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Transplantation der Organe «Die Organspende ist ein kleiner Trost»

Als ihre 8-jährige Tochter bei einem Autounfall stirbt, stehen die Eltern vor einer schwierigen Frage. Die Mutter und zwei Ärzte erzählen.

Für die Mutter war es der schwerste Entscheid, den sie in ihrem Leben fällen musste. Im Schock und in der Trauer über das verlorene Kind stimmte sie zusammen mit ihrem Mann einer Organspende zu. Dadurch rettete sie das Leben mehrerer schwerkranker Patienten. Den Entscheid hat sie nie bereut. «Die Organspende ist ein kleiner Trost», sagt sie. «Ich hoffe, dass es den Empfängern gut geht.»

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In der Schweiz sind im vergangenen Jahr die Organe von 145 Verstorbenen transplantiert worden – so viele wie nie zuvor. 440 Menschen erhielten ein Spenderorgan, wie aus der Statistik der Stiftung Swisstransplant hervorgeht.

Die Zahl der Patientinnen und Patienten auf der Warteliste blieb im Vergleich zu 2016 praktisch unverändert. Bei Swisstransplant geht man davon aus, dass im Schnitt zwei Menschen pro Woche auf der Warteliste sterben, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten.

Ich wüsste nicht, wie ich selber als Vater reagieren würde.
Autor: Renato LenherrOberarzt für Organspenden, Unispital Zürich

Die zuweilen schwierigen, heiklen Gespräche mit Angehörigen führt Intensivmediziner Renato Lenherr vom Universitätsspital Zürich. Dabei geht es um hoffnungslose Situationen auf der Intensivstation und mögliche Organspenden. «Es braucht eine Balance zwischen professioneller Distanz und Emotionalität, erst recht, wenn es um ein Kind auf der Intensivstation geht», sagt Lenherr. «Ehrlich gesagt: Ich wüsste nicht, wie ich selber als Vater reagieren würde.»

Porträt Renato Lenherr
Legende: Renato Lenherr, Intensivmediziner, Universitätsspital Zürich SRF/Rebekka Haefeli

Auch ganz nahe dran ist Transplantationschirurg Philipp Dutkowski. Auch für ihn ist die Situation der Organtransplantation immer besonders.

Wichtig ist, die Würde des Verstorbenen zu wahren. Man darf nie vergessen, dass jemand gestorben ist.
Autor: Philipp DutkowskiTransplantationschirurg, Universitätsspital Zürich

Obwohl sich viele verschiedene Ärzte im Raum befänden, verlaufe jede Organspende sehr ruhig. «Wichtig ist, die Würde des Verstorbenen zu wahren. Man darf nie vergessen, dass jemand gestorben ist. Das ist immer traurig.»

Porträt Philipp Dutkowski
Legende: Philipp Dutkowski, Transplantationschirurg Universitätsspital Zürich SRF/Rebekka Haefeli

Organspende: Ja oder nein?

Es gibt viele Gründe, die für eine Organspende sprechen. Es gibt aber auch Menschen, die eine solche ablehnen. Manchmal sind Ängste mit im Spiel, manchmal sind betroffene Angehörige schlicht überfordert, wenn sie in einer schrecklichen Situation einen Entscheid fällen sollten. Das Fazit für Franz Immer, Direktor der Stiftung Swisstransplant, ist klar: «Egal, ob man für oder gegen Organspenden ist: Wichtig wäre, seinen Willen zu Lebzeiten zu äussern.»

4 Kommentare

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  • Kommentar von Armin Meile (MrMele)
    Der unklare Todeszeitpunkt ("Hirntod") und die lebenslange, medikamentöse Unterdrückung des Immunsystems sind eine Seite, die bei Transplantationen zu bedenken sind. Viele Menschen mit spirituellem Zugang berichten zudem übereinstimmend, dass man Fremdorganen dauerhafte Verbindungen zwischen Seelen schafft, die nicht gewollt sind. Für jemanden, der diese geistige Seite des Lebens einbezieht, ist das ein weiterer Aspekt, der bedacht werden sollte, bevor man sich für eine Organspende entscheidet.
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  • Kommentar von Mario Atreb (Oiram)
    Der sog. "Hirntod" ist eine Erfindung der Transplantationsmediziner. Er ist nicht der endgültige, tatsächliche Tod, wo das Herz nicht mehr schlägt, kein Puls mehr fühlbar ist, der Körper erkaltet und steif ist. Deshalb müssen jene, denen die Organe entnommen werden, auch narkotisiert und festgeschnallt werden. Warum wollen so viele diese Tatsachen nicht wahrnehmen? Und der Organempfänger darf dann ein Leben lang täglich zig Medis schlucken. Aber Hauptsache der Rubel rollt.
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    1. Antwort von U. Salzmann (pfefferusalz)
      Man kann eine Organspende nicht einfach auf die Finanzen reduzieren. Haben sie mal mit einem Empfänger gesprochen, weshalb er/sie wohl eine neues Organ verpflanzt haben will?
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    2. Antwort von Aurel Specker (Auspec)
      Hirntod ist eine festgesetzte Norm, das stimmt. Aber ist nicht alles auf der Welt schwammig und man muss halt Grenzen ziehen? Es geht schlussendlich darum, dass eine Person, deren Willen (wenn nicht definiert durch Angehörige vertreten) es ist, im Falle eines Todes mit der Weitergabe der Organe andern Menschen das Leben zu ermöglichen. Ich hoffe nur, dass sie sich NIEMALS auf eine Organwarteliste eintragen mit einer solche Einstellung.
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