«Public Eye Lifetime Award»: Chevron in Schande

Parallel zum WEF ist der amerikanische Ölkonzern zu zweifelhaften Ehren gekommen. Er hat den berühmt-berüchtigten «Public Eye Lifetime Award» bekommen.

Die «Hall of Shame» des Public Eye Awards

Es hat wieder gezwinkert, das Auge, das wie Argus die Unternehmerlandschaft beäugt – mit dem Resultat, dass in der alljährlichen Gegenveranstaltung zum WEF zum zehnten Mal der «Public Eye Award», der Preis für verantwortungsloses Unternehmertum, verliehen worden ist.

Die Auszeichnung, die niemand wollen kann, ist unerbittlicher denn je. Denn zum Jubiläum und endgültigen Abschluss des Events wird der Empfänger nicht nur mit einer Jahrestrophäe geehrt, sondern gar mit einem «Public Eye Lifetime Award» bedacht.

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Letzter «Public Eye Award» geht an Chevron

2:27 min, aus Tagesschau vom 23.1.2015

Mehr als die Hälfte der Stimmen

Das Geheimnis um den Preisträger ist heute Mittag gelüftet worden. Der Gewinner, der sich fortan als in sozialen und ökologischen Belangen ruchloser Konzern einer moralisch zweifelhaften Ehre rühmen kann, ist der global agierende Ölkonzern Chevron mit Sitz in San Ramon, USA, und Fortaleza, Brasilien.

Seine unfreiwilligen Mitstreiter – darunter Gazprom, Glencore und Goldman Sachs – hat er mit mehr als der Hälfte der Stimmen im massgeblichen Online-Voting deutlich hinter sich gelassen.

Offene Rechnung

In der Kritik steht Chevron wegen der Umweltzerstörung, die der Konzern bei der Erdöl-Förderung im ecuadorianischen Regenwald angerichtet hat. Bis heute hat das Unternehmen die 9,5 Milliarden Dollar nicht bezahlt, zu denen es vom obersten Gerichtshof Ecuadors wegen schwerer Umweltverschmutzung verurteilt worden war.

Mit der Verleihung des Public Eye Lifetime Award ziehen die Veranstalter einen Schlussstrich unter den alljährlich stattfindenden Event. Hatten sie sich bereits im Jahr 2000 als alternatives Forum zum elitären WEF-Zirkel formiert, möchten sie ihre Anliegen – nach 15 Jahren Public Eye und zehnmaliger Preisverleihung – fortan in einem neuen Verein bündeln.

Der Preis «Public Eye Award» aus Holz.

Bildlegende: Der unbeliebte «Public Eye Award» geht dieses Jahr als Lifetime-Ausgabe an Chevron. Keystone

Bundesrat und Parlament in die Verantwortung genommen

Ihr selbsterklärtes Ziel, «dass Unternehmen mit Sitz in der Schweiz Menschenrechte und Umweltstandards auch bei ihren Aktivitäten im Ausland respektieren», wollen sie nun nicht mehr im Rahmen einer resistenten Gegenveranstaltung zum WEF umsetzen, sondern auf einer politisch breiteren Ebene nachkommen.

Konkret haben die Aktanten im Zuge ihrer Kampagne «Recht ohne Grenzen» auf nationaler Ebene eine gleichnamige Petition eingereicht. Unterzeichnet von über 135‘000 Menschen und eingereicht von mehr als 50 Schweizer NGOs wollen sie jetzt den Bundesrat und das Parlament in die Verantwortung nehmen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Stresssituation für Schweizer Firmen

    Aus Tagesschau vom 22.1.2015

    Die Aufhebung des Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank sorgt am World Economic Forum WEF für viel Gesprächsstoff. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann hat deshalb zu einem Frühstück eingeladen. Die Stresssituation vieler Schweizer Firmen sei zu spüren, so Schneider-Ammann. Erwartungen an die Politik gebe es aber keine. Einschätzungen von SRF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind.