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WM in Russland Wandern die Spiele ins Internet ab?

Übertragungsrechte sind teurer geworden. So teuer, dass öffentlich-rechtliche Sender bald nicht mehr mithalten können.

2,4 Milliarden Dollar nimmt der Weltfussballverband Fifa bei der diesjährigen Fussball-WM in Russland mit Ausstrahlungsrechten weltweit ein. Fast zwanzigmal mehr als noch vor zwei Jahrzehnten bei der WM in Frankreich.

Fernsehrechte sind also massiv teurer geworden. So teuer, dass öffentlich-rechtliche Sender wie die SRG für die Ausstrahlung in ihrem jeweiligen Land bald nicht mehr mitbieten können. Das sagt Berthold Heil. Als Inhaber der österreichischen Beratungsfirma Convergent Media Consulting kennt er sich mit der Sportvermarktung aus: «Insbesondere in Europa scheinen die Bewerber momentan an einer Preisobergrenze angelangt zu sein.»

World Cup Stadion in Kaliningrad
Legende: Das grosse Geschäft mit der WM: Übertragungsrechte werden immer unbezahlbarer. Keystone

Dies bestätigt auch Roland Mägerle, Sportchef der SRG. Die finanziellen Mittel seien begrenzt. Es sei deshalb möglich, dass die SRG ab 2026 nur noch einen Teil der WM-Spiele zeigen könne. Dazu gehörten sicher die Spiele der Schweizer Nationalmannschaft, denn diese müssen sowieso im Free-TV gezeigt werden.

Ausweichmöglichkeit Streamingplattform

«Auch Finalspiele sind für ein breites Publikum gedacht», sagt Mägerle. «Bei 80 Spielen könnte ein Modell so aussehen, dass nur noch ein Teil der Spiele im Free-TV zu sehen sein wird.» Die übrigen Spiele würden anders vermarktet.

Zum Beispiel direkt im Internet über neue Anbieter, erklärt Hans Willy Brokes, Geschäftsführer der europäischen Sponsoringbörse. «Während früher öffentlich-rechtliche Sender als einzige die breite Bevölkerung erreichten, können das Streamingplattformen heutzutage genauso gut. Da ist es logisch, dass sich neue Kanäle bilden werden, auf denen man WM-Spiele sehen wird.»

Die Zuschauer würden also auch in Zukunft die Spiele irgendwo gratis sehen können – finanziert durch Werbung, aber nicht mehr wie gewohnt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, so Brokes.

Fifa lässt sich nicht in Karten blicken

Und was sagt die Fifa dazu, die ja mit den Ausstrahlungsrechten möglichst viel Geld verdienen will? Sie gibt sich bedeckt: Auf Anfrage schreibt sie, sehr allgemein: Die Einnahmen würden sicher eine Rolle spielen, aber es gehe auch darum, dass möglichst viele Leute die Spiele sehen könnten.

Der Weltfussballverband hat es also in der Hand. Entscheidet er sich für mehr Einnahmen, werden wohl ab der WM 2026 nicht mehr alle Spiele im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen sein.

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33 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Einen Vorteil hätte die Verlagerung der Uebertragung von grossen, teuren Sportanlässen auf Private und Pay-TV. So würden einerseits noch mehr Public Viewings und andererseits private WM-Studios im Freundeskreis entstehen und die Leute wieder einmal etwas näher zueinander bringen.
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
      Herr Dudle, das mag in Spanien und Italien funktionieren, wo man Menschen die nichts Konsumieren können weil sie arm sind, dennoch lässt eine Fußballpartie schauen, ja sogar auf Wunsch ein Glas Hahnenburger bringt, aber in der Schweiz? Das wäre nur für Menschen die sich das Leisten können und das kann nicht jeder, denn in der Schweiz hat Geld immer noch ein hohen Stellenwert, darum lachen alle auf den Straßen und im Zug, weil viele mit ihrem Reichtum so glücklich sind!
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  • Kommentar von Fabian Wedu (Faebu)
    "Die Zuschauer würden also auch in Zukunft die Spiele irgendwo gratis sehen können". Heute sehen wir die Spiele auf SRF nicht gratis - wir bezahlen dafür Gebühren (was auch in Ordnung ist)
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  • Kommentar von Jürg Häusermann (Ebenda)
    SRF erhält von ALLEN Haushalten Gebühren. Es soll somit die Gebühren möglichst fair für alle Anspruchsgruppen einsetzen. Einschaltquoten sind wohl die adequatesten Messgrössen.
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Einschaltquoten zählen allein die Apparate, aber nicht die davor sitzenden Zuschauer. Das macht die Einschaltquote zu einer nicht adäquaten Messgrösse.
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