«Wir sind mit den minus 0,75 Prozent weit gegangen»

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält wie erwartet an ihrer bisherigen Geldpolitik fest und ändert nichts an den festgelegten Negativzinsen von -0,75 Prozent. SNB-Präsident Thomas Jordan erklärt die Beweggründe für diesen Entscheid.

Zu sehen ist SNB-Präsident Thomas Jordan im Anzug, stehend vor einer blauen Wand mit der Aufschrift "Schweizerische Nationalbank"

Bildlegende: Hält am eingeschlagenen Weg fest: SNB-Präsident Thomas Jordan Keystone

Thomas Jordan, Ihre Kernbotschaft in der heutigen Medienmitteilung ist erneut, dass der Schweizer Franken deutlich überbewertet ist. Trotzdem lassen Sie bezüglich Zinsen alles beim Alten. Warum eigentlich?

Unsere Geldpolitik ist bereits sehr expansiv, wir haben Negativzinsen von -0,75 Prozent und dazu die Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren. Beide Elemente sollen dazu beitragen, den Druck auf den Franken zu reduzieren und wir wollen jetzt – für den Moment – an dieser Geldpolitik festhalten.

Bezüglich der Negativzinsen existiert ja auch die These, dass der Spielraum nicht mehr gross ist, weil sie schon sehr tief sind – auch im internationalen Vergleich. Wollen Sie sich dort den verbliebenen Spielraum nicht schon jetzt vergeben?

Grundsätzlich schliessen wir keine Massnahmen aus, die notwendig werden könnten. Wir sind mit den -0,75 Prozent weit gegangen. Die Negativzinsen sind aber sehr wichtig und es ist klar: Alle Massnahmen der Geldpolitik weltweit haben natürlich auch Nebenwirkungen. Wenn man die Geldpolitik verändert, muss man immer alle möglichen Wirkungen betrachten, eine Kosten-Nutzen-Analyse machen und dann entsprechend entscheiden.

Teilweise wird gefordert, dass Sie eben diese Kosten-Nutzen-Rechnung öffentlich kommunizieren sollen. Haben Sie intern solche Rechnungen und warum tragen Sie die so wenig nach aussen?

Ich glaube, das ist eine falsche Wahrnehmung. Ich denke es ist überall bekannt, wie diese Instrumente wirken – die Negativzinsen sind für uns sehr wichtig. Wir müssen tiefere Renditen haben bei Frankenanlagen als beispielsweise bei Anlagen in Euro oder Dollar. Wenn wir das nicht hätten, wäre der Aufwertungsdruck auf den Franken viel grösser.

Auf der anderen Seite ist natürlich klar, dass tiefere Renditen für Sparer und Pensionskassen ein schwierigeres Umfeld darstellen. Man muss aber klarstellen: Die Negativzinsen sind nicht das Hauptproblem für die Sparer oder die Pensionskassen. Es ist das weltweit sehr tiefe Zinsniveau, und das existiert unabhängig von den Negativzinsen, die wir eingeführt haben.

Da sehen Sie also bei sich keinen Rechtfertigungs-Nachholbedarf, was den Nutzen von Negativzinsen angeht?

Nein. Ich glaube, wir sind hier sehr transparent – und ich denke, alle ökonomischen Modelle zeigen das. Wenn sich die Erwartung an die zukünftige Geldpolitik einer Zentralbank ändert, gibt es sofort Reaktionen beim Wechselkurs – da sieht man sehr deutlich, wie dieses Zinsinstrument wirken kann.

Das Gespräch führte Eveline Kobler.