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Airbnb-Detektive in Zermatt Wer keine Kurtaxe zahlt, wird abgemahnt

Die Wohnung über Airbnb zu vermieten, ist einfach. Viele liefern aber keine Gebühren ab. Um an dieses Geld zu kommen, setzt die Gemeinde Zermatt neuerdings Detektive ein.

Legende: Audio Airbnb-Detektive stöbern in Zermatt Kurtaxen-Umgeher auf abspielen. Laufzeit 3:01 Minuten.
3:01 min, aus Info 3 vom 22.12.2016.

In die Ferien gehen und dabei einen netten Zustupf verdienen – das tun immer mehr Leute, indem sie ihre Wohnung während ihrer Abwesenheit über die Buchungsplattform Airbnb vermieten. Was viele nicht wissen: Diese Einkünfte müssen versteuert werden. Und in den Touristenorten ist eine Kurtaxe fällig.

Zermatt setzt darum seit Kurzem Detektive ein, die säumige Anbieter auf der Plattform Airbnb ausfindig machen und zur Kasse bitten. Angestellt sind sie bei Zermatt Tourismus. Sie durchforschen die Airbnb-Website und schauen, ob alle der schätzungsweise 250 Anbieter registriert sind und die verlangte Kurtaxe bezahlen.

Zermatt kennen wie die eigene Westentasche

Laut Kurdirektor Daniel Luggen müssen die Detektive vor allem etwas sein: ortskundig. «Airbnb arbeitet nicht mit den offiziellen Adressen oder Häusernamen. Das macht es schwieriger», erklärt er. «Es braucht gewisse Kenntnisse der Örtlichkeiten, damit man weiss, um welches angebotene Objekt es sich handelt.»

Mit diesen Gebühren werden Infrastrukturen finanziert, die den Gästen wieder zugute kommen.
Autor: Daniel LuggenKurdirektor Zermatt

Wenn ein neues Hotel eröffnet, entgeht das kaum jemandem. Ganz anders ist das bei Airbnb-Anbietern: Sie kommen und gehen. Es ist schwierig, den Überblick zu bewahren. Und weil sie sich nicht immer von sich aus melden, entgeht den Tourismusbüros viel Geld in Form von Taxen:

«Mit diesen Gebühren werden Infrastrukturen finanziert, die den Gästen wieder zugute kommen. Wenn diese Gebühren nicht bezahlt werden, ist klar, dass es Fehlbeträge gibt. Und es ist auch nicht gerecht gegenüber den Vermietern, die diese Gebühr sauber abrechnen.»

Detektive wirken präventiv

Gemeint sind Hoteliers oder Besitzer von Ferienwohnungen. Airbnb-Anbieter, die nicht zahlen und in Zermatt von den Detektiven aufgespürt werden, bekommen eine schriftliche Mahnung. Gebüsst wird nicht, wie Kurdirektor Luggen sagt. Er beobachtet aber auch, dass die Detektive bereits präventiv wirken. Es habe sich im Dorf nämlich herumgesprochen, dass es solche Airbnb-Detektive gebe.

«Wir haben tatsächlich festgestellt, dass es mittlerweile sehr viele neue Vermieter gibt, die sich direkt bei uns melden. Das ist auch gut so», sagt Luggen.

Wichtig ist, dass alle gleich behandelt werden und nach den gleichen Spielregeln spielen.
Autor: Daniel LuggenKurdirektor Zermatt

Und was ist mit den Steuern? Auch für die Gemeinde Zermatt ist es schwierig, zu wissen, ob alle Airbnb-Anbieter ihre Nebeneinkünfte auf der Steuererklärung angeben. Hätte die Gemeindeverwaltung den Wissensstand der Airbnb-Detektive, wäre alles viel einfacher. Ein Informations-Austausch wäre sinnvoll, findet Luggen: «Wir prüfen das aktuell und wir haben dazu auch ein Projekt.»

