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Academy Awards 2018 Wir wissen, wer bei den Oscars gewinnt – und warum

SRF 3-Filmcrack Laszlo Schneider sitzt zwar nicht in der Academy, die diesen Sonntag die Oscars vergibt. Für dich lehnt er sich aber weit aus dem Fenster und sagt dir, wer den Oscar in der Kategorie «Bester Film» gewinnen wird. Und warum. Und ohne Gewähr.

Pssst...SRF 3-Filmcrack Laszlo Schneider weiss, wer den Oscar für den besten Film bekommen wird.
Legende: Pssst... SRF 3-Filmcrack Laszlo Schneider weiss, wer den Oscar für den besten Filmen bekommen wird. SRF3

Die Oscars 2017 haben gezeigt: Mit dem Indie-Film muss man rechnen. Spätestens nachdem «Moonlight» den Hollywood-Blockbuster «La La Land», mit 14 Nominationen damals absoluter Topfavorit, in letzter Sekunde vom Thron als bester Film stiess, war klar: Um gute Filme produzieren zu können, sind mittlerweile nicht nur die finanziellen Mittel, sondern vor allem Kreativität und Unvorhersehbarkeit in der Geschichte und leidenschaftliches Schauspiel matchentscheidend.

Dieser Trend wird sich fortsetzen. Wenn es 2018 wiederum um den Oscar für den besten Film geht, wird keine teure Hollywood-Blockbuster-Produktion das Rennen machen.

Laszlo Schneider, SRF 3-Filmcrack und Oscar-Orakel tippt auf:

Werbetafel mit Text
Legende: SRF

Man möchte nicht sagen, dass #metoo den Machern des Films in die Karten gespielt hat – er hat durch die Skandale aber höchste Dringlichkeit. Das wird auch der Oscar-Jury, der Academy, bewusst sein.

Nebst der mehr als grossartigen Darbietung von Hauptdarstellerin Frances McDormand thematisiert «Three Billboards» nicht nur Vergewaltigungen von Minderjährigen, sondern auch das teilweise desaströse Polizeiwesen in den USA, das immer noch von Korruption und Willkür durchzogen ist, was gerade die afro-amerikanische Bevölkerung in den letzten Jahren zu spüren bekommen hat.

Zu guter Letzt ist es das Bild einer Kleinstadt, wie man sie überall in den USA finden könnte – und es ist kein schönes. Das Zuschauerecho zeigt, dass ihnen vieles, was im Mikrokosmos Ebbing, Missouri geschieht, durchaus bekannt ist.

Regisseur Martin McDonagh, der sich selbst als stark beeinflusst durch Quentin Tarantino und den Schriftsteller Franz Kafka beschreibt, wird mit seinem verworrenen, aber auch grauenhaft-schön direkten Film wohl nicht nur den Oscar fürs beste Originaldrehbuch holen, auch die Auszeichnung «Bester Film» ist ihm so gut wie sicher.

Die «Oscars» live bei SRF

SRF zwei überträgt die Preisverleihung in den frühen Morgenstunden des Montags, 5. März, live. Die Spezial-Sendung «G&G Spezial» beginnt um 2 Uhr. Radio SRF 3 hält seine Hörerinnen und Hörer ab 5 Uhr über die Academy Awards auf dem Laufenden.

Willst Du Dir eine eigene Meinung bilden? Laszlo hat alle Nominierten für das «Bester Film 2018» noch einmal kurz für dich umrissen und analysiert.

Die Nominierten für den «Besten Film 2018»

  • 1. «Darkest Hour»

    Kaum eine politische Figur ist im Kino zurzeit so präsent wie der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill – nachdem 2017 schon ein Biopic («Churchill») erschien und im selben Jahr auch in «Dunkirk» seine Person thematisiert wurde, wirkt «Darkest Hour» wie eine Art Psychogramm des störrischen und eigenwilligen Politikers. Zentrum der Handlung ist der Zweite Weltkrieg – genauer der Zeitpunkt, zu dem hundertausende britische Soldaten im französischen Dünkirchen von der deutschen Wehrmacht eingekesselt sind. Churchill muss entscheiden: Will er mit Hitler in Friedensverhandlungen gehen und gleichermassen die weisse Fahne hissen? Oder möchte er weiterkämpfen? Churchill sagte: «We will not surrender» – und die Geschichte bewies, dass sein Mut belohnt werden sollte. «Darkest Hour» lebt nicht bloss von der ohnehin schon brisanten geschichtlichen Situation, die ohnehin schon Spannung verspricht. Gary Oldman spielt die Rolle des Winston Churchill mit so viel Hingabe und Charisma, dass wohl nicht nur den Machern von «Dunkirk», die ja genau obengenannte militärische Operation verfilmt haben, der Mund offen geblieben sein muss.

