ZKB-Chefökonom: «Das Vertrauen in die Banken steigt»

Die EZB liess die Katze aus dem Sack: 25 Banken bestanden den Bankenstresstest nicht. «Das Ergebnis ist im Rahmen der Erwartungen», sagt ZKB-Chefökonom Anastassios Frangulidis zu SRF.

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Einschätzung von Anastassios Frangulidis

6:26 min, vom 26.10.2014

Von den 25 Banken konnten bereits deren 12 ihre finanzielle Situation wieder verbessern. Bleiben also 13 Geldinstitute übrig, die nun Kapital auftreiben müssen, um ihre Kernkapitalquote zu verbessern. Diese Banken müssten nun versuchen, aus eigener Kraft auf dem Kapitalmarkt Geld aufzutreiben, erklärt Anastassios Frangulidis. Er ist Chefökonom der Zürcher Kantonalbank.

Die Banken haben nun zwei Wochen Zeit, Pläne vorzulegen, wie sie ihre Kapitallöcher wieder stopfen wollen. Danach würde den Banken sechs bis neun Monate gewährt, um das nötige Kapital aufzutreiben. Es brauche so viel Zeit für die Rekapitalisierung, weil die Bankenleitung-Chefs schliesslich auch ihre Aktionäre vom Plan überzeugen müsse, sagt Frangulidis.

«  Im Fall der spanischen und griechischen Banken wird eine Rekapitalisierung der Banken gelingen. Bei den italienischen Banken wird es schwieriger sein. »

Anastassios Frangulidis
ZKB-Chefökonom

«Gelingt dies nicht, müssen die nationalen Behörden, also die Nationalbank, allenfalls ein Darlehen zur Rekapitalisierung gewähren», erklärt Frangulidis weiter. Wenn dies auch nicht gelinge, dann käme als letzte Möglichkeit der Europäische Rettungsschirm zum Tragen.

Frangulidis rechnet damit, dass im Fall von den spanischen und griechischen Banken eine Rekapitalisierung gelingen werde. Die Mittel seien vorhanden und daher sei es realistisch. Der europäische Steuerzahler werde somit kaum in die Tasche greifen müssen.

Im Fall der italienischen Banken werde es dagegen schwieriger sein, befürchtet der ZKB-Chefökonom. Allein die «Monte dei Paschi di Siena» benötigt gut 2,1 Milliarden Euro. Hier rechnet Frangulidis damit, dass die nötigen Mittel nicht gefunden werden. Somit könnte es zu einer Konsolidierung auf dem italienischen Bankensektor kommen.

Harter Test der Transparenz schafft

Der ZKB-Mann gibt der EZB gute Noten für die Durchführung des Stresstests. «Es zeigt sich, dass es echte Stresstests gewesen sind», betont Frangulidis. Es seien schwierige konjunkturelle Szenarien simuliert worden und nun habe man Transparenz geschaffen. «Dies erhöht auch das Vertrauen in den Bankensektor, was eine gute Nachricht ist.» Der Bankenstresstest habe auch gezeigt, dass die Banken nicht so schlecht kapitalisiert sind wie befürchtet. Und auch das sei positiv zu bewerten.

Mit dem nun publizierten Fitnesscheck sei eine Unsicherheit weg. Dies wirke sich sicher auch positiv auf den Aktienmarkt aus. Davon ist Frangulidis überzeugt. Er rechnet damit, dass die Märkte am Montag positiv in den Tag starten werden.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • EZB veröffentlicht Ergebnisse des Banken-Stresstests

    Aus Tagesschau vom 26.10.2014

    Die Europäische Zentralbank und die Europäische Bankenaufsicht haben erstmals die Ergebnisse zu einem umfassenden Stresstest von europäischen Banken veröffentlicht. Noch nie wurden in der EU die Banken so durchleuchtet. 25 der 130 getesteten Banken sind durchgefallen.

  • EZB-Gebäude im Bau in Frankfurt

    Stresstest: 25 Banken fallen durch

    Aus Echo der Zeit vom 26.10.2014

    Die Mehrheit der 130 geprüften europäischen Banken besteht den Stresstest der EZB. Doch vor allem bei Instituten in Italien und Griechenland klaffen noch Kapitallücken. Insgesamt fehlen im Euroraum 25 Milliarden Kapital, um für den Krisenfall gewappnet zu sein.

    Oliver Washington und Eveline Kobler

  • Passanten vor der Bank Monte dei Paschi in Siena

    Italiens Zitterbanken

    Aus Echo der Zeit vom 26.10.2014

    Kein Land in Europa hat soviele Banken, die im Krisenfall ein Kapitalisierungsproblem hätten, wie Italien. Neun italienische Geldhäuser fallen beim EZB-Stresstest durch. Was heisst das für Italiens Finanzsystem?

    Massimo Agostinis