Zum Inhalt springen

Radio SRF 1 Beginnt mit TiSA der Ausverkauf der öffentlichen Grundversorgung?

Hinter dem Begriff «TiSA» steckt ein Abkommen, das den freien Handel mit Dienstleistungen regeln soll. Auch die Schweiz sitzt am Verhandlungstisch. Kritiker des Abkommens befürchten, dass mit TiSA der Ausverkauf des Service public beginnt – zu Recht? Wie betrifft uns TiSA im Alltag?

Legende: Audio «Forum»: Die Sendung zum Nachhören abspielen. Laufzeit 54:56 Minuten.
54:56 min, aus Forum vom 15.12.2016.

Vermutlich ist Ihnen der Begriff «TiSA» auch schon begegnet. Mit TiSA (Trade in Services Agreement) sollen private Unternehmen Zugang zu den Dienstleistungsmärkten anderer Länder bekommen. Das heisst zum Beispiel: Wenn eine Schweizer Firma eine Maschine ins Ausland verkauft, soll sie auch die Möglichkeit haben, diese dort ohne bürokratische Hürden warten zu können. Ein Schweizer Mechaniker müsste im Ausland gleich behandelt werden wie ein einheimischer Mechaniker.

Wie betrifft uns das TiSA-Abkommen im Alltag?

Sieben von zehn Jobs in der Schweiz sind im Dienstleistungssektor. In der Sendung «Forum» versuchten wir, das komplexe Freihandelsabkommen zu verstehen: Wie betrifft uns TiSA im Alltag? Welche Chancen und Risiken bestehen für unser Land? Die Experten im Studio:

Porträt von Jan Atteslander
Legende: Jan Atteslander Leiter Aussenwirtschaft Economiesuisse zvg
Beim Handel mit Dienstleistungsangeboten ins Ausland haben wir in der Schweiz ein grosses Potential für neue Einkommens-möglichkeiten und neue Jobs. Darum ist TiSA wichtig für unser Land.
Porträt von Stefan Giger.
Legende: Stefan Giger Generalsekretär VPoD Keystone
Der ganze Service public ist von TiSA betroffen. Die Swisscom und die Post müssten mit TiSA vermutlich vollständig privatisiert werden.
Porträt von Charlotte Sieber-Gasser.
Legende: Charlotte Sieber-Gasser Expertin für Dienstleistungsabkommen, Senior Researcher an der Uni Luzern zvg
Dienstleistungen bedingen eine Interaktion zwischen Menschen und lassen sich weder anfassen noch einfach abgrenzen von anderen Arbeiten. Das macht Dienstleistungsabkommen kompliziert.

Das sagen die Kritiker

TiSA habe eine enorme Auswirkung auf unseren Alltag, sagen Kritiker. Sie befürchten, dass mit dem Abkommen alle Dienstleistungen privatisiert würden: von der Abfallentsorgung über das Gesundheitswesen bis hin zur Bildung. Wenn ein Unternehmen aus Deutschland in der Schweiz eine Privatschule gründen wolle, müsse diese von der öffentlichen Hand genau gleich unterstützt werden wie eine öffentliche Schule.

Das sagen die Befürworter

Diese Behauptung sei falsch, sagen die Befürworter des Abkommens. In den TiSA-Verhandlungen sei jedes Land frei, die Verpflichtungen einzugehen, zu denen es bereit sei. Es sei wichtig für unser Land, dass wir Dienstleistungen exportieren können. Die öffentliche Grundversorgung, den Service public, klammere die Schweiz aber bewusst von TiSA aus.

TiSA-Verhandlungen vertagt

Eigentlich hätte TiSA bis zum Jahresende verabschiedet werden sollen. Nun wurde das umstrittene Freihandelsabkommen jedoch auf unbestimmte Zeit vertagt. Die Verhandlungen sollen im kommenden Jahr wieder aufgenommen werden.

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Ich habe das Forum zum Thema gehört. Was mich u. a. beschäftigt, ist, dass wenn eine ausländische Firmad bei mir einen Auftrag erfüllt, den hohen Schweizer Lohn erhält. Erfüllt eine Schweizer Firma einen Auftrag im Ausland, wird sie zu dortigen Bedingungen entlöhnt, ist also im Nachteil. Es ist zu erwarten, dass die Schweiz als Hochlohnland ein gefragter Player ist und regelrecht von ausländischen Firmen überhäuft wird. Und dieser ständige Austausch wäre auch nicht gerade umweltfreundlich.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Stefanie Glauser (steffiglauser)
    Da steuern wir ja goldigen Zeiten entgegen! Ich stell mir das vor wie in der Textilindustrie. Da schuften die Frauen in Bangladesh 100 Std. pro Woche für 1 $ pro Tag bis zum umfallen. Dasselbe wird bei den Dienstleistungen geschehen. Wir bezahlen dann die CH-Preise und dazwischen zocken einige wenige Personen + Firmen gewaltig ab. wegen des starken Gefälles zwischen den Ländern kann das nie fair ablaufen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Roland Zbinden (MediaEye6465)
    #Ceta, #Tisa #Ttipp etc, sind alles Produkte des #Globalisierungswahns und des Irrtums mit #PPP (PublicprivatePartnership) und müssen UNBEDINGT verhindert werden; auch weil sie auf #Azsbeutung und #Diskriminierung beruhen !!! Das selbe gilt auch für #GVO (Gentech) produkte und Anwendung von #Glyphosath (Roundtrip)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen