Zum Inhalt springen

Radio SRF 1 Die Diskussion im «Forum»: Ist dem Kosovo noch zu helfen?

Zehntausende Kosovaren haben in den letzten Monaten ihr Land verlassen. Einige von ihnen kommen illegal in die Schweiz. Was ist los im Kosovo? Wie soll die Schweiz vor Ort helfen? In der Sendung diskutierten Schweiz-Kosovaren, SRF-Südosteuropa-Korrespondent Walter Müller und Hörerinnen und Hörer.

Legende: Audio ««Forum»: Die ganze Sendung zum Nachhören» abspielen. Laufzeit 57 Minuten.
57 min, aus Forum vom 16.04.2015.

Seit sieben Jahren ist der Kosovo unabhängig. Die Schweiz investiert jährlich 65 Millionen Franken in den jungen Staat. Das Geld fliesst in Entwicklungsprogramme und in den Swisscoy-Einsatz zur Friedensförderung. Trotzdem: Im Land ist Korruption immer noch weit verbreitet und fast die Hälfte der Bevölkerung ist arbeitslos.

In den letzten Monaten kam es zu einem Massenexodus: Etwa 50'000 Kosovarinnen und Kosovaren haben Haus, Schule oder Arbeit zurückgelassen und sind per Bus über Ungarn nach Westeuropa abgereist. Die meisten gehen nach Deutschland, Österreich oder Italien. Einige hundert Menschen landen in der Schweiz. Chancen auf Asyl haben sie keine. Sie schlagen sich illegal durch.

Hauptproblem Korruption

Walter Müller, Südosteuropa-Korrespondent von Radio SRF, sieht in der Korruption das Hauptproblem im Kosovo. Diese sei insbesondere bei Staatsaufträgen gravierend: «Bei öffentlichen Ausschreibungen ist es normal, dass Beamte ihre Provision einsacken.»

Müller hält nichts von weiteren Räten und Kommissionen, die sich mit der Korruption auseinandersetzen. Jetzt müsse man im Kosovo handeln: «Diskussionsrunden gab es zur Genüge. Jetzt gilt es, das Gesetz anzuwenden, anzuklagen und auch zu verurteilen.» Genau das geschehe aber nicht.

«Die Solidarität hat sich verändert»

Wie reagieren die Kosovaren, die legal in der Schweiz wohnen, auf den Exodus und die momentane Situation im kleinen Balkan-Land? Die Solidarität in der kosovarischen Diaspora habe sich in den letzten Jahren verändert, sagt Përparim Avdili. Er kam als Baby in die Schweiz. Heute ist er Mitglied der FDP und Teamleiter Anlagebuchhaltung bei der UBS in Zürich. «Die Bereitschaft zu helfen ist nach wie vor gross, aber sie geschieht auf konkreterem Weg», sagt er. Heute schicke man nicht mehr einfach Geld in den Kosovo, wie es die Eltern noch getan hätten. Vielmehr würden Diaspora-Gruppen etwa vor Ort in Dörfern Infrastruktur aufbauen helfen.

Den Solidaritätswandel bemerkt auch Ylfete Fanaj. Sie kam mit neun Jahren in die Schweiz und ist heute Sozialarbeiterin und SP-Kantonsrätin im Kanton Luzern. Sie sieht folgende Gründe, warum sich die Solidarität gewandelt hat: «Früher ging es ums nackte Überleben. Jetzt gibt es einen eigenständigen Staat Kosovo und damit von Seiten der Diaspora die Erwartungshaltung, dass jeder für sich selber schauen muss.» Die Bereitschaft, illegale Flüchtlinge aufzunehmen, sei heute geringer als in den 1990er-Jahren. Kosovaren hätten sich in der Schweiz auch etwas erarbeitet, das sie nicht riskieren wollen.

Soll die Schweiz die Hilfe im Kosovo verstärken oder bringt das nichts?

Während die einen in der Online-Diskussion gerne die Kosovaren selbst in die Pflicht nehmen würden, schlagen andere Hörerinnen und Hörer konkrete Massnahmen vor, wie die Schweiz den Kosovo unterstützen kann. Dabei steht die Förderung von Bildung, Wirtschaft und politischer Stabilität im Vordergrund – Apsekte, die auch die drei Gäste im Studio als zentral für die Stärkung des Landes und den Kampf gegen die Korruption erachten.

In Form von Pilotprojekten und einfachem Erfahrungsaustausch in Sachen Berufsbildung können wir Unterstützung leisten. Das Interesse ist da, und wenn wir etwas strukturieren helfen und die willigen Kräfte im Kosovo mit kleinen Erfolgserlebnissen wieder zu Selbstvertrauen führen, dann kann da wieder ‹etwas wachsen›!
Autor: Bruno GeigerInwil
Die Schweiz sollte Projekte finanzieren, um politische Stabilität zu fördern. Sie könnte ein wirtschaftliches Konzept anbieten, das dem Kosovo eine klare Perspektive gibt. In diesem Sinne könnte zum Beispiel eine Mitgliedschaft Kosovos in der EFTA ein spannender Ansatz sein.
Autor: Roman OeschgerBüren

Gesucht: Weg aus der Isolation

Die Korruption ist im Kosovo ein grosses Problem. Daher stellt sich die Frage: Fallen die Entwicklungsprojekte, die im Land laufen, auf fruchtbaren Boden oder braucht es zuerst einen politischen Wechsel? Der politische Mentalitätswechsel sei wichtig, sagt Walter Müller. «Es gibt aber auch gute Beispiele, wie man im Kosovo investieren kann.» Wichtig sei, dass der Kosovo möglichst bald aus der Isolation herauskomme.

74 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von G. Corti, Basel
    Richtig wäre, wenn die Kosovaren in ihre befriedete Heimat zurückkehrten, um mit ihrem hier erworbenen Wissen beim Aufbau mitzuhelfen. Sie betonen ja stets, wie stolz sie auf ihre Kultur und ihre alb. Wurzeln sind. Wenn sich diese stark vermehrende Diaspora noch mehr vergrössert, droht langfristig die Schwächung der Gastgeber durch die Aufgenommenen und eine Islamisierung (siehe auch Überbordwerfen von christlichen Flüchtlingen durch moslemische im Mittelmeer). Dank/Konsens=für sie Fremdwort!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Arta Axhiu, Prishtine
    Ich bin eine von denen die 3 Jahre in der Schweiz verbrachte. Ich kann dir sagen ich bereue jede Sekonde die ich dort verbracht habe. 3 Jahre lang in ein Heim zu leben, mit dem Geld dass wir bekammen, war die Hohle fur mich. Jedoch, konnte meine Mutter, die alleine mit zwei Kindern war, nicht fruher her kommen, da mein Vater vermisst wurde, mein Onkel und Grossvater getotet wurden, unsere Hauser und ihr Business verbrannt wurde. Was glaubst du konnte sie den damals tun, alleine mit uns beiden?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von eko politen, prizren
    In dieser debatte an diesem abend war der walter mueller der konkrete vorschlaege gebracht hatt die anderen 2 secondos wie die heisen haben keine ahnung aber uerhaupt keine ahnung,wie mann dem kosovo helfen kann,die zwei sollten sich mit kosovo problemen mehr beschaefftigen und nicht in kosovo in den ferien kommen und sich alls turist herumschleichen,wenn mann von meine wurzeln kommen aus kosovo spricht sollte mann auch eine ahnugng von seinen wurzeln haben,mein damen und herren secondos.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen