfalls müsste man ihnen helfen, neue Jobs zu finden, für die es keine besseren Ausländer gebe.

Auch politische Argumente könnten für den Inländervorrang sprechen. Es zeige sich immer wieder, dass Wähler gegen Migration stimmten. Deshalb würden sie auch immer wieder solche Parteien wählen. Er sei zwar dagegen, aber für gut kalkulierende Politiker könne der Inländervorrang deshalb Sinn machen.

Rein ökonomisch gesehen, lasse sich der Inländervorrang nicht rechtfertigen. Insbesondere nicht in Europa, wo das Lohn- und Ausbildungsniveau angemessen seien, bilanziert der renommierte Arbeitsmarktexperte.

Für Unternehmen und Branchen, die händeringend nach Fachkräften suchen, werden die Argumente des Nobelpreisträgers aber wohl ein schwacher Trost sein. Sie müssen sich darauf einstellen, dass es für sie künftig schwieriger wird, ausländisches Personal zu rekrutieren.

16 Kommentare

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  • Kommentar von A. Specker, Zürich
    Ich würde sagen Herr Pissarides hat Recht, in der Theorie. Leider ist die Theorie nicht so einfach umzusetzen. Die grösste Schwäche sehe ich hierbei, dass viele Führungspersonen, welche Leute anstellen, nicht in der Lage sind den besten Mitarbeiter auszuwählen, teilweise weil diese nicht fähig sind gewisse Vorteile zu sehen. Ein 50 jähriger CH-Ingenieur ist häufig sehr viel mehr wert als ein 25 jähriger D-Ingenieur, weil CH-Ausbildung besser ist, die Erfahrung extrem viel höher usw.
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    1. Antwort von F. Kirschbein, Freiburg/Brsg.
      Die Erfahrung eines 50jährigen mag höher sein als die eines 25jährigen, aber ob die CH-Ausbildung besser ist als die renommierter Universitäten in D, darf mal dahingestellt bleiben. Der sogenannte Fachkräftemangel, der in D gleichermaßen beklagt wird wie in der CH hat allerdings seine Ursachen eher darin, dass Unternehmen Leute suchen, die das Wissen bereits mitbringen, das gefordert ist. Ein- und Aufsteiger haben wenig Chancen. Anreize für Jobinhaber bestehen hingegen höchstens beim Salär.
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    2. Antwort von B. Küng, Biel
      Ja, Ja, in der Schweiz ist alles besser, kurz das Nonplusultra. Die Eidgenossen sind die Besten, die Größten, das auserwählte Volk. Alle anderen sind Deppen, die Deutschen und anderen Ausländer sowieso. (Achtung: Ironie!)
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    3. Antwort von Hans Knecht, Torny
      F. Kirschbein, das ist ein guter Teilaspekt von ihnen. Sehe da noch weitere Punkte. Somanche Führungskraft hat es nie gelernt eigene CH-Mitarbeiter zu förderung und entwickeln.Es ist einfacher für die kurzfristigen Gewinnziele in einem Katalog sich ein neuer Mitarbeiter oder Führungskraft mit dem erforderlichen Wissen auszuwählen.Des weiteren gelten (kranker Weise) selbst-eingestellte Mitarbeiten als loyaler.Und da Schweizer kulturbedingt schlechteren Verkäufer sind bleiben sie auf der Strecke.
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    4. Antwort von Hans Knecht, Torny
      A. Specker, bitte vergleichen sie mal die PK-Abgaben zwischen einem 50 jährigen Mitarbeiter und einem 25 jährigen. Die Schweiz bestraft sich da selbst.
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  • Kommentar von p.keller, kirchberg
    Die Wirtschaft erlaubt (sich) alles.
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Andere Staaten, wie beispielsweise Gr, I oder F können ganz ander Sachen rechtfertigen - wenn sie es wollen. Auch Banken, Diktatoren, oder korrupte Behördenmitglieder rechtfertigen sich für Dinge, die eigentlich unentschuldbar wären. Wenn hingegen jemand nicht will, so kann er gar nichts rechtfertigen. Also: Experte auswechseln, denn es gibt zu jedem Experten einen "Gegenexperten".
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