  • 2. «Call me by your name»

    Ein italienischer Sommer in den 1980ern – ein 17-Jähriger verliebt sich in den um einiges älteren Angestellten seines Vaters. Eine beeindruckende Geschichte über gleichgeschlechtliche Liebe in Zeiten von (noch) weniger Offenheit, über Toleranz und das Erwachsenwerden. Dazu das traumhafte Setting in Norditalien, der verspielte Look der 80er-Jahre – «Call me by your name» hat die Kritiker weltweit mehr als entzückt und gilt als der Geheimtipp bei der Wahl zum besten Film.

  • 3. «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri»

    Mit sieben Nominierungen ist der Film mit dem langen Titel einer der Top-Favoriten auf die Auszeichnung als bester Film. Das Gesellschaftsdrama dreht sich um die alleinerziehende Mutter Mildred, die nach dem unaufgeklärten Mord an ihrer Tochter Werbetafeln an der Ortseinfahrt aufstellen lässt, die die örtliche Polizei an den Pranger stellen. Der Konflikt, den sie in der Folge mit den Gesetzeshütern ausficht, weitet sich bald auf die ganze Gemeinde aus und wird zum Pulverfass. «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri» ist nicht nur wegen der Darbietung von Hauptdarstellerin Frances McDormand einer der bemerkenswertesten Filme der letzten zehn Jahre, er hält der amerikanischen Gesellschaf den Spiegel vor und thematisiert auf unnachahmliche Weise den unaufhaltsamen Niedergang der amerikanischen Mittelschicht.

  • 4. «Get Out»

    Mit einem sagenhaften Wert von 99% bei «Rotten Tomatoes», der Nummer-1-Online-Plattform für Filmkritiken, hat der Horror-Comedy-Mystery-Thriller seine Konkurrenten um den Titel «Best Picture» überflügelt. Das hat durchaus seine Berechtigung: Regisseur Jordan Peele («Key and Peele») hat aus dem Sub-Genre, in dem ein Pärchen die Eltern auf dem Land besucht (z.B. «Meet the Parents») das absolute Optimum rausgeholt. Der Afro-Amerikaner Chris und seine Freundin Rose sind seit fünf Monaten ein Pärchen und beschliessen, gemeinsam Rose' Eltern zu besuchen. Chris macht sich anfänglich Sorgen, diese würden ihn wegen seiner Hautfarbe nicht akzeptieren. Nachdem sich seine Angst diesbezüglich gelindert hat, weil ihn Rose' Eltern sehr wohlwollend empfangen, entwickelt sich der Besuch zu einem wahrhaften Albtraum. Peeles Film ist nicht nur eine wunderbar-ironische Herannäherung an das Thema der Rassendiskriminierung gelungen, er schafft es in «Get Out» auch, dem Horror-Genre einen komplett neuen, überraschenden Anstrich zu geben.

  • 5. «The Shape of Water»

    Der neuste Film von Guillermo del Toro ist mit sage und schreibe 14 Nominationen der absolute Topfavorit auf den Oscar für den besten Film. Und das zurecht: Man könnte sagen, del Toro habe ein komplett neues Genre erschaffen. «The Shape of Water» – das ist Fantasy und Science-Fiction, gepaart mit Drama, Romanze und Politthriller. Das kann man sich nicht vorstellen, das muss man gesehen haben. Die US-Ostküste in den 1960ern: Elisa (Sally Hawkins) ist stumm – und hat nicht viel ausser ihres Nachbarn Giles und ihres Jobs als Putzkraft in einem streng geheimen Militär-Forschungslabor. Eines Tages wird ein mysteriöses Amphibienwesen in das Labor gebracht, von dessen Atemapparat sich die Amerikaner einen entscheidenden Vorteil im Wettrüsten gegen die Sowjets erhoffen. Elisa sucht Kontakt zum Amphibien-Mann und beginnt, eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Del Toro gelingt hier der Schwung vom sehr Realen (US-Militarismus, Unterdrückung der Frau), zum Märchenhaften, Verspielten. Wer Vergleiche nicht scheut, darf sich hier auf eine Art Kombination aus «Le fabuleux destin d’Amélie Poulain» und «E.T.» freuen. Sogar beim hartgesottenen SRF 3-Filmredaktor ist kein Auge trocken geblieben.

