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Diskutieren will gelernt sein!
Aus Input Story vom 12.02.2020.
abspielen. Laufzeit 20:52 Minuten.
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Es lebe die Diskussionskultur Gekonnt kontern! So diskutieren Sie richtig

Zu einer funktionierenden Demokratie gehört die Diskussion, das Argumentieren und das Zuhören. Fünf weitere Tipps für eine gepflegte Diskussion.

Tipp 1: Nicht immer recht behalten wollen

Mit jemandem Diskutieren bedeutet nicht, dass die eigene Meinung bereits von Anfang an feststeht. Eine Meinung soll im Laufe des Gesprächs modifizierbar sein. Die Diskussionspartner sollen offen sein für Neues. Es gibt doch nichts Schöneres, als mit einer neuen, anderen Meinung vom Tisch zu gehen.

Tipp 2: Argumente der Gegenseite wiederholen

Oft kommt einem beim Diskutieren ein Redeschwall entgegen. Dieser beinhaltet ganz viele Argumente, vermischt mit Meinungen, Gefühlen und Emotionen. Um das zu ordnen, hilft es, die Argumente des Gegenübers zu wiederholen. «Also, wenn ich dich richtig verstanden haben, sagt du, dass...». Das hilft einem selber, gut zuzuhören und die andere Person besser zu verstehen. Diese wiederum fühlt sich ernst genommen.

Warum ist das Diskutieren wichtig?

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Romy Jaster ist Gründerin und Leiterin des Forums Streitkultur sowie Dozentin am Institut für Philosophie der Humboldt-Universität (HU) zu Berlin. Sie beschäftigt sich mit Willensfreiheit, Fähigkeiten, Fake News und konstruktivem Diskurs. Sie sagt, warum diskutieren wichtig ist:

  • Andere Positionen kennenlernen
  • Seinen eigenen Tellerrand überwinden
  • Gegenseite überzeugen um Mehrheiten zu generieren (z.B. in einer Demokratie)
  • Jemand besser verstehen
  • Diskutieren ist ein ideales Übungsfeld, um geradeaus zu denken, andere Argumente besser zu verarbeiten.
  • Eine Diskussion hilft, sein eigenes Überzeugungssystem zu überprüfen: Wie gut begründet sind meine Argumente überhaupt?

Tipp 3: Gemeinsamkeiten herausschälen

Oft ist man sich in einer Diskussion näher, als man glaubt. Warum dies also nicht ansprechen? Zum Beispiel so: «In diesem Punkt sind wir uns einig. Auch das andere Argument finde ich plausibel und wichtig» etc. Erst in einem weiteren Punkt über die Punkte diskutieren, bei denen man sich nicht einig ist. Die deutsche Argumentationstrainerin Romy Jaster sagt sogar, dass man Tipp 3 und 4 in einem Gespräch möglichst oft wiederholen soll. Das helfe, bei einer Diskussion den Überblick zu behalten.

Tipp 4: Tröpfchenweise Argumentieren

Wenn man weiss, dass beim heutigen Besuch der diskussionsfreudige Onkel am Tisch sitzen wird, der gerne über Greta Thunberg diskutiert, hilft es, vorgängig einige Pro/Contra-Argumente über das Thema zu sammeln. Diese Argumente sollten beim Gespräch aber nicht sofort auf den Tisch gelegt werden. Da behält kein Mensch mehr den Überblick. Besser ist es, tröpfchenweise mit guten Argumenten zu punkten.

Diskutieren in den sozialen Medien: Eher schwierig

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Twitter & Co. eignen sich eher nicht für gute Diskussionen. Prof. Dr. Katja Rost vom soziologischen Institut der Universität Zürich rät darum ab, sich in den sozialen Medien auf Diskussionen einzulassen: «Der Augenkontakt, Stimme und Gestik fehlen. Kommt hinzu, dass die sozialen Medien asynchron sind. Man muss die Reaktion jeweils erst abwarten. Das kann Verwirrung stiften».

Tipp 5: Nicht konstant Studien zitieren

Studien sind gut und recht, wenn man weiss, dass sie «verheben». Also dass die Quellen seriös sind und dass die Zahlen stimmen. Und sie muss wissenschaftlich überprüft worden sein. Es bringt nichts, bei einer Diskussion übers Rauchen eine Studie eines Zigarettenherstellers zu zitieren.

Grundsätzlich aber gilt: Studien sind während einer Diskussion selten überprüfbar. Darum bringen oft vage Zitate solcher Studien wenig.

Video
Laura de Weck und Romy Jaster: Wir müssen reden
Aus Sternstunde Philosophie vom 06.01.2019.
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Oder hören wir einfach zu wenig zu?

Wären unsere Diskussionen besser, wenn wir uns wieder besser zuhören würden? Was ist Ihre Meinung?

Video
Müssen wir uns wieder besser zuhören?
Aus Radio SRF 1 vom 11.02.2020.
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Die Sendungen zum Thema

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Die Hintergrundsendungen «Doppelpunkt» (Radio SRF 1) und «Input» (Radio SRF 3) gehen auf die Suche nach der Diskussion im Land. Wir fragen: Haben wir das diskutieren verlernt? Denn der Ton in den sozialen Medien ist harscher, Anfeindungen sind an der Tagesordnung. Wir besuchen einen Stammtisch im Luzerner Hinterland und eine Gymi-Schulklasse in Basel.

Der Podcast «Input Story» gibt Einblick in eine Diskussionsstunde am Gymnasium Leonard in Basel. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5K diskutieren dort regelmässig und zeigen: Ja, diskutieren ist lernbar!

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Dorothee Meili  (DoX.98)
    Alles gute Tipps: wenn ich sie dann nur jeweils gerade so präsent hätte. Und BrunoCH: haben Sie die Sendung ganz gehört oder nur dieses einen Hörerinnen-Ausschnitt? Ich hätte es geradezu fast unmöglich gefunden, wenn die Hörerin noch weiter rundherumeiernd umschrieben hätte, wen/was sie eigentlich meint. Es war ja ohnehin klar, so war es quasi energiesparend raus und wir konnten uns anderen Meinungen Stimmen Facetten vom Thema zuwenden.
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  • Kommentar von Bruno Bäni  (BrunoCH)
    diskutieren find ich absolut in Ordnung.Was aber daneben ist, dass sich Leute im im öffentlichen Raum (Radio)über Personen oder Parteien (zB. SVP ) auslassen und keine andere Meinung akzeptieren oder zulassen oder sogar Kinder(in der Schule) beeinflussen.

    SEHR SCHADE

    BrunoCH
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  • Kommentar von Hans Anreiner  (Hans.Anreiner)
    Beim diskutieren geschehen oft Dinge, die auf eine andere Art der zwischenmenschlichen Kommunikation nicht dienlich sind. Dies wissen wir oft nicht und tun Sachen, die eine Blockade der oben genannten Punkte mit sich bringen. Wenn dies geschieht, dann endet ein Meinungsaustausch meist mit starren Positionen und sicher keinen Lösungen. Oftmals sogar mit einer Haltung zum Gegenüber die nicht nötig wäre. Man kann das lernen, wie das 1x1. Unerklärlich warum wir das nicht in der Primarschule lernen.
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