Einblicke in die Welt des «Davos Man»

Die Stimmung beim WEF war besser als im Vorjahr. Doch eine Davoser Weisheit besagt: Nach der Krise ist vor der Krise. Ein nicht ganz objektiver Blick hinter die Kulissen.

Wenn grauhaarige Banker morgens um halb zwei in Davos den «Gangnam Style» üben, dann wird klar: So unbeschwert ging es dem «Davos Man» am World Economic Forum selten. Mit «Davos Man» beschrieb der amerikanische Politologe Samuel P. Huntington die globale Elite, die sich jedes Jahr am WEF trifft. So fragte sich auch SRF-Moderator bereits zur Halbzeit:

«It's almost over, we're through», hörte man oft. Fast vorbei sei die Finanzkrise, der Durchbruch sei geschafft. Das diesjährige Motto scheint dies auch zu suggerieren. Auch wenn es von nicht allen verstanden wurde.

Der CNN-Reporter Richard Quest sagte gegenüber SRF: «Vom diesjährigen WEF bleibt mir dieses lächerliche Motto ‹widerstandsfähige Dynamik› - niemand hatte die geringste Ahnung was damit gemeint ist». Schliesslich fand er aber auch eine positive Seite: «Vielleicht war dieses Motto doch eine geniale Idee des Forums, denn so konnte jeder diese Phrase so interpretieren wie er wollte».

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Andere Stimmen vom WEF

1:24 min, aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 26.1.2013

Was für ein Kontrast zum Vorjahr: Der Kollaps des Euro galt 2012 noch vielen als wahrscheinlich. «Die Frage lautet nicht mehr ob, sondern nur noch wann», erklärte damals US-Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini von der angesehenen New Yorker Stern School of Business.

2013 war dies kein Thema mehr. Doch die Zukunft der EU war trotzdem ein Schwerpunkt des WEF. So hat der Schlagabtausch des britischen Premiers David Cameron und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel über die künftige Ausrichtung Europas für Furore gesorgt. Doch nicht alle waren gekommen um die politischen Schwergewichte zu hören:

Die überragende Gestalt des «inoffiziellen Weltgipfels», wie das Jahrestreffen der Mächtigen und Einflussreichen in den Bündner Alpen auch genannt wird, war zweifellos «Super-Mario». Mario Draghi, der italienische Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), hatte im letzten Jahr die Notenbank mit wenigen Worten als Helfer in der Not etabliert. Bis auf weiteres gilt er damit als Hauptfigur der Euro-Rettung.

Eindringlichere Warnungen vor einer Rückkehr der Krise waren auch zu vernehmen. Doch viele nahmen es dieses Jahr mit Humor: