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15 Jahre und 4400 Geschichten Die 12 besten «Morgengeschichten»

Zahlreiche Autorinnen und Autoren haben zwischen 2006 und 2021 rund 4400 Geschichten verfasst und selber erzählt – wer, wenn nicht sie, könnte die besten Geschichten herauspicken? Hören Sie hier die Favoriten der Autorinnen und Autoren der letzten Staffeln.

  • Guy Krneta: «Ich habe genug»

    Morgengeschichten waren für mich eine Möglichkeit, verschiedene Formen des Erzählens auszuprobieren. Die Knappheit, das Kompakte gefielen mir und es erinnerte mich an Lieder. Einige Male habe ich versucht, Lieder ohne Musik zu schreiben, eine Geschichte in Wiederholungen und Refrains zu erzählen. «I ha gnue» ist ein Text, der mir manchmal aus der Seele spricht. Endlose Selbstoptimierung, endlose Effizienzsteigerung führen, meine ich, in die Katastrophe. Mir gefallen Figuren, die sich dieser Entwicklung in den Weg stellen.

  • Christoph Simon: «Ämtliplan»

    Als Inspiration hatte ich den Satz von einer Freundin, die verzweifelt ausgerufen hat: «Wie oft muss ich es meinem Buben noch sagen: Socke a d Füess vorem Schueh aalege!» Daraus wurde dann die Story «Ämtliplan». Der Linus macht nicht, was er gemäss Ämtliplan muss. Dafür macht er viel anderes. Schöneres, Zauberhafteres. Mir gefällt die Geschichte immer noch, weil sie mir Trost spendet. Wir kennen wohl alle das eigene schlechte Gewissen, wenn man Tagespläne und Ämtlipläne nicht erfüllt, und dazu die gesunde, trotzige Reaktion, dass ein geglückter Tag viel mehr ist als eine erfüllte Strichli-Liste.

  • Ralf Schlatter: «Guet»

    Auf meine Geschichte «Guet!» erhielt ich die wohl aussergewöhnlichste Anfrage meines Lebens: Eine 84jährige Dame aus Bern wünschte sich, dass ich diese Geschichte an ihrer Abdankung vorlese. Natürlich versprach ich ihr das und hoffte gleichzeitig, dass es noch lang gehen möge bis dahin. Es entwickelte sich eine wunderschöne Bekanntschaft, mit regem Mail-Austausch und herzlichen Begegnungen, sie kam zu unsern Kabarettvorstellungen und meinen Lesungen. Ende letzten Jahres dann das Unvermeidliche: sie starb. Und ich fuhr nach Bern und kam meiner schmerzlichen, aber auch tröstenden Pflicht nach.

  • Julia Weber: «D’Mueter»

    Diese Geschichte hat mich beim Lesen selbst am meisten berührt, die ist mir sehr nah. Und ich habe privat viele schöne Reaktionen erhalten. Insbesondere die Freude meiner Mutter. Ich glaube, viele Menschen, auch viele ganz seriöse und gut im Leben stehende, wünschen sich, manchmal wieder ein Kind sein zu können, all die Verantwortung abzugeben und den Kopf auf die Beine der Mutter zu legen.

  • Elisabeth Zurgilgen: «Blaue Zeit»

    Man schreibt eine Geschichte, erzählt sie am Radio und legt sie dann beiseite, denn sie hat ihre Aufgabe erfüllt. Manche Geschichten spuken aber weiter im Kopf herum und geben so lange keine Ruhe, bis man sie noch einmal erzählt, und dann noch einmal und dann noch einmal anders. So ging es mir mit dieser Geschichte, die ich an beinahe jeder Lesung erzählt habe und die in meinem ersten Roman «Kein Land für alte Frauen» sogar einen wichtigen Platz einnimmt.