Datenschutz steht Daten-Austausch im Weg

«Es geht darum, dass man das Inventar zusammenlegt, das Basis ist für unsere Tourismustaxen, aber auch für Gebühren wie Kehricht oder Wasser der Gemeinde, oder eben auch die Steuern. Das würde Sinn machen, um den administrativen Aufwand für beiden Organisationen entsprechend zu kürzen.»

Knackpunkt sei der Datenschutz, sagt der Kurdirektor. Wenn dieser den Informationsaustausch erlaube, könnte ein solcher schon ab 2018 stattfinden.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Es ginge auch anders: Tagestouristen zahlen für die Bergbahnen etc. mehr als Leute, die einen Übernachtungsausweis (Hotel oder Ferienwohnung) vorweisen können. Wäre ohne personellen Aufwand und DDR-Spitzeldienste machbar.
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    1. Antwort von Ueli von Känel (uvk)
      Jean-Philippe Ducrey: Nichtwissen schützt vor Strafe nicht! Vermieter, die der Oeffentlichkeit Geld vorenthalten, das dieser gehört, sollen entsprechend bestraft werden, dass es dann den Delinquenten finanziell auch wehtut. Die Gewinnsucht nicht weniger Leute verleiten zu Steuerhinterziehungen im weitesten Sinn des Wortes. Alle tragen eine öffentliche Verantwortung. Ohne Sozialstaat würde die Gesellschaft die Gefahr laufen, aus Profitsucht völlig zu degenerieren - in der reichen Schweiz.
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    2. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @von Känel: Sie haben schon begriffen, was mit dem Vorschlag (wird übrigens seit x-Jahren anstelle der Kurtaxe diskutiert) gemeint ist? Es geht darum, die Sache möglichst schlank zu halten ohne zusätzliches Personal, welches den existierenden, überbordenden Sozialstaat und damit den Steuerzahler finanziell belastet. Nebenbei erwähnt: Die Kurtaxe hat mit dem Sozialstaat nichts zu tun. Letztendlich kassieren die Tourismusbüros nebst der Kurtaxe auch noch dick Subventionen (vom Steuerzahler).
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    3. Antwort von Ueli von Känel (uvk)
      Herr Ducrey: In gewisser Hinsicht hat die Kurtaxe indirekt mit dem Sozialstaat zu tun. Die Feriengäste sind Teil der Kurgesellschaft. Zum grossen Teil mit recht grossem Portefeuille. Demnach haben sie dem Tourismusoffice auch einen Beitrag für die ganze Kurambiance abzugeben. M.W. müssen die Tourismusoffices zumindest zum Teil hart um ihre Existenz kämpfen.
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  • Kommentar von Markus Berner (Markus Berner)
    Die Kurtaxe ist eigentlich ein falsches Konzept: Die Touristenorte wollen ja Gäste. Besser wäre es, die Ferienwohnungen und Hotelzimmer mit einer Taxe zu besteuern - unabhängig, ob Gäste drin sind oder nicht.
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      Mal schauen, was Sie dazu sagen, wenn die Gemeinde Bülach auf einmal Ihr Bettsofa besteuert, weil darauf möglicherweise ein Gast schlafen kann.....
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  • Kommentar von Kurt E. Müller (KEM)
    Wow! Wenn das so weitergeht, haben wir statt weitgehend machtlose Beamte bald richtige Steuerfahnder wie in Deutschland. SVP, bleib wachsam! ;-)
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    1. Antwort von Heiner Zumbrunn (Heiner Zumbrunn)
      Wenn ich Sie, sehr geehrter Herr Kurt E. Müller, richtig verstehe, sind Sie der Meinung, dass die SVP Steuerbetrug und Gebührenklau propagiert und unterstützt? Oder sind Sie der Meinung, dass die SVP Steuersünder und Gebührenklauer mehr unterstützt? Auch Gemeinden mit SVP Räten benötigen Geld um die Gemeinde lebenswert zu erhalten. Geht gerne vergessen, beim allgemeinen Geschrei der SVP, was die Umsetzung einiger Grundlagensätze für Auswirkungen hätte, die nicht einmal SVP Fans möchten..
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