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Wissenschaftler uneinig Wirtschaftswachstum und Energiewende – ein Widerspruch?

Ob gegenseitige Impulse oder Behinderung, einig sind sich die Wissenschaftler nur darin: Die Politik ist gefordert.

Legende: Audio Wissenschaftler uneins über die Folgen der Energiewende abspielen. Laufzeit 1:45 Minuten.
1:45 min, aus HeuteMorgen vom 04.10.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kann die Wirtschaft weiter wachsen, wenn die Schweiz die Energiewende schaffen und die Pariser Klimaziele erreichen will?
  • Diese Frage haben Wissenschaftler an einer Veranstaltung der Schweizerischen Energiestiftung am Dienstagabend kontrovers diskutiert.
  • Während die einen überzeugt sind, dass eine aktive Klimapolitik der Wirtschaft Wachstumsimpulse gebe, glauben andere, dass Wirtschaftswachstum den Klimaschutz behindere.
  • Einig waren sich die Forscher nur darin, dass zwar erste politische Schritte getan seien. Jetzt müssten weitere konkrete Massnahmen folgen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stiegen in der Schweiz Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch – vor allem derjenige von Erdöl – im Gleichschritt. Seit einigen Jahren versucht die Politik, die beiden Entwicklungen zu entkoppeln – mit gewissen Erfolgen.

Investieren in Entwicklung neuer Maschinen

Es sei aber noch mehr möglich, sagt Lucas Bretschger, Professor für Ressourcenökonomie an der ETH Zürich. Die Schweiz habe im Gegensatz etwa zu Schweden bisher noch keine grossen Anstrengungen in diese Richtung unternommen. In anderen Ländern zeigten sie jedoch schon Erfolge.

Bretschger sieht vor allem Potenzial im Zusammenwirken von Technologien und Wirtschaft. So förderte etwa die Entwicklung von Maschinen, die mehr produzierten und dabei weniger Energie verbrauchten, das Wachstum.

Vom stetigen Wachstumswillen wegkommen

Skeptischer zeigt sich Irmi Seidl, Professorin für Umweltökonomie an der Forschungsanstalt WSL. Es sei grundsätzlich falsch, dass die Politik Wirtschaftswachstum über alles setze.

«Wir zersiedeln und verbauen das ganze Land, vor allem um Wirtschaftswachstum hervorzubringen. Unsere Massnahmen, um Wirtschaftswachstum hervorzubringen, sind wenig wirksam und haben grossen ökologischen Impakt.»

Weitere politische Massnahmen nötig

Einig sind sich die bei den Wirtschaftswissenschaftler darin, dass die Politik gefordert ist. Mit der Energiestrategie 2050 und der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens seien die ersten Schritte gemacht.

Jetzt müssten weitere konkrete Massnahmen folgen, damit die Kurve des Energieverbrauchs künftig eindeutig nach unten zeigt. Wie sich das auf das Wirtschaftswachstum auswirkt, bleibt umstritten.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Die Schweizer Energiewende ist ja wie die Deutsche völliger Mumpitz, weil sie vorallem vom Atomausstieg geprägt ist und von Leuten propagiert wird, die unfähig sind, vernetzt zu denken. Deutschland versenkt jedes Jahr 30 Milliarden, zerstört ganze Landstriche und stösst massiv mehr CO2 aus. Eine richtige Energiewende würde auf Kernenergie basieren, wäre massiv günstiger zu haben. Allein die Deutschen Windräder haben 3x mehr Lebensraum vernichtet, als Tschernobyl und kosten mehr als Fukushima.
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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Was machen eigentlich all die Wirtschaftswissenschaftler, sie müssten doch an vorderster Front neue Modelle entwickeln und die Politik überzeugen. Die Wirtschftsmodelle müssten vielseitiger sein so oder so. Geld nur durch Arbeit zu verdienen ist völlig veraltet. Ich glaub wir sind 50 Jahre zurück wenn es um Struktuprobleme geht.
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  • Kommentar von Tim Buesser (TimBue)
    Anschub-Finanzierungen durch Staat können nur in gestimmtem Sektor vorübergehend Wachstum beschleunigen, aber nie zu nachhaltigem Wachstum der ganzen Wirtschaft führen. Bei Energiewende spricht man schon seit 15 Jahren von "Anschubfinanzierung", in Tat und Wahrheit sind das auf Pump finanzierte lebenserhaltende Subventionierungen der ineffizientesten aller Energiegewinnungen. Heutige KEV Abgaben finanzieren allein nur vor Jahren gemachte Versprechungen, die damals zu Investitionen geführt haben.
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