  • Ferruccio Cainero: «Glühwürmchen»

    Ich habe so viele Morgengeschichten geschrieben, dass ich den Überblick verloren habe. Welche soll ich auswählen? Ich lasse den Zufall entscheiden. Der Zufall hat mich vor vielen Jahren Geschichtenerzähler werden lassen. Per Zufall bin in die Schweiz gekommen, per Zufall habe ich mich verliebt. Ich habe drei Kinder, die zufällig alle gut geraten sind. Ich lasse den Zufall gewähren, er hat es immer gut mit mir gemeint. Ich danke dir, Zufall!

  • Carol Blanc: «Wohäre überhoupt»

    In der Geschichte «Wohäre überhoupt» geht es um Neuorienterung, und das passt perfekt zum Finale der Morgengeschichten, denn ein Ende ist ja auch immer der Anfang von etwas Neuem. In diesem Fall ganz besonders: «Wohäre überhoupt» ist die Titelgeschichte meines Morgengeschichten-Buchs, das im April erscheint. So geht es also weiter. Bin gespannt, wohin!

  • Linard Bardill: «Ein historischer Schlitten»

    Ich habe die erstbeste Morgengeschichte genommen, die mir aus dem Computer sprang. So wie Bibelstechen. Man nimmt eine Stricknadel, steckt sie in die Schrift und liest den Text, der da steht, wie ein kleines Orakel. Keine Angst, ich habe nicht auf den Computer eingestochen. Die Maus war scharf genug, um in den über zweihundert Texten diese eine Geschichte zu finden. Ich hab das so gemacht, weil ich mich nie für eine bestimmte Geschichte hätte entscheiden können. Es ist wie mit den eigenen Kindern: Jedes hat etwas für sich und man zieht keines dem andern vor. Und doch: als ich die zufällig von der Computermaus ausgewählte Morgengeschichte las, kam es mir vor, als wäre sie tatsächlich die beste.

  • Paul Steinmann: «Kuss»

    Ich habe in der Gemüse- und Früchte-Abteilung eines Supermarktes eine ältere Frau beobachtet, die längere Zeit vor dem Gestell mit den Karotten stand. Ich denke, sie weiss nicht, welche und wie viele Rüebli sie nehmen soll, als ich bemerke, dass sie lächelt. Ich habe mir dann überlegt, warum die Frau so glücklich aussah, und so ist die Geschichte entstanden, die ich an Lesungen immer wieder gerne vortrage.

  • Pedro Lenz: «Begleiterin»

    Mir gefällt die Geschichte, weil sie aus einer vollkommen alltäglichen Situation fast schleichend ins Surreale abgleitet. Bei den Morgengeschichten hat es mich jeweils interessiert, das Abnormale im Normalen zu suchen. Wenn auch eine humorvolle Komponente dabei aufblitzte, war es umso besser. Allerdings habe ich stets versucht, eine Balance zwischen leichter Heiterkeit und Tiefgründigkeit zu finden, ohne kompliziert zu werden und ohne den Plot zu überladen. Bei der Geschichte vom Frühstücksraum im Hotel sind diese Vorgaben so umgesetzt, dass ich sie auch nach Jahren noch gerne höre.

  • Dominik Muheim: «Praktische Haustiere»

    Das ist die Geschichte, auf die ich die meisten Reaktionen erhalten habe. Aktuelle Geschehnisse in den Texten zu verarbeiten, ist ja nicht die Idee dieses Formates. Zwischen dem Schreibprozess und der Ausstrahlung liegen meistens mehrere Wochen. Hier ist es aber perfekt aufgegangen. Meinen Kompostwürmern geht es nach wie vor gut und sie haben mittlerweile auch weitere politische Prospektli zu Humus verarbeitet. Praktisch. Diese Geschichte finden Sie auch in meinem Morgengeschichten-Buch, das soeben beim Knapp-Verlag erschienen ist.

  • Hugo Rendler: «Von Bären und Eichhörnchen»

    Die Begründung, warum gerade diese Geschichte? Sie gefällt mir. Ich mag sie sehr, sehr gerne. Ein bisschen geht es da um Identität, wie in vielen Morgengeschichten, und vor allem um Sprache ... ja, die ist mir auch wichtig.

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