«Mein Held ist Forrest Gump»

Im Schatten von Google, Ebay und Yahoo hat Jack Ma einen der grössten Internetkonzerne der Welt aufgebaut. Durch seine Alibaba Group ist er zum reichsten Mann Chinas geworden. Bier, Hollywoodfilme und Kung Fu-Romane inspirieren den Technologie-Pionier. In Davos plauderte er aus dem Nähkästchen.

Alibaba-Gründer Jack Ma

Bildlegende: Der Alibaba-Gründer Jack Ma lässt in Davos tief in seine Geschäftsphilosophie blicken. WEF

In der Onlinewelt gibt es an den amerikanischen «Internet Big Five» kein Vorbeikommen. Sie bündeln immer mehr Macht und Kapital. Alle Augen richten sich auf Apple, Google, Facebook und Co.

Etwas weniger im Rampenlicht steht der chinesische Geschäftsmann Jack Ma. In China baut er mit seiner Alibaba Group seinen Einfluss auf weite Lebensbereiche seiner asiatischen Konsumenten kontinuierlich aus.

Im letzten Jahr hat sein Unternehmen den grössten Börsengang in der Geschichte der Wallstreet hingelegt.

Am World Economic Forum in Davos lässt er in einem stündigen Interview über seine wirtschaftliche Bedeutung keinen Zweifel aufkommen.

Sätze, wie «100 Millionen Kunden gehen täglich auf die Webplattform» oder «Wir gehören zu den wertvollsten Firmen der Welt», gehen dem Internetpionier wie beiläufig über die Lippen. Doch wie kam es zu dieser Tellerwäscher-Karriere?

So erklärt sich Jack Ma das Geheimnis seines Erfolgs. Seine Rezepte könnten auch aus einem Kung Fu-Roman stammen.

Sei dein eigener Meister

  • Ich bin nach der kulturellen Revolution in Hangzhou aufgewachsen. Das war hart. Ich wurde von drei Schulen abgewiesen, denn ich war ein zu schlechter Schüler. Später habe ich dreissig Bewerbungen geschrieben und nur Absagen gekriegt. Ich wollte zur Polizei, doch auch die haben mich auch abgelehnt. Sogar bei der amerikanischen Fastfood-Kette «Kentucky Fried Chicken» war ich der Einzige aus 24 Bewerbern, den sie nicht nahmen. Später hat mich die amerikanische Elite-Uni Harvard zehn Mal verschmäht. Ich weiss also, wovon ich rede.

Erfinde einen neuen Namen

  • In meiner Stadt gab es keinen Ort zum Englisch lernen. Ich habe dann mich einem Hotel anerboten, freie Tours anzubieten – während neun Jahren. Durch die westlichen Touristen habe ich Englisch gelernt und sie haben mir den Horizont geöffnet. Meinen englischen Namen habe ich durch eine Amerikanerin bekommen, die meinen chinesischen Namen nicht aussprechen konnte. Sie sagte: «Mein Vater und mein Ehemann heisst Jack». Und so kam ich zu meinem Namen.

Am Anfang war das Bier

  • Ich war 1995 in Seattle bei einem Freund, der einen Raum voller Computer stehen hatte. Er sagte: «Jack, das ist das Internet». Darin kannst du suchen, was du willst. So habe ich in die Suchmaschine das Wort «Bier» eingegeben. Dann kamen Bier aus aller Welt – nur keines aus China. Anschliessend habe ich eine sehr hässliche Seite über China lanciert. Am nächsten Morgen hat mich mein Freund angerufen und gesagt, du hast schon fünf begeisterte Emails gekriegt. Ich kannte damals Emails noch nicht, aber wusste, da steckt mehr drin.

A wie Alibaba

  • Wie sollte ich mein Unternehmen nennen? Es musste ein internationaler Name sein. Ich habe lange darüber nachgedacht und verschiedene Leute auf der Strasse gefragt. Das Fazit: Alle kannten die Sage über «Ali Baba und die 40 Räuber». Zudem beginnt es mit A und steht deshalb im Alphabet ganz oben.

Lernen von Hollywood

  • Ich liebe den Film «Forrest Gump». Er ist ein einfacher Typ, der niemals aufgibt. Sein Umfeld denkt, er sei dumm. Dabei weiss er genau, was er macht. Als ich einmal mit einem Internetproblem zu Hause sass, habe ich mir diesen Streifen angeschaut und gesehen: Dieser Typ ist mein Idol. Nun habe ich begonnen, meine eigenen Kung Fu-Romane zu schreiben.

Das Leben von Jack Ma

Der Gründer und CEO der Alibaba wurde 1964 in Hangzhou geboren. Alibaba ist die grösste IT-Firmengruppe Chinas. Auf der aktuellen Forbes-Liste wird das Vermögen von Jack Ma mit ca. 20,8 Milliarden US-Dollar angegeben. Damit belegt er Platz 36 weltweit und führt die Liste in China an.