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Legen Sie sich einen Notvorrat zu!
Aus A point vom 11.10.2021.
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Was in Ihren Notvorrat gehört Von Pandemie bis Cyberangriff – nie ohne Notvorrat

Wenn Sie meinen, der Notvorrat sei ein Relikt aus den Zeiten des kalten Krieges, dann täuschen Sie sich. Die Versorgungsketten sind heute komplexer und fragiler denn je. Eine Pandemie, Stromausfälle, Cyberangriffe, politische Unstimmigkeiten und schon könnten die Gestelle im Laden leer bleiben.

Als der Bund vor über 50 Jahren mit dem Slogan «Kluger Rat – Notvorrat» der Bevölkerung den Notvorrat schmackhaft machte, war die Situation eine andere als heute. Der Weltkrieg mit der Rationierung war vielen Menschen noch in Erinnerung und man befand sich mitten im kalten Krieg. Krieg war das Bedrohungsszenario, auf das sich der Bund punkto Notvorrat ausrichtete.

Maja Brunner

Maja Brunner

Foodredaktorin, Radio SRF 1

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Maja Brunner arbeitet als Foodredaktorin bei Radio SRF 1 und ist verantwortlich für die kulinarische Rubrik «A Point». Die Sendung wird von Montag bis Freitag um 11.40 Uhr auf Radio SRF 1 ausgestrahlt.

Porträt Maja Brunner

Andere Bedrohungen als Krieg

Heute hat der Bund andere Bedrohungen im Blick. Zum Beispiel Pandemien, Strommangellagen, Cyberangriffe, politische Restriktionen, Missernten, Naturkatastrophen oder blockierte Handelsrouten seien die Bedrohungsszenarien von heute, sagt Viola Cassina, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Ernährung im Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung BWL. Hinzu kommt gemäss Cassina, dass die Versorgungsketten heute global organisiert, komplex und eben fragil sind: «Klemmt es irgendwo, klemmt es sofort überall und deshalb braucht man einen Notvorrat.»

Nahrungsmittel für eine Woche

Aber keine Bange: Sie müssen jetzt nicht kiloweise Mehl, Reis und Kartoffeln in Ihrem Keller bunkern und auf Teufel komm raus Konserven kaufen. Der Notvorrat muss gemäss Viola Cassina heute nicht mehr für Monate reichen, wie vor über 50 Jahren, sondern nur noch für etwa eine Woche.

Das gehört in Ihren Notvorrat

Zum Notvorrat gehören Lebensmittel, die Sie mögen und auch sonst im Alltag brauchen. Dazu gehören auch solche, die Sie konsumieren können, ohne sie vorher zu kochen: Hartkäse zum Beispiel oder Trockenwurst. Vergessen Sie das Futter für Ihre Haustiere nicht und legen Sie auch Hygieneartikel, wie Seife, WC-Papier, Desinfektionsmittel und Masken zum Notvorrat.

Wichtig sind auch persönliche Medikamente für eine Woche, Kerzen, Streichhölzer und ein batteriebetriebenes Radio, inklusive Ersatzbatterien. Und auf keinen Fall vergessen: Kleingeld. Damit können Sie das Nötigste einkaufen, selbst dann, wenn die Kreditkarte wegen Stromausfall versagt.

Legende: Kleingeld gehört zwingend in Ihren Notvorrat. SRF

Vorzu nachkaufen statt hamstern

Verstecken Sie Ihren Notvorrat nicht im Keller. Insbesondere Esswaren sind nicht endlos haltbar und müssen regelmässig verbraucht und nachgekauft werden. Viola Cassina empfiehlt, von allen Esswaren, die zum Notvorrat gehören, stets ein zweites Pack im Vorrat zu haben. Hat man also ein Müesli-Pack aufgebraucht, rutscht automatisch Müesli Nummer zwei nach und man kauft beim nächsten Einkauf ein Pack nach.

Legende: Egal ob Glas, Pack oder Dose, haben Sie immer zwei Stück davon im Vorrat. SRF

Hahnenwasser reicht nicht aus

Nun fehlt nur noch das Wasser im Notvorrat. «Wasser ist in Notlagen überlebenswichtig», sagt Viola Cassina. Haben Sie deshalb – gemäss Empfehlung des Bundes – pro Person immer neun Liter Wasser (ein Sixpack à 1.5 Liter) vorrätig. Das könnte Ihnen, wenn es brenzlig wird, das Leben retten.

Legende: Mit neun Litern Wasser pro Person im Vorrat sind Sie für Notsituationen gut gewappnet. Greg Rosenke / unsplash

Auf Hahnenwasser zu setzen ist keine gute Idee, bestätigt Viola Cassina. Falle grossflächig beispielsweise der Strom aus, könnten die Trinkwasserreservoirs wahrscheinlich nicht mehr gefüllt werden und aus dem Wasserhahn in der Wohnung käme schon bald kein Wasser mehr. Das kann gemäss Cassina schnell lebensbedrohlich werden.

Man müsse sich nur schon vorstellen, man käme an einem heissen Sommerabend nach Hause, und aus dem Wasserhahn käme kein Wasser raus. Würde ein solcher Zustand länger anhalten, müssten Sie - ohne Wasser im Notvorrat - vermutlich schnell bei den Nachbarn um Wasser betteln. Eine ungemütliche Vorstellung, nicht wahr?

Radio SRF 1, Sendung «A point», 11.10.2021, 11.40 Uhr

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Lothar Drack  (spprSso)
    Erheiternd der Schluss: «Würde ein solcher Zustand länger anhalten, müssten Sie - ohne Wasser im Notvorrat - vermutlich schnell bei den Nachbarn um Wasser betteln. Eine ungemütliche Vorstellung, nicht wahr?» Wetten, dass in 99,9% der möglichen Fälle auch beim Nachbarn kein Wasser fliesst...
  • Kommentar von Roland Schmitt  (RolandS)
    "ein batteriebetriebenes Radio, inklusive Ersatzbatterien" nützt mir dan sehr viel wenn nur noch über DAB gesendet wird und das Radio noch UKW hat. Oder wenn der DAB-Server ausgefallen ist.
  • Kommentar von Jos Schmid  (Jos Schmid)
    Gewissermassen ein Aufruf zum Food Waste. Food Waste ist von allen unnachaltigen Auswirkungen unseres Lebensstils die gravierendste und moralisch verwerflichste.
    1. Antwort von Martin Vetterli  (Vetterli)
      Es wäre wohl das Dümmste wenn man verderbliche Lebensmittel lagern würde. Natürlich gehören in den Notvorrat ausschliesslich haltbare Nahrungsmittel. Auch Tiefgekühltes ist wegen möglichen Stromausfall vermutlich nur beschränkt sinnvoll.
    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Herr Schmid, Lebensmittelverschwendung echt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei einer Familie mit Kindern 2 Büchsen Ravioli, bei einem Gemüseliebhaber 2 Dosen Erbsli&Rüebli, bei einer Wurstliebhaberin 2 Dosen Fleischkäse, bei einem Pasta- oder Reisfan 2 Spaghetti/Reis Päckchen, bei einer leidenschaftlichen Brotbäckerin 2 Kilo Mehl, bei einem Fischliebhaber 2 Dosen Thunfisch, usw., usf. "gefoodwasted" werden. Und Sie denken wirklich, das passiert?
    3. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Das ist doch Unsinn. Man erneuert seinen Notvorrat laufend, isst, was bald abläuft, und ersetzt es durch etwas Neues. Da wird nichts weggeworfen.