  • 6. «The Post»

    Wenn immer ein Film mit der Grande Dame des Hollywood-Kinos, Meryl Streep, in die Kinos kommt, kann man zumindest von einer Oscar-Nomination ausgehen – derjenigen für die beste Hauptdarstellerin. Dass «The Post», mit Streep in der Hauptrolle, sich sogar Hoffnungen auf den «Best Picture»-Award machen kann, hat gute Gründe. Das liegt bei «The Post» vor allem an der politischen Aktualität, obwohl der Film in den 1970ern angesetzt ist. Kay Graham, die Verlegerin der «Washington Post» muss sich entscheiden, ob sie in ihrer Zeitung pikante Details über den Vietnamkrieg veröffentlichen und so die Pressefreiheit gewährleisten oder den Niedergang ihrer Zeitung riskieren will, die sie nach dem Tod ihres Ehemanns übernommen hat. Gerade in Zeiten von «Fake News» legt «The Post» den Finger in eine grosse Wunde – das könnte die Academy durchaus sehr begeistert haben.

  • 7. «Phantom Thread»

    Alleine weil es Daniel Day-Lewis' letzter Film sein soll, müsste man «Phantom Thread» mit einem Oscar würdigen. Der Brite hat nach dem äusserst erfolgreichen «There Will Be Blood» wieder mit Regisseur Paul Thomas Anderson zusammengearbeitet – und das Ergebnis kann sich auch dieses Mal sehen lassen – nicht nur, weil Teile in der Schweiz gedreht wurden. Day-Lewis spielt den britischen Modeschöpfer, Lebemann und Frauenhelden Reynolds Woodcock, dessen glamouröses Leben aus den Fugen gerät, als er eines Tages eine Frau kennenlernt, die eben nicht sofort seinem Charme verfällt. «Phantom Thread» ist nicht nur ein «Must» für Mode-affine Filmfans, Day-Lewis und seine Filmpartnerin Vicky Krieps bilden ein wunderbares Leinwand-Duo – zu schade, dass es wohl zum letzten Mal zu dieser Kombination gekommen ist.

  • 8. «Dunkirk»

    Wer glaubt, das Genre Zweiter Weltkrieg habe sich spätestens seit «Saving Private Ryan» totgelaufen, darf sich mit «Dunkirk» gerne eines Besseren belehren lassen. An der Einkesslung von Hundertausenden von alliierten Soldaten im französischen Dünkirchen haben sich schon viele versucht (zuletzt 2004). 2017 war Regisseur Christopher Nolan («Memento», «Inception») an der Reihe, sich an das Kriegsepos und eine der ruhmreichsten Befreiungsoperationen der Kriegsgeschichte zu machen. «Dunkirk» überzeugt nicht nur wegen des dramatischen Plots, vor allem Bildsprache und Sounddesign machen den Film mit «Pearl Harbour» und «Saving Private Ryan» zu einem der bedeutendsten Weltkriegsstreifen seit «Die Brücke am Kwai» (1957). Mit einer Gruppe von wenig bekannten Schauspielern hat es Nolan auch dank der IMAX-Filmtechnik meisterhaft geschafft, die absolute Hoffnungslosigkeit (die Soldaten wirken so noch verlorener auf der Leinwand) darzustellen. Der Soundtrack von Hans Zimmer verleiht «Dunkirk» schliesslich noch das musikalische Tüpfchen auf dem i und sorgt für ungeheuer viel Dramatik.

  • 9. «Lady Bird»

    Mit einem vergleichsweise geringen Budget von 10 Millionen Dollar geht «Lady Bird» gemeinsam mit «Call me by your name» als Aussenseiter ins Rennen ums «Best Picture». Dass die aber durchaus Chancen haben, wissen wir spätestens seit sich «Moonlight» 2017 den Oscar in dieser Kategorie sichern konnte. Und dass «Coming of Age»-Filme bei den Academy Awards hoch im Kurs stehen, wissen wir nicht erst seit «Boyhood» (2014). «Lady Bird» könnte nun der Nächste sein: Christine ist ein junge Frau (hervorragend dargestellt von Saoirse Ronan), die ihr Leben nach dem dem Abschluss an einer katholischen High School unbedingt ändern möchte. Der Zuschauer begleitet Christine auf unaufgeregte, aber äusserst amüsante Art durch ihr letztes Schuljahr, in dem klar wird, dass sie nach Höherem strebt, gleichzeitig aber auch dabei ist, zu lernen, was es heisst, erwachsen zu werden. Der jungen Regisseurin Greta Gerwig ist es gelungen, mit wenig finanziellen Mitteln, aber umso mehr Kreativität und Authentizität einen Einblick in das Leben amerikanischer Teenager aus der Mittelschicht zu bieten, und dabei nicht zu vergessen, auf die sehr realen Existenzängste, die viele High-School-Abgänger aufgrund der hohen Kosten für's College plagen, hinzuweisen. Saoirse Ronan ist ausserdem als beste Hauptdarstellerin nominiert, Greta Gerwig für die beste Regie und das beste Originaldrehbuch, Laurie Metcalf darf sich Hoffnungen auf die Auszeichnung als beste Nebendarstellerin machen. Mit insgesamt fünf Nominationen gehört «Lady Bird» zu einem der Topfavoriten 2018.

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